zuletzt bearbeitet: 18.02.2011 11:32 Uhr
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Sex und Wasser, mal zu viel und mal zu wenig
Eva Maschkes Dokumentarfilm „Ohne Halt“ führt mitten in die Kölner Schwulen-Szene. Es gelingt ihr dank der Offenheit von drei Männern aus der Community, die augenblickliche Situation nachvollziehbar zu erfassen.
Eine neue Schwulengeneration hat die von 1980 abgelöst. Sie versteht HIV nicht mehr als tödliche Gefahr. Entsprechend sprunghaft wächst die Zahl der Neuinfektionen. Zwei der befragten Männer sind HIV-positiv. Einer sagt mit Seitenblick auf seinen betroffenen Geliebten, er habe bis jetzt nur Glück gehabt. Selbst er, der nicht dauernd auf der Suche nach neuen Partnern ist, will nicht ausschließen, auch einmal – so wie sein Freund – ohne Kondom Sex zu machen. Gleichzeitig fürchtet er den tödlichen Ausgang der Krankheit und fordert einen verantwortlichen Umgang miteinander. Die Idee, sich mit voller Absicht infizieren zu lassen, um keinen Gedanken mehr an HIV verschwenden zu müssen, halten die Drei allerdings unisono für verkehrt.
Die Bestandsaufnahme zur aktuellen Diskussion ist aber nur ein Ziel, das die Regisseurin mit großem Einfühlungsvermögen verfolgt. Ein anderes ihrer Ziele ist, den puren Alltag, das Privatleben von Schwulen in Köln zu zeigen. Die Community spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auf ihrer Website findet man sich gegenseitig. Man hat eigene Codes. Online zu gehen, gehört zum Leben wie das Frühstücken. Darüber hinaus zeigt Eva Maschke im Verlauf ihrer Recherche – wie im Vorübergehen –, dass die drei Männer natürlich auch ein ganz unterschiedliches Leben führen.
Die Bildersprache des Films betont noch einmal die Bedeutung des Internets – nicht nur für Schwule. Der Gebrauch der Website dient als gliedernde „Interpunktion“. Der Film wird „hochgefahren“ wie ein Computer. Die Filmcredits erscheinen in Fenstern auf dem Bildschirm. Am Ende wird Maschkes wichtiger Filmbeitrag mit Klick „geschlossen“.
Unglück und Menschlichkeit
Die Katastrophen, an die Udo Maurer mit seinem Dokumentarfilm „Über Wasser, Menschen und gelbe Kanister“ erinnert, sind eigentlich bekannt, gehen aber in der allviertelstündlichen Informationsflut für gewöhnlich unter: Im Mündungsgebiet des Brahmaputra in Bangladesch sind Millionen von Menschen existentiell von Überschwemmungen bedroht, am Aralsee in Kasachstan von der Austrocknung, und im größten Slum von Nairobi gibt es für über eine Million Menschen nur 14 offizielle Wasserstellen. Der Filmemacher Udo Maurer, ein Spezialist auf diesem Gebiet, gibt dem Unglück ein menschliches Gesicht. Er zeigt einfach und ohne Voyeurismus, wie die Menschen trotzdem leben, was ihr Geschäft ist und wie die Kinder erzogen werden. Herausgekommen sind 83 sehenswerte Minuten, in denen sich die Welt vor Ort keinen Zentimeter bewegt, die aber das Publikum bewegen könnten. Pit Fiedler
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