zuletzt bearbeitet: 21.01.2009 14:30 Uhr
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Gealan Formteile: Junge Wilde lernen bei alten Hasen
Oberkotzau – „Wir sind Hochfranken treu. Wir wollen hier Arbeitsplätze schaffen und erhalten, deshalb investieren wir auch in diese Region“, betont der Geschäftsführer von Gealan Formteile, Thomas Fickenscher. Die Bevölkerung und natürlich die Mitarbeiter haben sich gefreut, als 2007 die Entscheidung fiel, in Oberkotzau zu erweitern, anstatt in einem Billiglohnland zu investieren. Bis 2010 ist geplant, etwa zwölf Millionen Euro am bestehenden Standort einzusetzen.
Inzwischen sind schon eine neue Produktionshalle mit über 3000 Quadratmeter Nutzfläche und ein großer Firmenparkplatz fertiggestellt worden. „Wir haben ein Nachbargrundstück dazu gekauft, bringen neues Leben in ein altes Industriegebäude und haben wieder eine Perspektive, wenn wir noch weiter wachsen wollen.“
Bei der Verleihung des Mittelstandslöwen 2008 der Frankenpost und der hochfränkischen Sparkassen wurde die Firma mit Geschäftsführer Thomas Fickenscher an der Spitze in der Kategorie „Lebenswerk“ mit dem zweiten Platz bedacht. „Dieser Preis ist eine Bestätigung für das, was man über Jahre geschaffen hat“, stellt Geschäftsführer Fickenscher fest. Die Auszeichnung finde große Anerkennung in der Region. „Das ist uns besonders wichtig, da ja unsere Produkte nicht an den Endverbraucher gehen. Auch die Mitarbeiter haben sich über den Preis gefreut und sind stolz darauf.“
1921 ist das Unternehmen als Pelzhandel und Gerberei von Adam Fickenscher, dem Großvater des heutigen Chefs, gegründet worden. Die Gealan Formteile GmbH geht als zweiter Firmenbereich – neben der Gealan Fenster-Systeme GmbH – aus dem Unternehmen von Adam Fickenscher hervor. Sie beschäftigt sich inzwischen seit 23 Jahren mit technischen Spritzgussteilen und -serien. Diese Produkte sind allesamt kundengebundene Unikate für einen bestimmten Automobiltyp oder für ein Konsumgut. Hierzu berichtet der Firmenchef: „Nicht nur die Entwicklung, das Produkt, die Dienstleistung, der Vertrieb, sondern speziell der Mensch positioniert sich hier positiv am Weltmarkt.“ Mit 20 Mitarbeitern ging es im Jahr 1985 los, der Umsatz lag bei umgerechnet 1,25 Millionen Euro. Inzwischen arbeiten bei Gealan Formteile 340 Menschen, der Umsatz ist 2008 auf 41,5 Millionen Euro angewachsen.
„Gefragt sind immer wieder neue Ideen, viel Idealismus, besondere Verfahrenstechniken und Patente. Dies verschafft uns einen Wettbewerbsvorsprung“, erklärt Fickenscher. Das Unternehmen mache sich über Entwicklung viele Gedanken: 30 Patente besitzt Gealan bereits. Namhafte Großabnehmer seien längst zu festen Geschäftspartnern besonders im Automobil-Bereich sowie in der Wasser- und Wärmetechnik, der Heizungstechnik und der Elektronik geworden. BMW spielt als Kunde inzwischen eine ganz wichtige Rolle.
„Wir versuchen, bereits bei der Ideenfindung mitzuwirken und bringen unser gesamtes Know-how mit ein. Dadurch spart sich der Kunde Zeit und Kosten. Wir arbeiten bei der Entstehung auch mit anderen Herstellern zusammen“, erklärt der Unternehmer. Die Entwicklungsabteilung ist inzwischen im Automobil-Technikum in Hof zu finden. Gealan Czech ist zur zusätzlichen Kunststoff-Veredelung und für Montagetätigkeiten als Joint Venture im tschechischen Asch gegründet worden. „Ich habe mich dort mit einem Unternehmer zusammengetan, das klappt sehr gut. Dafür wurden aber in Oberkotzau keine Arbeitsplätze abgebaut“, betont Fickenscher.
27 Auszubildende sind bei Gealan derzeit beschäftigt. „Unsere alten Hasen nehmen die jungen Wilden bei der Hand und lassen sie von ihrer Erfahrung profitieren.“ Das Unternehmen versuche stets, alle zu übernehmen.
Bei der Planung für die neue Halle durfte auch das Personal Wünsche äußern: Ein Speiseraum, in dem es ein qualitativ hochwertiges, warmes Essen gibt, war das größte Anliegen. Dies ist inzwischen verwirklicht: „Theos Bistro“ ist liebevoll eingerichtet, hat eine eigene Terrasse und wird sehr gut angenommen. „Wir wollen uns noch familienfreundlicher aufstellen, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und dadurch die besten Mitarbeiter zu bekommen“, sagt Fickenscher.
Wichtig ist dem Geschäftsführer der Sport in der Region. So unterstützt sein Unternehmen die Selber Wölfe, verschiedene Fußballvereine sowie die Oberkotzauer Bogenschützen. Jedes Jahr findet der Gealan-Triathlon am Untreusee statt. Die Gealan Formteile GmbH unterstützt den Verein "Initiative Therapeutisches Reiten" durch die Finanzierung von „Justus“. Das braune Therapiepferd steht im Reiterhof Gut Haidt und wird von der heilpädagogischen Reittherapeutin Susan Müller betreut. Es hat eine spezielle Ausbildung und ist sehr einfühlsam. Die Tiere, deren Ausbildung, Unterstellung und Pflege wurden ebenso wie die kostenlose Therapie bisher über Spenden finanziert. Dadurch und dank der ehrenamtlichen Helfer konnten etliche, meist mittellose Patienten, das Therapiereiten nutzen, ohne sich finanziell beteiligen zu müssen.
GUTE ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN
Die Bestellungen der Autoindustrie sind beim Unternehmen Gealan Formteile seit Oktober zurück gegangen. „Auch wir merken die Auswirkungen der Wirtschaftskrise“, stellt Geschäftsführer Thomas Fickenscher fest. Das Unternehmen liefere meist an Autozulieferer, aber auch an BMW direkt.
62 Prozent des Umsatzes macht Gealan mit dem Bereich Auto, die restlichen 38 Prozent als Zulieferer für andere Branchen. „Der Nicht-Automobilbereich unseres Betriebes ist leicht über dem eingeplanten Umsatz, der Autobereich ist darunter. Wir sind froh, dass wir auch den anderen Zweig gepflegt haben, um nicht zu sehr autolastig zu werden.“ Fickenscher hofft, dass sich 2009 alles etwas beruhigt und die Konjunktur wieder anspringt.
„Für die Zukunft hat das Unternehmen ganz gute Perspektiven. Wir haben viele neue Aufträge für 2009 und auch schon für 2010, gerade von BMW. Wir können ganz positiv nach vorne blicken.“
ah
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