zuletzt bearbeitet: 18.02.2011 13:03 Uhr
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Die Sucht, berühmt zu sein
Im Gespräch | Werkschau-Regisseurin Allison Anders über Scherz, Ernst und McCartney.
Sie wurde geboren, als der Rock’n’Roll begann, 1954 also; ihre Eltern waren noch Teenager, und so wuchs sie mit der Popkultur auf. Der Musik und dem Film, sagt Allison Anders im Gespräch mit Festival-Mitarbeiter Robert Fischer aus München, habe von Anfang an ihre Liebe gehört. Und unter den Großen des Kinos war es vor allem Wim Wenders, den sie – „auch wegen seines Aussehens“ – verehrte. Bei „Paris, Texas“ durfte sie ihm assistieren, nachdem sie ihn zwei Jahre lang mit Fanpost eingedeckt hatte. Ihr eigenes Oeuvre umfasst bis heute sechseinviertel Kinofilme – die nun in Hof, im Rahmen einer Werkschau, alle zu sehen waren – und zwölf TV-Arbeiten, darunter vier Episoden der Serie „Sex and the City“.
Sehr viel Persönliches floss in die Filme ein, die sie, oft zusammen mit Kurt Voss, schrieb und inszenierte; und obwohl manch Trauriges ihr Leben prägte – darunter eine Vergewaltigung, deren Opfer sie im Alter von zwölf Jahren wurde –, fehlt es ihren Geschichten nicht an Humor. Über „Sugar Town“ von 1999 sagt sie selbst, sie und Voss, der sie nach Hof begleitete, hätten sich über alles lustig gemacht, was ihnen früher mal wichtig gewesen sei, über die Sucht, berühmt zu sein, vor allem. In der herrlichen Komödie übers Musik-Business ist zu hören, was Anders lachend den allerkürzesten Punkrock-Song nannte. Ein kleiner Junge nervt damit seine Umgebung, indem er nicht müde wird zu erklären: „Mein Name ist Nerve.“
Noch unverfilmt ist das erste Skript, das Allison Anders in den 70er Jahren verfasste. Es heißt „Paul is dead“ und beschäftigt sich mit Paul McCartney, von dem sie besessen war, bevor sie sich in Wenders verguckte. Der Ex-Beatle, sagt sie, habe in Songs wie „Eleanor Rigby“ großartige weibliche Charaktere erschaffen. Nicht zuletzt darum soll aus ihrem Skript von damals nun endlich ein Film werden. Den sollte sich Hof rechtzeitig sichern, ist doch Heinz Badewitz – laut Robert Fischer – „eine lebende Hommage an die Beatles-Frisur“. Ralf Sziegoleit
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