zuletzt bearbeitet: 24.03.2011 14:01 Uhr
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Über die Kinoleinwand gehen, bis Blut spritzt
"Die Hölle, das sind wir den anderen", sagt, in Umkehrung eines berühmten Sartre-Worts, der Philosoph. Der Polizist, auch wenn er gerade den Katholikentag beschützt, hat eine noch profanere Ansicht: "Die Hölle, das ist, wenn es kein Bier gibt." Aber jene Katholiken selbst sollen eigentlich etwas anderes glauben: Bis in jüngere Zeit wurde die Hölle gerade den Kindern als furchterregender Ort unerträglicher Qualen ausgemalt, der die Sünder erwartet. Ein solches katholisches Kind war einst auch Rosa von Praunheim, der es nun, konfessionslos "dem Tode näher kommend", genauer wissen will und sich auf "Rosas Höllenfahrt" macht.
Wir können dabei viel lernen, über die Höllenfaszination des Mittelalters oder über Höllenvorstellungen anderer Religionen, über Kunst und über Menschen. Formal schieben sich zwischen die vielen Interviews nachgestellte Höllenbilder (eher schwülstig) und Rezitationen berühmter Höllen-Beschreibungen (teilweise packend). Ein wenig verzettelt sich Praunheim von der Hölle zu Jenseits und Seele und Kirchenkritik im Allgemeinen. Und ein wenig altersmilde ist der einstige Provokateur geworden, so dass er sehr gediegen öffentlich-rechtlich wirkt, ausgewogen beinahe.
Fast gleiche Ausgangslage, aber welch ein Furor: Josef Winkler hat sich vom Erzministranten zum Kirchenhasser entwickelt, und der Tod, der Suizid zumal, ist ihm die liebste Obsession: "Ich bin deprimiert, weil ich seit einiger Zeit keine Selbstmordgedanken mehr habe." Der mit dem Büchnerpreis ausgezeichnete Kärntner Schriftsteller ist "Der Kinoleinwandgeher" in einem essayistischen Porträt-Film von Michael Pfeifenberger. Diese zwei kennen kein Halten: Da spritzt das Blut geschlachteter Tiere, da reiht sich eine Blasphemie an die vorige.
Das Ganze bliebe wohl billige Provokation, stammten die Texte nicht durchweg aus Winklers Werken. Wortmächtigere und bildreichere Sätze des Zorns muss man in der deutschsprachigen Literatur lange suchen. "Geschmeidig wie eine Raubkatze" dem eigenen Anspruch nach. Und plötzlich sind Pfeifenbergers Filmbilder kongenial: in ihrer Drastizität, in ihren Tempowechseln, in ihrer Verknüpfung von Geschichte, Reflexion, Assoziation. Plötzlich muss man sich fragen, ob die Gewohnheit den Bildern nicht viel strengere, engere Fesseln anlegt als den Worten.
Arne Thomsen
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