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Araber, Juden, Christen leben Tür an Tür

  • fpku_ajami_031109 Yaron Shani, einer der Regisseure von "Ajami" Foto: asz
     
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Mischka Popp und Thomas Bergmann erinnern mit ihrem dokumentarischen Film "Mazel Tov" an die vergessenen 500 000 jüdischen Soldaten, die in der Roten Armee gegen Hitlerdeutschland kämpften. Das erfahrene Regieduo nimmt die alljährliche Feier der Veteranen zum Sieg über die Nazi-Truppen am 9. Mai in der Frankfurter Gemeinde zum Anlass, die Auswanderung vieler Juden aus der ehemaligen UdSSR nach Deutschland zu erforschen.

Drei Generationen berichten ohne Hass und mit großer Menschlichkeit von ihrem mehr oder weniger gelungenen Ankommen in der neuen Heimat, die ja zugleich das "Land der Täter" ist. Die russische, deutsche und jüdische Identität unter einen Hut zu bringen, fällt ihnen nicht leicht. Schon das Zusammentreffen der in der UdSSR streng atheistisch erzogenen Juden mit dem lebendigen Judentum in Frankfurt stellt sich als eine Herausforderung dar, die nur mit viel Witz und interkultureller Bildung zu bewältigen ist.

Besonders aber beeindrucken die Lebensweisheiten der alten Menschen. Einer der Veteranen, dessen Jacke über und über mit Orden bestückt ist, erklärt zum Beispiel in denkbar einfachen Worten, warum man über Krieg als Möglichkeit der Politik überhaupt nicht mehr reden könne: "50 Millionen Tote. 50 Millionen!"

Eran Marev, geboren in Haifa 1975, erzählt in seinem zweiten Spielfilm "Zion & his Brother" auf erfrischend eigene Weise die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter und ihrer beiden Söhne Zion und Meir, vierzehn und siebzehn Jahre alt. Der Regisseur findet nämlich einerseits starke Bilder für das emotional aufgeladene Familienleben, andererseits versteht er es, den Alltag in einem heruntergekommenen Viertel Haifas zu zeigen. Die schlimmste Wendung nimmt die Geschichte, nachdem der ältere Bruder einen Mitschüler erschlagen hat, um seinem kleinen Bruder, für den er sich verantwortlich fühlt, zu helfen. Die Familienbande beginnen zu reißen. Ein konsequent gestalteter Film ohne Happy End: Statt dessen muss der Zuschauer einen letzten absurden Hakenschlag der Geschichte verdauen.

"Ajama" heißt das heruntergekommene, multikulturelle Stadtviertel Jaffas, das der gleichnamige Spielfilm mit einer Vielzahl ineinander verwobener Geschichten porträtiert. Den Regisseuren Yaron Shani und Scandar Copti - der eine Jude, der andere Araber - geht es darum, die konfliktträchtigen Ansichten der Bewohner über ihre gemeinsame Umwelt herauszuarbeiten. Sie sind denkbar verschieden, leben dort doch Araber, Juden und Christen Tür an Tür.

Die Filmemacher gehen sogar noch einen Schritt weiter, indem sie zeigen, dass jeder einzelne Mensch - egal welcher Religion, Nation oder Bildung er ist - eine eigene Welt repräsentiert. "Ajama" verwandelt sich so in ein Symbol des unermesslichen Reichtums an Lebensmöglichkeiten in einer Gesellschaft mit vielen Kulturen. Der unerwartete Erfolg an den Kinokassen in Israel nährt bei den Machern des Beitrags die Hoffnung, dass der Film, noch vor dem Kinostart auch in Deutschland, für einen Oscar nominiert wird.

Pit Fiedler

Weitere Infos unter: www.hofer-filmtage.de.

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