zuletzt bearbeitet: 08.04.2011 08:41 Uhr
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Medov – der rätselhafte Service-Gigant
Wer sind die Finanzinvestoren, die 72,5 Millionen Euro in den Ausbau des Regionalflughafens Hof-Plauen stecken wollen?
Wer und was steckt hinter der Gruppe der Finanzinvestoren, die den Ausbau des Regionalflughafens Hof-Plauen ermöglichen wollen und die sich bereit erklärt haben, dafür 72,5 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen? Es bleiben Rätsel.
HOF – Das Unternehmen Medov ist ein Schifffahrts-Dienstleister und Logistiker ersten Ranges, der die wichtigsten Veranstalter von Kreuzfahrten ebenso zu seinen Kunden zählt wie Frachtreeder und ihnen praktisch alles anbietet, was auf diesen Feldern denkbar ist. Medov regelt Verträge, erledigt Pass-, Zoll- und Steuerformalitäten, be- und entlädt Ozean-Riesen, lagert Fracht und organisiert Ausflüge und allerlei sonstige Genüsse für Urlauber.
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Spitzenklasse
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Die führenden Kreuzfahrt-Gesellschaften haben Medov als ihren Agenten in Italien auserkoren: die norwegisch-amerikanische Royal Caribbean Cruise Line (RCCL) mit Hauptsitz in Miami; die RCCL-Tochter Celebrity Cruises; die Aida Cruises mit Sitz in Rostock; die Silversea Cruises; Saga; Oceania; Travelplan. Ihre Schiffe sind Spitzenklasse, und sie haben nicht nur wohlklingende Namen, sie sind der Inbegriff von Luxus. Ob die Kolosse Voyager of the Seas heißen oder Explorer of the Seas, die zu den größten Kreuzfahrt-Schiffen der Welt gehören und drei Mal so groß sind wie die legendäre Titanic; ob es die Brilliance of the Seas ist, die Legend of the Seas, die Century, die Aida-Flotte, die Regatta, die Millennium, die Nautica: Medov hat sie alle auf seiner Service-Liste.
Das Unternehmen firmiert in Italien als Srl, Società a responsibilità limitata, eine Kapitalgesellschaft, die am ehesten der deutschen Rechtsform der GmbH entspricht. Der Hauptsitz ist in Genua, weitere Büros gibt es in Venedig, Civitavecchia, Neapel und Livorno und eine Filiale in Triest. Dachgesellschaft von Medov ist die Holding & Finance Ltd (Limited), deren Verwaltung in Turin sitzt – und die in Road Town, der Hauptstadt der Britischen Jungferninseln, unter P.O. Box 146 eine Briefkastenfirma hat. Solche Firmen sind in der Karibik-Inselgruppe der Kleinen Antillen mit ihren 24 000 Einwohnern gang und gäbe, etwa 500 000 sind dort mittlerweile registriert, und mit den Gebühren bestreitet der unter britischer Exekutive stehende Regierungschef Orlando Smith 50 Prozent des Staatseinkommens. Traditionell sind solche Briefkastenfirmen dazu da, die Anonymität zu wahren und Steuern – wohlmeinend gesagt – günstig zu gestalten.
Medov war 1947 von dem griechischen Reeder Fotis Poulides gegründet worden; dessen Sohn George Fotis Poulides war in den achtziger Jahren „Managing Director“ von Medov, ehe er das international agierende Kreuzfahrtunternehmen Festival Cruises gründete, zu dem Medov dann gehörte. Von Poulides ist eine sonderbare Story bekannt: 2001 verlegte er den „Festival“-Geschäftssitz nach Siders ins schweizerische Wallis, und weil er bald „so verliebt“ in das Steuerparadies war, lud er alle Bürger des Dörfchens Gondo, etwa 120, zu einer kostenlosen Mittelmeerkreuzfahrt auf eines seiner edlen Schiffe ein. Die Einwohner nahmen dankend an.
Vielleicht lag es ja an solch großzügigen Geschenken, die am 27. Mai 2004 zum Bankrott der Festival Cruises führten. In den Strudel dieser Pleite wurde auch Medov gerissen. Das Unternehmen, das sich längst von „Festival“ gelöst hatte und dessen italienischer Generalagent geworden war, wartete vergeblich auf acht Millionen Euro, die Poulides schuldete, und blieb selbst auf 1,4 Millionen Euro Schulden sitzen – bei einem Kapital von gerade 105 000 Euro, wie der Branchendienst Daily Shipping Newsletter damals meldete. Ergebnis: ebenfalls Bankrott. Die Carige-Bank von Genua, bei der Festival Cruises mit 80 Millionen Euro in der Kreide stand, verkaufte im Konkursverfahren Geschäftsteile von Medov – Dienstleistungs-Verträge mit Silversea, Aida, Celebrity und Travelplan samt 20 Bediensteten – an einen Pool italienischer Schiffs-Agenten, bestehend aus den Familien Schenone und Spizzuoco.
Schon im Juni 2004 startete Medov neu, mit neuen Eigentümern, und blühte zu neuer, ungeahnter Stärke auf. Medov neu hat nicht das Geringste mit dem alten Unternehmen gemein. Allein das Grundkapital der Medov Srl wird mit drei Millionen Euro angegeben, und Rina, eine angesehene Zertifizierungsgesellschaft der Branche, adelte Medov mit der Auszeichnung „Best 4“: für besondere soziale Verantwortung, Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Qualität.
Zu den Medov-Kunden zählen in Italien auch die schwedisch-norwegische Wallenius Wilhelmsen Lines, weltweit „Frachtkönig“ im sogenannten Ro-Ro-Verkehr. Das sind hochmoderne Transportschiffe, in deren immense Stahlbäuche ausschließlich bewegliche Güter wie Personenwagen, Lastautos, auch Züge oder Mähdrescher hinein- und am Zielhafen wieder herausrollen (Ro-Ro: Roll on Roll off). Die Bremer Deutschland-Zentrale von Wallenius Wilhelmsen bescheinigt Medov auf Anfrage „hervorragende Qualität“, Kreuzfahrt-Unternehmen wie Aida stellen Medov das Zeugnis eines „sehr guten Partners“ aus.
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Zweifel
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Dies alles weist also in der Tat auf ein höchst potentes Unternehmen, das jedes Jahr Milliardenumsätze schreibt und Tausenden Menschen Arbeit bietet. Warum allerdings der Drang zur Anonymität so weit führt, dass sich die Medov-Eigentümer noch nicht zu erkennen gegeben und noch nicht einmal gesagt haben, warum sie nun fernab ihrer bisherigen Betätigung ein Flughafen-Projekt wie das in Hof in Angriff nehmen wollen; und warum sie, wenn sie denn kapitalkräftig sind, noch immer keine Bürgschaft für die 72,5 Millionen Euro hinterlegt haben: Das ist nach wie vor rätselhaft und macht die Zweifel der regionalen Ausbau-Planer durchaus verständlich.
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