zuletzt bearbeitet: 17.02.2011 10:24 Uhr
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"Die Bibel erzählt auch von Prophetinnen"
Gottes Geist wirkt auch durch Frauen: Die Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner spricht anlässlich des Filmstarts von "Die Päpstin" über Gleichberechtigung
Ob tatsächlich einmal eine Frau das höchste Amt der katholischen Kirche innehatte? Der Film "Die Päpstin" jedenfalls stößt auf großes Interesse. Für die Frankenpost Anlass, in loser Folge Frauen in der Kirche vorzustellen. Den Auftakt macht ein Gespräch mit einer Protestantin, mit Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner.
Das Geschlechterverhältnis ist in der Bibel stark kulturell geprägt und die Texte spiegeln in der Regel die kulturell bedingte Unterordnung der Frau im öffentlichen Bereich wider. Das Alte Testament erzählt nicht nur von den Richtern, die in einer langen Phase der Geschichte Führer des Volkes waren, sondern auch von einer Richterin Debora. Es erzählt von den Prophetinnen Mirijam und Hulda und gebraucht auch diese Titel für sie. Im Neuen Testament verstärkt sich das. Selbst die Bezeichnung "Jüngerin" kommt explizit vor, für Tabita aus Joppe. Es ist davon auszugehen, dass es in der frühen Christenheit Gemeindeleiterinnen gab. Vor allem aber wird deutlich, dass Gottes Geist sein Wirken nicht nach völkischer Zugehörigkeit, Stand oder Geschlecht des Menschen richtet, sondern nach der Fülle der Gnade Gottes.
Warum wehren sich Frauen nicht gegen die Unterdrückung durch die Männer in der Kirche? Auch bei den Protestanten gibt es ja nach wie vor wenig Frauen in höheren Positionen ...
Was die protestantischen Kirchen anbelangt, muss ich widersprechen. Im Landeskirchenrat gibt es zwölf Oberkirchenräte, beziehungsweise 13, weil auf einer Stelle ein Stellenteilerehepaar sitzt. Von diesen 13 Personen sind vier Frauen. Schauen wir in die Wirtschaft. In maßgeblichen Positionen ist das Geschlechterverhältnis in der Regel schlechter. In der Synode, dem gesetzgebenden Organ unserer Kirche, ist das Geschlechterverhältnis besser als im Bundestag. Dass es noch besser werden kann und soll ist keine Frage. Doch dürfen wir auch mit unserer Diskussion den Frauen, die bewusst bei ihren Kindern zu Hause bleiben wollen, kein schlechtes Gewissen machen. Bitte keine neue Form der Unterdrückung!
Wie geht die evangelische Kirche mit Frauen um?
Inzwischen gut. Ich schätze das hohe Maß an Sensibilität im Umgang der Geschlechter miteinander in unserer Kirche. Inzwischen gibt es Männer, die den Eindruck haben, benachteiligt zu werden. Aber das sehe ich nicht. Keine Frage aber, dass es vielfältige Formen der Benachteiligung in der Vergangenheit gab. Da ist auch unsere Kirche an den Frauen, ihren Gaben, ihrer Geschöpflichkeit schuldig geworden.
Seit wann herrscht bei den Protestanten Gleichberechtigung und wie kam es dazu?
Das Leben und Arbeiten in Gleichberechtigung ist eine Entwicklung. Aber es gibt wichtige Schritte. Im Jahr 1975 eröffnete die Synode für Frauen die Möglichkeit zum geistlichen Amt ordiniert zu werden. Seitdem gibt es Pfarrerinnen. Im Jahr 1999 wurde die erste Frau Mitglied des Landeskirchenrates. Das war übrigens ich.
Inwieweit profitiert die Kirche von Frauen?
Inwieweit profitiert die Kirche nicht von Frauen? Jeder Mensch, der sich in der Kirche engagiert, ist eine Bereicherung und ohne ihn oder sie wären wir ärmer. Die Mehrzahl der Ehrenamtlichen sind Frauen. Das fängt beim Austragen von Gemeindebriefen an und hört bei der Präsidentin unserer Landessynode auf.
Wie sähe eine Kirche ohne Frauen aus?
Stellen Sie sich evangelische Kindergärten ohne Erzieherinnen vor, die leeren Stühle in Pfarramtssekretariaten, in Kirchenvorständen und Synode ... Die Männer täten mir leid. Ich glaube, sie würden uns sehr vermissen. Ich stelle aber mal die Frage, ob es überhaupt eine Kirche ohne Frauen geben kann. Kirche ist zuallererst "Gemeinschaft der Glaubenden". Eine Gemeinschaft, zu der die Frauen nicht gehören, würde Christus nicht wollen. Es gäbe diese Kirche nicht.
Glauben Frauen anders?
In der gegenwärtigen abendländischen Situation nehme ich wahr, dass tendenziell Frauen immer noch mehr Sinn haben für sinnlich erfahrbare Formen der Frömmigkeit. Doch grundsätzlich gilt: Jeder Mensch glaubt persönlich oder er glaubt nicht.
Wie sehen Sie das Frauenbild der katholischen Kirche?
Ich warte sehnlichst mit vielen katholischen Frauen und Männern auf eine Entwicklung, durch die die großen Begabungen vieler Frauen im Diakonat, im Priesterdienst und im Bischofsamt eingebracht werden können. Es tut mir - ohne jegliche Überheblichkeit - leid für meine Schwesterkirche, dass sie diese Gaben in diesen Aufgaben noch nicht nutzt.
Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, um zu mehr Gleichberechtigung in der Kirche zu kommen?
Die größten Veränderungen kommen meist durch Notsituationen. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele evangelische Gemeinden durch kluge, fromme Pfarrfrauen oder Katechetinnen geleitet. Das wirkte! Nun war klar: Frauen können das auch; und Gottes Geist wirkt durch sie. Es war dann nicht mehr nur eine Frage der Macht, sondern auch eine geistliche Frage: Wenn Gott durch Frauen wirkt, wenn sie öffentlich verkündigen, dürfen wir Menschen dies dann durch unsere Kirchengesetze hindern? Die Gleichberechtigung ist nicht nur eine kulturelle Frage, sondern auch eine theologische und geistliche, denn Gleichberechtigung entspricht den Grundlagen unseres Glaubens, sonst würde ich sie nicht vertreten. Ich wünsche der orthodoxen und der katholischen Kirche nicht im Geringsten eine wie auch immer geartete Notsituation. Veränderung geschieht auch in guten Zeiten, nur langsamer. Doch die geistliche Frage steht längst auch für diese Kirchen im Raum und sie wird stärker werden.
Das Gespräch führte Ulrike Sommerer.
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