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"Wir stellen uns den Herausforderungen"

Keramik- und Porzellanindustrie | Verbands-Geschäftsführer Peter Frischholz sieht keine neuerliche Strukturkrise. Den Umsatzeinbruch seiner Branche führt er auf die durch die Finanzkrise ausgelöste Talfahrt der Konjunktur zurück. Außerdem spricht er über die Gefahr einer Kreditklemme, neue Marketing-Aktivitäten und die Zukunft von Rosenthal.
  • Peter Frischholz Peter Frischholz, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Keramischen Industrie
    Matthias Will
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Herr Frischholz, mit welchen Erwartungshaltungen geht Ihre Branche ins neue Jahr?

Es herrscht noch immer Unsicherheit in der Branche. Wichtig wäre, dass die allgemeine Konjunktur wieder anzieht. Dies würde sich positiv auf die Konsumbereitschaft der Menschen auswirken und damit wären auch die Produkte unserer Unternehmen wieder stärker gefragt. Einige Experten sagen eine deutliche Verschlechterung des Arbeitsmarkts, sprich mehr Arbeitslose, voraus. Diese Negativprognosen trüben natürlich die Stimmung in unserer Branche. Aber schließlich ist selbst 2009 alles längst nicht so schlimm gekommen, wie viele Experten befürchtet hatten. Ich bin zuversichtlich, dass es aufwärts geht. Ende vergangenen Jahres gab es schon erste Signale dafür.

Die weltweite Finanzkrise hat 2009 auch die Porzellanindustrie schwer getroffen.

Das ist richtig. Aber anders als in der Vergangenheit, sehe ich darin keine neuerliche Strukturkrise. Im Gegenteil: Viele unserer Unternehmen, gerade auch hier in der Region, haben ihre Hausaufgaben gemacht und sich auf den Märkten gut positioniert. Allerdings konnte sich auch unsere Branche der weltweiten Konjunkturflaute nicht entziehen.

Also sind die Probleme diesmal nicht hausgemacht?

Ausdrücklich: nein. Im Oktober 2008 hatten wir im Inland im Vergleich zum Vorjahr noch ein Umsatzplus von 2,1 Prozent zu verzeichnen. Auch der Export lief sehr gut. Der Wendepunkt war die Lehman-Pleite, die die gesamte Weltwirtschaft in einen Abwärtsstrudel riss. Kurz danach gingen auch bei uns die Schwierigkeiten los. Beim Export war der Umsatzeinbruch mit rund 20 Prozent 2009 besonders deutlich. Unsere Branche stellt langlebige Konsumgüter her. In Krisenzeiten wird an dieser Art von Gütern als erstes gespart, weil man diese Investition zeitlich leicht aufschieben kann. Was ich aber nicht mehr hören kann, ist dieses Gerede von einer "sterbenden Branche".

Das manchmal von Branchenvertretern selbst stammt.

Das mag sein, aber manchmal wird dieses Negativimage zusätzlich von den Medien herbeigeredet. Unsere Branche ist schon so oft totgesagt worden, dass es uns eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Es hat sich aber gezeigt, dass sich unsere Unternehmen bis auf wenige Ausnahmen in der Krise als widerstandsfähig erwiesen haben. Ich habe sogar den Eindruck, dass die meisten diese schwierige Zeit genutzt haben, sich noch effektiver aufzustellen. Es hilft uns doch nicht weiter, wehmütig alten Zeiten hinterherzutrauern. Wir leben nun einmal in einer globalisierten Welt mit wachsendem Konkurrenzdruck. Wir stellen uns diesen Herausforderungen.

Welche sind die schwierigsten?

Große Sorge macht uns der massive Einbruch im Fachhandel. Wir verlieren damit einen wichtigen Teil unserer Verkaufsflächen. Diese Umsätze finden wir wieder im Möbelfachhandel oder auf der Discounterschiene. Dort wird überwiegend über den Preis verkauft. Parallel dazu gewinnt der Internethandel immer mehr an Bedeutung. Bei allem Verständnis für den Handel, der diese Zunahme beklagt, werden wir diese Tendenz nicht aufhalten können. Wir werden uns daher überlegen müssen, wie wir auch diese Entwicklung mitgehen, ohne den Fachhandel zu düpieren. Insgesamt sehen wir uns somit vor der großen Herausforderung, die veränderten Kaufgewohnheiten und die damit einhergehenden Veränderungen der Vertriebswege entsprechend zu begleiten und neue Antworten zu finden.

Und die Billigimporte aus Fernost?

Ich warne davor, den Kampf um Marktanteile nur über die Preisschiene zu führen. Eine Rabattschlacht können unsere Unternehmen gegen die Billigkonkurrenz nicht gewinnen. Viele unserer Firmen haben sich erfolgreich Nischen gesucht. Das geht aber nur mit qualitativ hochwertigen Produkten. Fakt ist allerdings auch, dass sich in der hoch technologisierten deutschen Porzellanindustrie 2009 aufgrund der schlechten Auftragslage Überkapazitäten gebildet haben, die den Preisdruck zusätzlich erhöht haben. Die Unternehmen waren gezwungen, ihre Kostenstrukturen nochmals zu verbessern. Damit war auch ein Abbau von Arbeitsplätzen verbunden. Unsere Branche hat 2009 gegenüber dem Vorjahr 8 Prozent ihrer Beschäftigten verloren.

Spürt Ihre Branche eine Kreditklemme?

Unser Branchen-Rating hat sich verschlechtert. Die Firmen müssen sich umso mehr anstrengen, um ihr individuelles Rating zu verbessern. Aus Gesprächen mit Unternehmern weiß ich, dass die Banken mit der Kreditvergabe deutlich vorsichtiger geworden sind. Unsere Branche hat seit dem Strukturwandel gelernt, mit solchen schwierigen Situationen umzugehen. Aber wenn die Banken jetzt die Anforderungen angesichts der schlechter ausfallenden betrieblichen Kennzahlen aus dem Krisenjahr 2009 weiter verschärfen, dann wird es schwierig.

Ausgerechnet die Finanzbranche, die zuvor allzu sorglos Kredite vergeben hat, dreht jetzt zunehmend den Geldhahn zu. Macht Sie das nicht wütend?

Ich will gar nicht emotional werden. Aber das Vertrauen in die Bankenwelt ist durch die Finanzkrise stark beschädigt worden. Eigentlich bin ich ein Gegner von staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft. Doch die Art und Weise, wie manche Kreditinstitute ihr Geschäft betrieben haben, schreit geradezu nach Regulierung.

Also ist die Politik gefragt?

Ja. Sie muss darauf achten, dass die Banken die staatlichen Hilfen nicht nur zu ihrer eigenen Sanierung, sondern auch für eine ihrer Kernaufgaben verwenden: die Kreditversorgung der Wirtschaft. Außerdem müssen die Banken stärker in Eigenhaftung genommen werden. Es ist doch nicht nachvollziehbar, dass sie bei der Kreditvergabe zum Beispiel bei der Eigenkapitalausstattung Anforderungen stellen, die sie selbst nicht einmal annähernd erfüllen.

Auch die Keramik- und Porzellanindustrie hat durch die Kurzarbeitregelung von staatlichen Subventionen profitiert.

Die Kurzarbeit erweist sich in der Krise als wirksames Instrument, weil sie den Betrieben dabei hilft, ihre Stammbelegschaft zu halten. Das ist angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sehr wichtig. Allerdings kann man die Kurzarbeit nicht beliebig ausdehnen, denn trotz der staatlichen Unterstützung sind die Kosten für die Unternehmen erheblich.

Werfen wir einen Blick auf die Porzellanindustrie in der Region. Trauen Sie Rosenthal nach der Übernahme durch Sambonet einen Neuanfang zu?

Ich freue mich sehr, dass Rosenthal nach der Insolvenz einen neuen Investor gefunden hat. Und ich habe den Eindruck, dass die neuen Eigentümer ihr Geschäft verstehen. Unverständlich ist es für mich, dass sich nach der Übernahme Rosenthals durch Sambonet gleich wieder die ersten Schwarzmaler gemeldet haben. Statt sich zu freuen und die neuen Eigentümer erst einmal in Ruhe arbeiten zu lassen, wurden schon erste Bedenken geäußert.

Die Rosenthal-Insolvenz kann man kaum der Konjunkturkrise in die Schuhe schieben. Vor allem das ehemalige Management stand stark in der Kritik.

Es steht mir nicht zu, zu bewerten, was da schief gelaufen ist.

In diesem Jahr steht eine Ausstellung rund ums Porzellan in Selb-Plößberg und Hohenberg auf dem Programm. Welche Impulse erhoffen Sie sich dadurch?

Diese Ausstellung ist einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres. An dieser Stelle appelliere ich schon jetzt an die Bevölkerung, diese Ausstellung zu besuchen. Unser Verband unterstützt im 300. Jubiläumsjahr des "Weißen Goldes" derartige Aktivitäten und hat die Imagekampagne "Porzellan ist Leben" gestartet. Wir wollen damit eine Aufbruchstimmung erzeugen und zeigen, dass unserer Branche der Spagat zwischen Tradition und Modernität gelungen ist.

Hat Ihre Branche das Marketing in den vergangenen Jahren vernachlässigt?

Angesichts der zu bewältigenden Strukturkrise und der damit verbundenen Neuausrichtung vieler Betriebe ist das Marketing in der Tat zu kurz gekommen. Das wollen wir ändern und stärker aktiv werden. Die meisten Menschen lieben Porzellan. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt, sie wieder mehr für unsere Produkte zu begeistern. Wir müssen allerdings auch klarmachen, dass die zunehmende Geiz-ist- geil-Mentalität gerade unsere Markenhersteller beschädigt.

Das Gespräch führte Matthias Will.

    
    

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