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"Ich hab nicht alles weggespielt"

Saitenkunst | Hille Perl, weltberühmte Gambenspielerin, unterweist in Hof fortgeschrittene Amateure. Auch sie kann nicht erklären, warum Alte Musik boomt.
  • Hille Perl Hille Perl, Weltklasse-Gambistin
    Hermann Kauper
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Frau Perl, Ihr Name ist ein Markenname in der Welt der Alten Musik. Woher kommt Hille?

So nannten mich meine Eltern nach einer meiner Großmütter. Die hieß Hildegard - in norddeutscher Verkürzung Hille.

Sie gehören zu den gefeiertsten Gamben-Interpretinnen. Was verschlägt Sie nach Hof?

Meine hiesige Kollegin Monika Sobotta lud mich zu einem Workshop mit insgesamt sieben Teilnehmern vor allem aus Hof und Umgebung ein, den ich am Wochenende hielt.

Unterrichten Sie gern?

Solche Kurse, wie die Arbeit mit meinen Bremer Studenten auch, machen großen Spaß. Obendrein ist das die beste Methode, selber hinzuzulernen.

Was bezweckte Ihr Hofer Workshop, und was haben Sie erreicht?

Ich wusste: In Hof bekomme ich es mit anspruchsvollen, erfahrenen Amateuren zu tun. Also stellte ich für sie ein Extraprogramm mit gesteigerten Ansprüchen zusammen. Das Material haben wir erarbeitet und schließlich in einer Matinee vorgestellt.

Sechs Werke insgesamt - viel für so wenig Zeit.

Es ging uns nicht um perfekte Ergebnisse. Vielmehr wollte ich die Teilnehmer mit schwierigen, ruhig auch mal zu schwierigen Aufgaben konfrontieren. Man kann noch im Scheitern viel lernen.

Klavier oder Geige zu spielen, ist nichts Besonderes. Wie wird man Gambistin?

Ich komme aus einem Musikerhaushalt. Nachdem ich ein Konzert mit Wieland Kuijken gehört hatte, wollte ich selber unbedingt Gambe lernen und fing mit der kleinsten, der Diskantgambe, an.

Wie alt waren sie da?

Fünf - das beste Alter, nicht nur in Musikerfamilien. Da lernen die Kinder am leichtesten und machen schnell große Fortschritte. Freilich nur bei Einzelunterricht: Für den plädiere ich in jedem Fall.

Sie pflegen hauptsächlich das Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts. Wird Ihnen das nicht zu eng?

Keineswegs. Die Musik dieser Zeit ist in ihrer Vielfältigkeit für immer neue Entdeckungen gut. Das bleibt ein spannendes Gebiet, für mich und viele andere. Ich hab nicht alles weggespielt. Übrigens wird auch heutzutage immer mehr für die Gambe komponiert. Und längst gibt es E-Gamben, etwa im Jazz.

Eine ketzerische Frage: So alte Tonkunst für historische Instrumente - heißt das nicht die Musik in ein Museum stellen?

Wir betreiben die historisch informierte Aufführungspraxis nicht aus historischen, sondern aus künstlerischen Gründen. Denn nur wenn die Musik früherer Zeiten so wie früher dargeboten wird, kann sie in all ihren Potenzialen mit dem Hörer kommunizieren.

Wie erklären Sie sich den anhaltenden Boom der Tonkunst aus Renaissance, Barock und Frühklassik?

Irgendwann verlor unsereiner wohl seinen Minderwertigkeitskomplex. Heute gibt es viel mehr Musiker, auch bessere Lehrer. Je überzeugender wir diese Werke aufführen, desto größer das Publikum, das wir generieren. Für uns Interpreten ist die Alte Musik ja zeitgenössische Musik, weil immer mehr Zeitgenossen sie wollen und verstehen. Die genauen Gründe für den starken Zuspruch freilich kenne auch ich nicht. Ich finde nur prima, dass es so ist. Den klassischen Tonträgermarkt haben wir jedenfalls aufgerollt.

Das Gespräch führte Michael Thumser.

    
    

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