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Interview mit Judy Bailey: „Religion ist für mich wie Atmen“

Judy Bailey aus Barbados tritt zusammen mit ihrer Band bei der Pfingsttagung in Bobengrün auf.
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  • Judy Bailey Judy Bailey und ihre Gitarre: ein unzertrennliches Team.
    Patrick Depuhl
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Frau Bailey, Sie kommen am Wochenende nach Bobengrün zur Pfingsttagung. Waren Sie schon einmal hier?

Ja, aber das ist schon drei oder vier Jahre her. Damals ist ein Redner ausgefallen und mein Mann sollte spontan einspringen. Also sind wir nach Bobengrün gefahren. Da ich meine Gitarre dabei hatte, habe auch ich kurzfristig einige Lieder gesungen. Es war sehr schön. Ich freue mich schon darauf, diesmal mit meiner Band zu kommen. Wir werden am Samstag und Sonntag, eventuell auch am Montag, auftreten.

Das Motto der Pfingsttagung lautet in diesem Jahr: "Hören, was Jesus sagt". Was sagt er uns?

Er würde jedem von uns sagen: Du bist gewollt, du bist besonders und du bist geliebt! Es klingt verrückt, wenn ich sage, dass ich ihn in manchen Situationen meines Lebens hören konnte, aber es ist wahr. Er spricht ständig zu uns, nur sind wir nicht immer sensibel genug, um ihn zu hören.

Warum schreiben Sie hauptsächlich religiöse Texte?

Ich denke da gar nicht so viel darüber nach. Also es ist nicht so, dass ich sage: Ich muss jetzt unbedingt ein Lied über Jesus schreiben. Die Religion ist für mich so selbstverständlich wie atmen. Deshalb kommt sie ganz automatisch in meinen Liedern vor. Im Prinzip singe ich ja über alle möglichen Themen, nur eröffnet die Religion eben oft einen anderen Blick auf die Dinge. Abgesehen davon schreibe ich nicht nur Lieder über Gott. Der Song "You are loved" ist zum Beispiel unseren Kindern gewidmet.

Wie lange dauert es, bis ein Lied fertig ist?

Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal ist ein Lied in fünf Minuten fertig, mal dauert es bis zu drei Jahre. Die erste Idee kommt aber meistens sehr schnell. Die kann mir unter der Dusche einfallen oder wenn ich durch die Straßen gehe...

Seit wann singen Sie eigentlich?

Mit acht Jahren habe ich angefangen, in einem Kirchenchor in Barbados zu singen. Als ich siebzehn wurde, habe ich gelernt, Gitarre zu spielen und erste eigene Lieder geschrieben. Zu dieser Zeit fing ich auch an, über die Kirche nachzudenken. Ich entschied, dass Gott Teil meines Lebens sein sollte. Gleichzeitig bekam die Musik für mich eine ganz neue Bedeutung. Meine ersten Lieder waren Liebeslieder an Jesus.

Haben Sie je damit gerechnet, Erfolg mit Ihrer Musik zu haben?

Ich habe nie an Erfolg gedacht. Ich habe gesungen, weil ich die Musik liebe. Ich musste einfach singen - singen und schreiben. Damit habe ich sehr viel Zeit verbracht. Es war und ist mein Hobby, aber ich hätte nie gedacht, dass es ein Beruf werden könnte.

Sie treten sehr oft bei christlichen Veranstaltungen auf. Wie wichtig ist Ihnen dieser Hintergrund?

Ja, das stimmt: Die meisten Orte, an denen wir auftreten, haben einen christlichen Hintergrund. Aber nicht nur. Wir waren zum Beispiel auch mit den Söhnen Mannheims unterwegs und die spielen ja in richtig großen Hallen. Wir machen alles gern - ob große oder kleine Veranstaltung, ob Kirchen- oder Stadtfest. Es ist einfach wunderschön zu sehen, wie die Menschen auf unsere Musik reagieren.

Sie haben auch ein Buch geschrieben. Was hat Sie dazu bewogen?

Ein Verlag ist auf uns zugekommen und hat gefragt. Erst waren wir skeptisch, aber eigentlich haben wir genug Geschichten zu erzählen. Wir waren in über 25 Ländern und haben viel erlebt. Schön finde ich, dass mich das Buch nicht nur als Sängerin, sondern als Mensch mit Höhen und Tiefen zeigt. Aber es sind auch viele Bilder und Songtexte darin.

Sie werden neben Shakira und R. Kelly auf dem neuen WM FIFA Album 2010 zu hören sein. Mit welchem Lied? Und: Geht es um Fußball oder um Gott?

Das Lied heißt "Spirit of freedom". Es erzählt die Geschichte von Südafrika und gleichzeitig die der Fußballer. Das Lied beschreibt den langen Weg "über Berge und Täler", der zurückgelegt werden muss, um ans Ziel zu kommen. Natürlich kommt in gewisser Weise auch Gott darin vor. In einer Strophe heißt es "Africa celebrates our humanity" (Afrika feiert unsere Menschlichkeit). Ich finde das sehr passend, weil es zeigt, um was es bei der WM geht: Gemeinschaft und Toleranz. Denn die war nicht immer selbstverständlich in Südafrika.

Wird Deutschland gewinnen?

Seit ich gehört habe, dass Ballack nicht mitfahren kann, bin ich nicht mehr so sicher. Natürlich ist Ballack nicht die ganze Mannschaft, aber ohne ihn wird es schwer. Aber ich hoffe sehr, dass sie gewinnen! Ich drücke die Daumen.

Das Gespräch führte Sabrina Mrasek.

    
    

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