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Mit Volldampf himmelwärts

Begeisternder Gospel mit „Big Mama and The golden Six“.

So wünscht sich Pfarrer Hans-Christian Glas wohl jeden Sonntag seinen Gottesdienst: Eine bis zum letzten Platz besetzte Kirche und die Gemeinde voller Emphase im Rhythmus des gesungenen Gebets an Gott.

Von Katrin Lyda
  • fpku_jazz-logo_311008 „Auf meine alten Fans kann ich mich doch verlassen“
     
  • fpku_ipbibmama2_5sp_111008 Mitreißend dampft der Gospelzug vorwärts, machtvoll gezogen von der Stimm-Lokomotive „Big Mama“. Foto: Igor Pastierovic
     
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 Hof – So wünscht sich Pfarrer Hans-Christian Glas wohl jeden Sonntag seinen Gottesdienst: Eine bis zum letzten Platz besetzte Kirche und die Gemeinde voller Emphase im Rhythmus des gesungenen Gebets an Gott. Stehend, klatschend und die Körper wiegend lassen sich die Besucher von dem Beben erfassen, das vom Epizentrum „Big Mama“ aus durch den Raum wogt. Die große Mutter ist nicht, wie man angesichts des Genres vermuten könnte, von dunkler Hautfarbe, sondern Europäerin: Paunita Ionescu stammt aus Bukarest, beide Eltern waren Berufsmusiker an der dortigen Staatsoper. Ihre Stimme ist jedoch so schwarz, wie man es sich nur vorstellen kann, eine weiße Ella Fitzgerald mit einem kräftigen Schuss Janis Joplin und einer Ahnung von Anne Haigis in 30 Jahren.

Gospel-authentisch sind hingegen „The Golden Six“. Die Sängerinnen und Sänger stammen aus den USA, der Karibik und aus Ghana. Eigentlich sind es sieben Musiker, mit dem Deutschen Klaus Henatsch, der den Chor am E-Piano begleitet.

„Gospel meets Jazz“ lautete am Donnerstag das Motto des Konzerts, wie Ado Schlier, Moderator der Hofer Jazztage, betont. So besteht das Repertoire der Formation aus Traditionals – aber auch solchen aus dem Bereich des Rock und des Soul. Gleich zum Einstieg fordert die Combo mit einem softig-samten intonierten „Rock my Soul“ stimmgewaltig dicht die Seelen und die „Bodys“ zum Mitwiegen auf. Noch ist das Publikum in der Antauphase: Die Frage „Are you ready?“ verhallt nicht ungehört, wird aber etwas zaghaft beantwortet. Das soll sich im Laufe des Abends ändern.

Bekannte Ohrwürmer wechseln mit weniger geläufigen Stücken, die aber in Rhythmus und Melodie bis in die letzte Faser vordringen. Debora Harris’ Solo bei „Amazing Grace“ leuchtet wie Goldstickerei auf dunklem Samt, als ihre Mitstreiter kräftig und das Publikum verhalten die bekannte Weise mitsummen.

Die große Strahlkraft der Klänge sei Ausdruck der Authentizität. „Wir beten mit dieser Musik“, bekennt Big Mama. Die gelebte Freude am Klang spielt mindestens die gleiche Rolle: Wenn Keyboarder Klaus Henatsch zum Mikro greift und mit Tönen und Geräuschen Rhythmus und Melodien ergänzt. Oder wenn Gesten die Lieder unterstreichen. Oder wenn Joe Burke seinen Platz verlässt und, nur vom kurzen Kabel des Mikros gehindert, versucht, das Publikum direkt mitzuziehen.

Sogar Gospel-Klassiker wie „When the Saints“ lassen sich erstaunlicherweise neu erfinden: Big Mama und ihre Combo bauen bluesig-jazzige Elemente ein, inszenieren stimmlichen Dialoge untereinander von verhalten bis fordernd, ergänzt von einer heiteren „Geräuschkulisse“, wenn Klaus Henatsch klanglich den Kontrabass mimt. Spätestens jetzt ist die ganze Kirche in Bewegung, der Zug stampft mit Volldampf himmelwärts, gezogen von der Stimm-Lokomotive Big Mama.

Bei der Elvis-Hymne „Walking in Memphis“ springt der Funke völlig über. Mit samtig-eindringlicher Gänsehautstimme rührt Marian Nwaigbo bei „You are faithful“ die Zuhörer, die schwarze Sängerin umfasst mit beiden Händen das Mikro wie zum Gebet. Zum Dank für diese Glanzleistung küsst Big Mama die junge Frau angerührt auf die Stirn.

Danach ist aber Schluss mit Besinnung: Ein fröhlicher rhythmischer Mitzieher reißt das Publikum wieder buchstäblich von den Sitzbänken. Wenn der Herr solch ein Gebet nicht erhört, muss er schwerhörig sein. Zumindest sein Hofer Repräsentant ist es nicht: Wie nach einen normalen Gottes-Dienst schickt Pfarrer Glas die Besucher seiner Kirche mit einem Segen nach Hause.

Weitere Termine: heute, Samstag, Theater/Bistro, 15 Uhr, Jazz für Kinder; Freiheitshalle, 19 Uhr, „Die vier Temperamente“; Sonntag, Theater/Studio, 11 Uhr, Die Genossen Jazz (Uschi Brüning und Ernst Ludwig Petrowsky im Gespräch).

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