» zur Übersicht 3. Hofer Jazztage
    
    
Artikel
 
    
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   
Jazz – ein therapeutisches Wellness-Mittel

Geheiratet, sagen sie, hätten sie eigentlich gar nicht aus Liebe (und freilich sagen sie’s zum Scherz); sondern weil zwei Künstler als Ehepaar leichter ins Ausland reisen konnten, damals, vor 25 Jahren, in der DDR.

Von Michael Thumser
  • In jeder Hinsicht ein Paar: Uschi Brüning, Ernst Ludwig Petrowsky
    Hermann Kauper
Bild von

Geheiratet, sagen sie, hätten sie eigentlich gar nicht aus Liebe (und freilich sagen sie’s zum Scherz); sondern weil zwei Künstler als Ehepaar leichter ins Ausland reisen konnten, damals, vor 25 Jahren, in der DDR. Denn nicht nur ganz privat gehen Uschi Brüning und Ernst Ludwig Petrowsky gemeinsam durchs Leben, sondern auch, als Duo, musikalisch. In der ostdeutschen Jazzszene galten sie früh als Stars. Wirklich gab es ihn auch hier von Anfang an, den Jazz: Die Musik aus den USA drang ab 1945 über Radio AFN in den Osten – so lange die Störsender Ruhe gaben.

Es führt kein Weg vorbei

„Die Genossen Jazzer“: Saxofonist Ernst Ludwig Petrowsky erzählte zum Festivalschluss am Sonntag bei einer Matinee im Studio des Theaters Hof, mit Festival-Moderator Ado Schlier plaudernd, er habe sich vor dem Mauerbau in West-Berlin eine kleine, feine Schellack-Plattensammlung zusammengekauft. Und Uschi Brüning: „Um den Jazz kamen auch die Combos und Rundfunkorchester der DDR nicht herum. Wenn allerdings zu viel ‚Westmusik‘ mitklang, konnte das zu Berufsverboten führen.“ Was sie am eigenen Leib erfuhr. Andererseits gingen selbst Politiker an „qualifizierten“ Jazzern nicht vorüber. Den Nationalpreis – „dritter Klasse“ – heftete Erich Honecker persönlich an die Brust Petrowskys: „Er war wohl so wie ich von der Exotik der Begegnung überrascht“.

Schwieriger als die Kontaktaufnahme mit der Musik verlief jene mit ausländischen Musikern. „Wir bestanden“, erinnert sich Petrowsky, „in uns drinnen nur aus Mauern.“ Entsprechend „verkrampft“ gerieten erste internationale Treffen – wenn nicht gar starr andächtig: Als der Künstler unvermittelt neben dem (am 25. Juli verstorbenen) „schnellsten Saxofonisten“ der Welt, Johnny Griffin, zu sitzen kam, verschlug’s ihm schier die Sprache. Ebenso konnte der Verkehr mit den „Bruderländern“ unterkühlt verlaufen: Uschi Brüning musste erfahren, dass den Polen auch Deutsche aus dem Osten lang verdächtig waren. Es dauerte oft eine Weile, „bis die anderen merkten: Die lebt ja auch für die Musik, ganz so wie wir.“

Beide Partner leben für sie, spürbar. Nach ihrer „gemeinsamen Leichtigkeit“ fragt Ado Schlier die Gäste und erhält als Antwort viel Selbstironisches – „Unsere Ehe verdanken wir der Mauer“ –, wie überhaupt die Künstler das Publikum im voll besetzten Studio mit gelassener Heiter- und Natürlichkeit erfreuen. Fast an Loriot erinnern Petrowskys in klugen Worten sich verfangende Conférencen.

Mit vehementer Spielfreude und stets aufgelegt zum Experiment geben sie während der Matinee Beispiele für ihre virtuose Musikalität und ihren unangepassten Stilwillen: Uschi Brüning mit ihrer wendigen Stimme; und Ernst Ludwig Petrowsky, indem er dem Saxofon, aber auch der Klarinette, der Querflöte, sogar zwei rumänischen Hirtenflöten (gleichzeitig!) seinen prustenden, brummenden, summenden Atem verleiht. Die „Mauer in ihrem Innern“, bekundet das Paar, haben sie mit amerikanischer Swingmusik eingerissen. Als „therapeutisches Wellness-Mittel“ genießen sie seither den Jazz: „jedesmal ein Abenteuer“.

Mehr Bilder sehen Sie hier:

    
»Fotostrecke starten Fotogalerie
    
    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Ȇbersicht 3. Hofer Jazztage

Max Greger

„Auf meine alten Fans kann ich mich doch verlassen“

Hof – An seinem 80. Geburtstag, vor zwei Jahren, war er auf Tournee. Am Geburtstag seines Sohnes steht Max Greger wieder auf der Bühne – in Hof, zusammen mit Sohn Max und Enkelsohn, ebenfalls ein Max. Sind die Gregers eine „normale“ Familie? Max Greger lacht. »mehr
    
    

 
Musik-Beben in der Freiheitshalle

Hof – Wenn am Freitagabend ein Beben durch die Freiheitshalle ging, dann nicht, weil im Egergraben die Erde rumorte. Di... »mehr
    
 
    

 
Welt des Jazz – innen wie außen...

So weit gefasst kann Jazz sein: Die klangliche Spannweite der vier Temperamente, die am Samstagabend die Freiheitshalle... »mehr
    
 
    

 
Jazz-Krimi für Kinder – alles Käse!...

„Alle Jazz-Musiker haben ein Käse-Problem!“ – Wenn man dem Erzähler Henk Fleming vom Panama-Ensemble so zuhört, will ma... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Prospekte aus der Region

Reichel Holzspezi
    
    

Magazine

Wir in Wunsiedel Februar 2012
Nördliches Fichtelgebirge Ausgabe 4
Thüringen im Blick
Schlaglichter 2011
Gesundheitsführer Kulmbach
Gesundheitsführer Naila
Hochzeitsmagazin November 2011
Frankenreiter November
Börsenforum Oktober 2011
Leserreisen Oktober 2011
Berufsmagazin
Besser Bauen schöner Wohnen
5. Sechsämterland Holztage
Gesundheitsführer Hof 2011
Gesundheitsführer Münchberg
Gesundheitsführer Selb
Erfolgreiche Familienunternehmen
Bikers Guide
Gesundheitsführer Rehau
Gesundheitsführer Wunsiedel
    
Anzeige
Marktplatz und Bayreuther Woche
Logo Frankenwäldler
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    

Mit roten Händen gegen Kindersoldaten

Mit knallroter Farbe die Hände anmalen: Das machten am Mittwoch eine Menge Politiker in Berlin. Die Politiker waren Abgeordnete des deutschen Parlaments - des Bundestages. »mehr
    
    

Die Sache mit den Beiträgen

Frage des Tages
Ein Leser fragt: "Warum muss ich für meine verstorbene Frau Krankenversicherungsbeiträge zahlen?" "Diese Frage stellen Bezieher einer Hinterbliebenenrente häufig", erklärt Rudolf Degelmann von der AOK Bezirksdirektion Hof auf Anfrage unserer Zeitung. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Die neuen Party-Pix vom Wochenende 

Fasching in Schönwald, HipHop-Party im Hofer H.1, 80er-Fete im Rockwerk - hier geht es zu den aktuellen Bildern vom Feier-Wochenende. »mehr
    
    

Börseninformationen