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Nachlese

  • fpnd_Hoermann_Neu_2sp_300110 Von Walter Hörmann
     
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Bruder Barnabas ist eben nicht die teflonbeschichtete Fortsetzung des fränkischen Faschings mit altbayerischen Mitteln. Michael Lerchenberg mochte in der Rolle des Fastenpredigers vom Nockherberg nicht jenen Bruder Leichtfuß geben, der zwar schon mal derb hinlangt beim Politiker-Derblecken, aber im Grunde nur harmlos scherzt - und wieder ganz brav wird, wenn der letzte Tusch verklungen ist. Lerchenberg ist einer, den wirklich umtreibt, was er aufgreift, satirisch zuspitzt und mit gelegentlicher brachialer Wortgewalt herniederprasseln lässt auf sein - kurzzeitig - wehrloses Polit-Promi-Publikum.

Dass ihm manche zürnen ob seines öffentlichen Zorns, hat den Schauspieler und Luisenburg-Intendanten Michael Lerchenberg selten irritiert. Nun, sagte er, sei der Druck zu groß geworden und es sei besser, den Weg frei zu machen für einen "unbelasteten" Neuanfang. Lerchenberg ist dem Rauswurf zuvorgekommen. Einem völlig unnötigen und überflüssigen Rauswurf. "Eiserne Lettern" - mehr Vergleich mit Auschwitz war nicht. Gewiss: Zum Schenkelklopfen war die Passage wohl nicht, aber zum Skandal taugt sie nun bestimmt auch nicht.

Historische Vergleiche sind immer gefährlich - so mancher Politiker hat das in den vergangenen Jahren ziemlich schmerzvoll erfahren. Die Empörungsmaschinerie funktioniert immer dann besonders gut, wenn es um Nazi-Vergleiche geht. Da wird das tatsächlich Gesagte gerne bis ins Groteske hinein überinterpretiert. Im Grunde sind manche der schrillen Reaktionen auf die Bußpredigt eine Karikatur ihrer selbst, wenn sie so vorhersehbar wie gnadenlos überziehen ("Schande", "menschenverachtend"), sobald in der Ferne auch nur die leise Spur eines Vergleichs mit Nazigräueln ahnbar wird. Dass die Schelte sofort in Boykottankündigungen mündet, zeigt, dass der Anlass nur recht war: Lerchenberg war einfach zu unbequem geworden, weil er in bester Satiriker-Tradition treffsicher darauf abzielt, dass so manchem das Lachen im Halse stecken bleiben möge.

Dieses bissige und, zugegeben, nicht immer wirklich lustige Kabarett im Brauerei-Auftrag vor laufenden Kameras ist wohl politisch zu wenig korrekt für eine Zeit, in der die Fernsehsender - auch die öffentlich-rechtlichen - uns inflationär mit allerlei dümmlich-flachen "Comedians" zu beglücken geruhen. Wer vorzugsweise Witzchen vorgesetzt erhält, die weit unter alle vorstellbaren Gürtellinien zielen, wird so seine Schwierigkeiten haben mit der Bitternis, die Lerchenberg mit seiner Fastenpredigt zum Starkbier serviert hat. Schade, dass er geht.

    
    

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Die neuesten Kommentare

Sehr guter Kommentar von Herrn Hörmann!

von unbekannt am 07.03.2010 19:21
Es stimmt, Michael Lerchenberg war wohl vielen zu unbequem geworden. Ich habe große Respekt vor ihm, denn er hat sich nicht angebiedert, sondern mutig genau das angesprochen, was gerade schief läuft und was die Menschen bewegt. Ich finde es unendlich schade, dass er von einigen so unter Beschuß gesetzt wurde, dass es kein weiter als Fastenprediger gibt - doch ich bin sicher, Michael Lerchenberg läßt sich auch weiterhin nicht den Mund verbieten und das ist gut so!
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Traurig, aber wahr ...

von unbekannt am 06.03.2010 21:53
die Fastenpredigt gibt die ungeschönte Wahrheit und Volkes Stimme wieder ...
Lerchenberg hätte einen Orden verdient, stattdessen feiern die zu Recht gescholtenen Politiker ihren Sieg über die Meinungsfreiheit und glauben so wieder einmal, über Wählers Köpfe hinweg selbige regieren zu können ...
doch wie sprach Bruder Barnabas: Es wird Zeiten geben, da wird in Bayern eine Viel-Parteien-Regierung existieren, mit der CSU in der Opposiition.
Höret ihr Amigos und Lobbyisten, ihr Ämtersammler und Ignoranten ! Die Zeit ist nahe ... ich erwarte mit großer Spannung das jahr 2013, in der der Wähler mit aller Gewalt zeigen wird, wer der wirkliche Chef im Lande ist !
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Herr Hörmann

von unbekannt am 06.03.2010 17:49
hat es auf den Punkt gebracht. Wie ich mich auch den Vor - Kommentatoren anschließe.
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wer nur andeutungsweise

von ratio am 06.03.2010 11:13
die Realität auch nur "ankratzt",
wird- wie Lerchenberg - guillotiniert.
Es gibt kein zentrales Zensuramt, wohl aber ein regionales "Correctnessamt"
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Richtig,

von Bergziege w (55) am 05.03.2010 23:20
es ist schade um Herrn Lerchenberg.Weil er eben nicht die weichgespülten Kommentare abgelassen hat, in denen sich dann die Politiker gesonnt haben.Wer hat denn mit menschenverachtenden Äußerungen angefangen?Der Politiker, der die Absetzung von Herrn Lerchenberg gefordert hat.Weil er sonst nicht mehr zum Nockherberg kommt.Na das wäre auch ein Verlust gewesen.Ich wünsch Herrn Lerchenberg für die Zukunft ein offenes und auch selbstkritisches Publikum.Er bleibt Franken ja zum Glück bei den Luisenburg-Festspielen erhalten.
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