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Wenn Badegäste ins Netz gehen

Es gibt Freibäder, in denen ist das Fotografieren mit dem Handy streng verboten. In Münchberg setzen die Bademeister auf die Vernunft der Besucher.



Fotografieren am Beckenrand verboten: Viele Bäder gehen inzwischen recht streng damit um, wenn jeder überall seine Handykamera zückt. In Münchberg aber setzt man noch auf die Vernunft der Freibadbesucher.
Fotografieren am Beckenrand verboten: Viele Bäder gehen inzwischen recht streng damit um, wenn jeder überall seine Handykamera zückt. In Münchberg aber setzt man noch auf die Vernunft der Freibadbesucher.  

Münchberg/Landkreis - Vielen ist es schon lange ein Dorn im Auge: das Smartphone im Freibad. Jeder kann jeden fotografieren, dazu auch noch spärlich bekleidet. Gerade in Zeiten von sozialen Medien wie Facebook und Instagram passiert es schnell, dass Fotos ungewollt im Netz landen. Einige Freibad-Betreiber machen deshalb Ernst und verbieten das Fotografieren oder sogar das Smartphone an sich. Sie wollen vermeiden, dass das Persönlichkeitsrecht ihrer Gäste verletzt wird. Stattdessen sollen sie entspannen und planschen können - ohne Angst, dabei im Internet zu landen.

Lösungsansätze zur Umsetzung gibt es verschiedene: Die einen Badbetreiber stellen Verbotsschilder auf oder sprechen Besucher, die ihr Smartphone benutzen, direkt an. Die anderen sind radikal: Wer den Eingang passiert, muss die Smartphone-Kamera mit einem Siegel abkleben. Welchen Weg er geht, muss jeder Badbetreiber selbst entscheiden. In den Freibädern der Region sind die Probleme, die das Smartphone mit sich bringt, durchaus bekannt. Konkrete Maßnahmen wie in anderen Städten und Bundesländern gibt es aber noch nicht.

Im Münchberger Freibad sieht man ebenfalls keinen Handlungsbedarf: "Bis jetzt gab es hier noch keine Vorfälle. Wir achten natürlich darauf, das gehört ja zu unseren Aufgaben", erklärt Bademeister Dominic Kirchner. "Sollte uns irgendetwas auffallen, würden wir die Leute sofort ansprechen, keine Frage", sagt Kirchner. Konkrete Maßnahmen seien noch nicht in Planung. "Sollten wir vermehrt aktives Fotografieren bemerken, könnten wir uns so einen Sticker auf der Kamera schon vorstellen", meint der Bademeister. In kleineren Schwimmbädern wie Münchberg hält er die Gefahr, im Internet zu landen, für deutlich geringer als in Großstädten: "Schwarze Schafe gibt es immer. Aber grundsätzlich muss man sich bei uns wenig Sorgen machen."

Ganz entgegen dem Trend zum Smartphone-freien Planschen gibt es im Hofer Freibad jetzt sogar einen Wlan-Hotspot. Zwar reiche das Signal nicht einmal vom Kiosk bis zum Beckenrand, sagt Bademeister Michael Wilfert. "Aber wir sehen natürlich schon, dass die Handys ein Problem darstellen." Laut Wilfert gibt es hier ein Schild, das darauf hinweist, dass Filmen und Fotografieren verboten sind. "Was die Leute dann aber letztendlich mit ihrem Handy machen, lässt sich nicht wirklich kontrollieren", sagt er. Sehen die Verantwortlichen im Freibad aber, dass jemand tatsächlich die Smartphone-Kamera in Betrieb hat, greifen sie auch ein: "Wir sprechen die Leute dann gezielt an. Vor allem in der Sauna herrscht strenges Smartphone-Verbot", erzählt der Bademeister. Alles in allem sei das Problem mit dem Smartphone bekannt, aber eine perfekte Lösung gebe es nicht. "Die Kameras an jedem Handy abkleben, könnten wir gar nicht stemmen. Wenn hier richtig viel los ist, klappt das schlicht und einfach nicht", schätzt Wilfert.

In Rehau ist man sich der Problematik bewusst. Dagegen vorzugehen, hält Bademeister Markus Rödel aber für schlichtweg unmöglich: "Wie sollten wir das nachprüfen? Wenn das Freibad im Sommer voll ist, sind wir Bademeister für die Sicherheit im Becken verantwortlich. Da haben wir Besseres zu tun als Smartphones zu kontrollieren." Hinweisschilder gibt es im Freibad Rehau keine, aber der Bademeister ist sich sicher, dass das auch gar nicht nötig ist: "Ich muss sagen, unsere Badegäste sind selbst so aufmerksam, dass sie uns sofort darauf hinweisen, wenn sie merken, dass da jemand fremde Leute fotografiert. Dann greifen wir natürlich ein." Viele Badegäste würden ihre Kinder bei deren ersten Schwimmversuchen oder beim Planschen fotografieren oder filmen. "Das kann man einfach nicht verbieten", findet Rödel. Das Abkleben der Kamera halte er für Unsinn: "Dann benutzen die Leute eben die Selfie-Kamera vorne."

Bademeister Markus Hampl vom Nailaer Freibad ist gelassen: "Ich habe hier bei uns noch nichts von derartigen Problemen gehört." Er ist sich sicher, dass die Gäste des Freibads untereinander aufmerksam sind und hinschauen, wer was fotografiert. Auch das Personal schaue hin, wenn jemand das Handy ständig zückt, vor allem wenn Kinder das Fotomotiv sind. Ein Handy-Verbot sei nicht geplant. Zumindest im Moment. "Wir warten ab, wie sich die anderen Bäder verhalten." Hampl gibt auch zu bedenken, dass eine lückenlose Kontrolle bei vollen Schwimmbecken und Liegewiesen gar nicht möglich ist. Außerdem sieht Hampl einen Widerspruch: Überall gebe es Freifunk und freie Kommunikation in digitalen Datennetzen, auf der anderen Seite solle das Fotografieren und Filmen nicht erlaubt sein.

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Nadine Schobert
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Veröffentlicht am:
19. 06. 2017
19:45 Uhr

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