zuletzt bearbeitet: 01.02.2012 15:48 Uhr
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"Essen ist mein Leibgericht"
Bernhard Fleischmann erzählt, wie er zum Radio kam und auf was sich Besucher am Freitag beim Summerclubbing in Rehau schon mal einstellen sollten
Du moderierst die "Frühaufdreher" in Bayern 3; bist Du freiwillig um halb 5 im Sender oder hat sich das quasi so ergeben?
(lacht) Interessante Frage, natürlich mach ich das freiwillig. Das ist so eine Geschichte, die kriegt man nicht bei jeder Gelegenheit so oft geboten. Bei einer landesweiten Morning Show ein Teil des Teams zu sein ist eine einmalige Chance, so was kann man einfach nicht ausschlagen. Deswegen war das mit dem Aufstehen nur halb so schlimm. Man glaubt es kaum, aber wenn man sich auch nur einigermaßen diszipliniert, dann verschiebt man einfach alles um drei Stunden nach vorne, dann geht das schon.
Dein Lieblingstier dürfte also der Gockel sein?
Das würde ich so nicht sagen, es gibt auch Tage wo man sagt "Ah ne, ich würde lieber liegen bleiben". Aber je mehr man sich Gedanken um das Aufstehen macht, desto schlimmer wird es. Aber wenn man zügig aufsteht, mit einem guten Gedanken, dann wird der Tag auch gut.
Ich habe gelesen, Du bist seit 1986 beim Radio - aber nicht immer als DJ. Erzähl doch mal, wie es eigentlich dazu kam.
Angefangen hat es aber schon, als ich 14 war. Meine ganzen Freunde hingen immer vom Fernseher und ich saß vor dem Radio, das war noch so ein altes mit Drehrad. Da saß ich stundenlang davor und habe Radiosendungen aufgezeichnet und danach damit Kassetten gemacht. Da hab ich gemerkt, dass Radio eher so meins ist. Dann sind wir nach München gezogen und da war dieser Regionalsender. Da hab ich einfach gesagt: "Hallo, ich bin ein 17-jähriger Pimpf und möchte gern mithelfen, ich will auch kein Geld." Dann haben die gesagt: "Ja kein Problem, wir haben was zu tun." Und so ging das Ganze los. Da hab ich dann Nachts immer das Archiv auf Vordermann gebracht, irgendwann hab ich dann sogar ein Mal im Monat 100 Mark überwiesen bekommen und da hab ich mir gedacht "Das ist praktisch, das ist es". Das waren so die Anfänge und dann hab ich irgendwann Toningenieur studiert. Moderiert hab ich erst vor ungefähr fünf oder sechs Jahren zum ersten Mal.
Hat sich Radio seither verändert?
Es ist alles wesentlich formatierter heute. Früher haben die Moderatoren die Musik im Grunde komplett selber herausgesucht. Das gibts heute eigentlich nicht mehr, weil man die Musik erst testet und dann ein adäquates Programm für eine bestimmte Zielgruppe zusammenstellt. Früher gab es Plattenspieler und Bandmaschinen, die gibts heute ja auch nicht mehr, was auch die Zahl der Fehler reduziert. Früher war auch alles ein bisschen schmutziger, die Informationen hat man alle über Ticker-Fahnen gekriegt, im Grunde so ähnlich wie Faxe: doppelte Papierfahnen, darauf standen dann die ganzen Infos und Nachrichten. Die hat man sich dann zurecht gelegt und rausgerissen und an die Wand geheftet und daraus dann seine Nachrichten gebastelt. Es war wesentlich altmodischer.
Also bist du froh, jetzt zu moderieren und nicht früher?
Jede Zeit hat ihre Vorteile. Früher hat man erst eine Schallplatte holen müssen, dann hat man sie aufgelegt und den Startpunkt suchen müssen. Heutzutage ist das alles schon im Computer, da hat man überhaupt keinen Arbeitsaufwand mehr. Das ist natürlich wesentlich kommoder. Früher war das alles ein bisschen anarchistischer - das war natürlich auch ein gewisser Vorteil.
Zu Deinen Lieblingsbands zählen die Foo Fighters und der Inntaler Dreigesang; ist das schizophren oder breit gefächert?
Also ich würd sagen natürlich breit gefächert (lacht). Es gibt in keiner Musikrichtung nicht irgendwas was mir nicht gefällt. Ob das jetzt Country ist oder Schlager oder Techno oder House, es gibt immer irgendwo was, was mir gefällt. Ich möchte mich da nicht festlegen. Wenn ich einen Lieblingssong hab, dann ist das auch nur für eine Zeit, dann wird er wieder langweilig und ich muss was anderes hören.
Was ist denn gute Musik?
Ich bin der Meinung gute Musik muss A) was Einprägsames haben oder B) was Eigenes. Ich wehre mich gegen diese ganze Retortenmusik, wo man genau merkt: Aha, da ist einer erfolgreich in eine Richtung gestartet. Eurodance war so ein Beispiel, da gab es den Haddaway, der war mit einer der ersten und erfolgreich. Und dann haben irgendwie 400 Künstler versucht, das nachzumachen und auf den Zug mit aufzuspringen. Und solche "Mit-auf-den-Zug-aufspringen-Musik" mag ich überhaupt nicht. Musik muss eine gewisse Gradlinigkeit und einen gewissen Soul haben. Die Leute müssen ihr Zeug machen, aber nicht, um damit Geld zu verdienen.
Am 31. Juli kommst Du nach Rehau, was wirst Du dort tun? Was können die Fans erwarten?
(lacht) Haha, Fans, das klingt gut! Also was mir immer Spaß macht, ist, die Leute ein bisschen mit meiner Musik zu quälen. Das werd ich mit Sicherheit am Anfang machen, wenn das Publikum reinkommt. Und dann werd ich eine musikalische Duftmarke setzen. Die Leut müssen aber keine Angst haben, dass das dann drei Stunden so zugeht. So musiktechnisch bin ich auch schon einigermaßen auf dem Laufenden und hab, glaub ich, ein gutes Gespür, was die Leut so hören wollen. Aber natürlich kommt zwischendrin auch mal ein "Highway to hell" in der Hilly-Billy-Version, darauf müssen die Leut schon gefasst sein.
Zum Schluss: Du isst angeblich ganz gerne. Wünsche ans Catering?
HA!! Ja, ich hätt gern ein indisches Hochlandwasser, 80-fach geschüttelt, mit zerschmolzenen Eiswürfeln aus der Antarktis (lacht). Na, wie soll ich sagen, ich bin ja ein Vielfraß. Und das Catering muss gar nicht so gut sein, Hauptsache viel! Dann bin ich schon glücklich. Essen ist mein Leibgericht!
Essen oder Musik?
Musik ist auch mein Leibgericht und da gibt es ein schönes Zitat von den Zillertaler Schürzenjägern: Ohne Musi geht's net! (singt)
Das Gespräch führte Alina Juravel
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