Topthemen: TannbachSelber WölfeRathaus-AnbauVogelgrippeHof-GalerieGerch

 

Autowerkstätten haben es schwer

Beim Neu- und Gebrauchtwagen gehen die Verkaufszahlen deutlich nach oben. Zugleich aber sinkt die Zahl der Kfz-Betriebe. Für die Autofahrer bedeutet das: Die Auswahl an Werkstätten wird kleiner.



Autowerkstatt
Die Zahl der Autowerkstätten ist 2016 deutlich gesunken. Vor allem Markenwerstätten wurden geschlossen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa  

Für die deutschen Autobauer war 2016 auch auf dem Heimatmarkt ein erfreuliches Jahr. In Deutschland wurden 3,35 Millionen Neuwagen verkauft, so viele wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Der Aufschwung in der Branche, ausgelöst durch eine gute Beschäftigung, Einkommenszuwächse und niedrige Zinsen, hat auch die Umsätze des Kfz-Gewerbes noch oben getrieben.

Doch zugleich ist die Zahl der Autowerkstätten im vergangenen Jahr spürbar gesunken - um 1,7 Prozent oder 660 Betriebe auf 37 740. Auch die Mitarbeiterzahl ging zurück, um 1,2 Prozent auf 455 500. Diese Zahlen stellte der Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Jürgen Karpinski. Der Verband vertritt die Interessen der Kfz-Meisterbetriebe.

Vor 15 Jahren waren es noch 8000 Werkstätten mehr. In den Jahren 2014 und 2015 schien der negative Trend gestoppt, nun hat er sich wieder verstärkt. Als Hauptgründe dafür nennt Karpinski einen «weiter fortschreitenden Konzentrationsprozess» und die «Bereinigung der Händlernetze durch Hersteller und Importeure».

Die Zahlen zeigen in der Tat: Es waren fast ausschließlich Markenwerkstätten, die 2016 geschlossen wurden. 650 solcher Unternehmen, die an ein Fabrikat gebunden sind, gaben auf, aber nur 10 sogenannte freie Werkstätten. Für die Autofahrer bedeutet das unterm Strich, weniger Werkstätten zur Auswahl zu haben, bei denen sie eine Inspektion oder Reparatur machen lassen können.

Für die Unternehmen, die der Schrumpfung nicht zum Opfer fallen, bedeutet das im Umkehrschluss mehr Aufträge und eine höhere Auslastung. Rund 70 Millionen Werkstattaufträge waren es im vorigen Jahr. Lohn, Ersatzteile und Zubehör in den Werkstätten summierten sich auf 32 Milliarden Euro, ein Plus von 5,6 Prozent.

Eine Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) hatte schon 2015 einen Trend zu größeren Werkstätten festgestellt. Es sei zu erwarten, dass in zehn Jahren im Durchschnitt jeder Betrieb sich um ein Fünftel mehr Autos kümmert als heute. Die Werkstätten würden unter anderem deshalb immer größer, weil sie mehr in teure Diagnosegeräte und Spezialwerkzeuge investieren müssten.

Ein anderes Problem sieht der Bundesinnungsmeister des Kfz-Handwerks, Wilhelm Hülsdonk. Nach seinen Worten balgen sich «immer mehr hungrige Katzen um den Milchtopf», will sagen: Internet-Vermittlungsportale, Reifenketten oder Kfz-Versicherer drängen sich in das Werkstattgeschäft hinein. Da werde mit «unauskömmlichen Festpreisen» für Dienstleistungen rund ums Auto geworben. Die Werkstätten ließen sich zum Teil auf eine Zusammenarbeit mit diesen Preisdrückern ein, weil sie sonst ihre Kunden nicht halten könnten. Dagegen helfe nur, die Kunden von der guten Qualität der Meisterbetriebe zu überzeugen.

Veröffentlicht am:
17. 02. 2017
11:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

Lädt

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 5 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Autobranche Autofahrer Festpreise Gebrauchtwagen Katzen Kfz-Werkstätten Kraftfahrzeughandwerk Niedrige Zinsen Orgbez Werkstätten Wilhelm
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen möchten, melden Sie sich bitte an.

Benutzername
Passwort
     

Noch kein Konto? Jetzt Registrieren
Mehr zum Thema
Oldtimer

07.02.2017

Fortschritt anno 1902: Mercedes Simplex

Heute braucht man die Kenntnisse eines Automobilhistorikers und die Muskeln eines Bodybuilders, um diesen Mercedes zu starten. Doch bei seinem Debüt galt er als so unkompliziert, dass ihn angeblich Kaiser Wilhelm II. per... » mehr

«allygator shuttle»

06.01.2017

Taxi teilen: Eine Fahrgemeinschaft mit Krokodil

Billig wie ein Bus, komfortabel wie eine Limousine - so machen Anbieter Reklame für Taxi-Sharing. In Berlin wird getestet. Ein Berliner Start-up will das geteilte Sammeltaxi großstadtreif machen. » mehr

Gebrauchtwagen

19.01.2017

Boommarkt Gebrauchtwagen: Größeres Angebot, steigende Preise

Jahr für Jahr wechseln mehr Gebrauchtwagen den Besitzer. Zwar stehen mehr alte Fahrzeuge zum Verkauf. Das führt aber nicht zu sinkenden Preisen - im Gegenteil. » mehr

Feilschen um den Autopreis

03.01.2017

Mit Brief und Siegel: Was Auto-Wertgutachten bringen

Kaum etwas ist beim Gebrauchtwagenkauf so strittig wie der Preis. Und je älter das Auto, desto größer sind die Differenzen. Wer böse Überraschungen vermeiden will, lässt oft den Wert eines Wagens vom Experten feststellen... » mehr

Kompakte Technik

27.01.2017

Datenkino im Auto: Projektion und Wirklichkeit verschmelzen

Das Head-up-Display war nur der Anfang: Wenn es nach den Entwicklern der Autoindustrie geht, startet vor den Augen des Fahrers bald das ganz große Datenkino und lässt die virtuelle Welt mit der Realität verschmelzen. Und... » mehr

Audi Q8 Concept

10.01.2017

PS-Branche gibt sich bodenständig in Detroit

Autonomes Fahren, Elektroantrieb, ultimative Vernetzung: Noch eine Woche zuvor bei der Elektronikmesse CES in Las Vegas hat die Automobilindustrie in die Zukunft geschaut. Doch auf der Detroit Motor Show zeigt sie Neuhei... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 02. 2017
11:10 Uhr



^