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Dreimal schwarzer Kater

So ein moderner Dieselmotor ist ein Meisterwerk. Unbestritten. Atemberaubend in seiner Technik - aber leider auch wegen all der Stickoxide, die er außerhalb des Prüfstandes noch immer ausstößt. Dass er das tut, hat seine Ursache in einer mindestens unheiligen Allianz aus Autobauern und politischem Spitzenpersonal, in der die einen über Jahre klug getrickst oder dreist betrogen haben und die anderen sich standhaft weigerten, auch nur ansatzweise ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen.



 

Das Strafrecht kennt für auf Dauer angelegte Zusammenschlüsse von Tätern und Unterstützern noch ganz andere Begriffe, doch Paragraphen sind beim Selbstzünder nicht das Maß der Dinge. Wer will schon Gesetze bemühen, wenn es ein Gipfel richten kann?

Seit der Zusammenkunft in Sachen Diesel haben nicht nur Juristen Pause. Auch Ingenieure muss man nicht länger bemühen – dem Hochverdichter lässt sich ja prima per Hexerei beikommen. Denn siehe da: Mit ein paar Mausklicks und "dreimal schwarzer Kater" wird aus dem dreckigen Motor ein fast ganz sauberer. Kein Mehrverbauch, keine Minderleistung, schon gar keine kürzere Lebensdauer. Einfacher als Handauflegen. Wenn das der Rudolf selig noch erlebt hätte.

Warum ein solches Update den vielen klugen Tüftlern in den Entwicklungsabteilungen nicht viel früher in den Sinn gekommen ist, anstatt all die hinterlistigen Thermo-Fensterchen zu öffnen? Weil es eben bloß Hokuspokus ist. Kein Mensch glaubt derlei Mumpitz. Auch die Politiker tun nur, als täten sie. Weil sie die Panik eint: Bloß keine Fahrverbote vor der Bundestagswahl. Da sind sogar Hütchenspieler willkommen.

Einzig Umweltministerin Barbara Hendricks hat die Zusagen der Hersteller als das entlarvt, was sie sind: fauler Zauber. Allein: Sie steht allein inmitten der Claqueure. Schief angesehen wie jemand, der gerade im Kindergarten erzählt hat, dass es weder das Christkind noch den Osterhasen gibt. Und dass man von Erwachsenen auch dann gesehen werden kann, wenn man die Augen ganz fest zudrückt.

Nun könnte man sich amüsiert zurücklehnen und dem absurden Theater belustigt zusehen. Dummerweise aber ist nichts daran zum Lachen. Für die Betroffenen geht es nämlich um tausende Euro Wertverlust, Ärger – und die kaum kleiner gewordene Bedrohung, mit dem einst teuer erkauften Auto bald nicht mehr hinfahren zu dürfen, wo man will.

Wer wissen möchte, wie sehr die Belange der Autofahrer interessieren, braucht nur einen kurzen Blick auf die Gipfel-Teilnehmer zu werfen. Verkehrs- und Umweltministerium, Autobauer, Bundesländer, Industrieverbände, Gewerkschaften und Vertreter des Städtetages. Für die Interessen der Verbraucher saß niemand Tisch. Noch nicht mal der zuständige Minister.

Und so kommt es, dass Eigner eines Diesels Euro 5 und teilweise auch 6 keine Wahl mehr haben. Lehnt man das Update ab, droht die Staatsmacht mit Stilllegung des Fahrzeugs. Garantieren dass man dann wenigstens in alle Innenstädte fahren darf, wollen trotzdem weder Hersteller noch Politik. Erst recht nicht, dass der neu bespielte Motor keinen Schaden nimmt. Was dann doch argwöhnisch macht. Wenn die Abschaltung der Abgas-Reinigung doch nichts anderem dient als dem Schutz des Motors, und man die Abschaltung abschaltet – was schützt dann noch den Motor?

Die Autobauer muss das nicht bekümmern. Weil die Politik bislang stets zu verhindern wusste, dass hier zu Lande Sammelklagen nach US-Vorbild möglich werden, müsste man bei einem Triebwerk-Kollaps beweisen, dass ausschließlich die neue Software schuld war. Da ist es aussichtsreicher, einem Arzt einen Kunstfehler anzuhängen.

Stattdessen darf VW-Chef Matthias Müller von "Umtausch-Prämie" schwadronieren – und BMW-Boss Harald Krüger von "Umwelt-Bonus". Als ob man seinen faulen Diesel für einen guten hingeben könnte und dafür noch ein Zuckerl kriegte. Aber das ist schlicht gelogen. Die Wahrheit versteckt Verkehrsminister Alexander Dobrindt hinter der "Dynamisierung der Außerverkehrbringung", was sich am ehesten mit freiwilliger Abwrackprämie übersetzen lässt. In deren Genuss man natürlich nur kommt, wenn man einen neuen Wagen kauft. Genau deshalb haben die Aktienkurse der Autobauer nach dem Gipfel ordentlich zugelegt.

Und die Kanzlerin? Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise garantierte sie noch für die Sparbücher der Deutschen. Und dafür, die Verantwortlichen der Misere zur Rechenschaft zu ziehen. Auf dem Höhepunkt der Diesel-Krise sagte sie gar nichts. Sie war noch nicht einmal da.

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
10. 08. 2017
16:45 Uhr

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