zuletzt bearbeitet: 16.08.2010 23:04 Uhr
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Boaschleiderer und Blitzkurs
Sänger, Tänzer und Musikanten zeigen in Bergnersreuth, dass die Volkmusik lebt. Im Gerätemuseum ernten sie viel Beifall für ihre Leistungen.
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Die Ponader-Boum spielten mit ihren "Quetschen" und der Trompete zünftig zum Tanz auf. Weitere Bilder unter www.frankenpost.de. Fotos: Hannes Bessermann -
Die Arzberger Kirchbergsänger trugen Mundartlieder vor. -
Ständig auf Achse: Carolin Pruy. -
Dieter Schramm (links) und Arno Spörer gaben den Takt vor. -
Die Kleinsten vom FGV tanzten.
Arzberg - Des woar wos Gräißers" (das war etwas Größeres) - so darf das rundum gelungene Volksmusikfest im Bergnersreuther Gerätemuseum beschrieben werden: Ein Dreistundenprogramm an vier verschiedenen Schauplätzen, eine Fülle von Interessierten und Begeisterten, deren Autos den Ortsrand von Bergnersreuth in den Belagerungszustand versetzten, und eine Reihe von bestens aufgelegten Volksmusikgruppen, die aufs vitalste und mit großer Kreativität zeigten, dass zwar der Schauplatz museal war, die von ihnen gespielte Musik aber in keiner Weise.
Davon konnte man sich unmittelbar nach dem Eintreten überzeugen, wenn man sich von den 25 verschiedenen Kuchen- und Tortensorten sein Stück abschneiden ließ: Schneidige Märsche erklangen da, generationenübergreifend, von Vater (42) und Söhnen (ab 13 abwärts) ins Werk gesetzt, den "Ponader-Boum" aus Nagel. Draußen stellten derweil die Muskelmänner der Feuerwehr zügig Tische und Bänke auf und schoben die "Tanzbruck" trocken, denn siehe, die Sonne hatte pünktlich zu Festbeginn über die Regenwolken gesiegt - und es wurde ein durchweg heiterer Nachmittag.
Mit dem Walzer Nr. 13
Im Stall drunten eröffnete die Volksmusikgruppe Conrad mit dem Zuckerhut-Marsch, dem "Walzer Nr. 13" und dem "Arzberger Boaschleiderer" aus der Feder Willi Conrads, gemütlich und blitzsauber - und alles strahlte vor Vergnügen. Im Keller herrschte der spezifische Humor der "Kirchbergsänger". Begleitet von Horst Heils Akkordeon besangen sie Lokalpatriotisches und Hintersinniges aus dessen Dichterwerkstatt, etwa "Wöi schäi woars, wöi miir nu ledig woarn" oder "Auf d'Kappl is´ niat weit", gipfelnd in dem deftigen "Stäih auf, du bsoffna Sau!".
Volksmusik ist europäisch geprägt: Schottisch und Polka, Rheinländer und mancherlei Alpenländisches, Zwiefache, Böhmisches sowieso: All dies war aus Flöten, Kontrabass und vielerlei "Quetschen" zu hören. Hier löste etwa der Senior auf der "Steirischen Harmonika", Dieter Schramm, die Ponaders ab und bildete mit Arno Spörer, dem Teufelsgeigenwanderer, das Schlottenhof-Duo.
Damit ist ein Grundprinzip der Organisatoren (das Museums-Team und die Volksmusikberaterin Carolin Pruy ) angesprochen: Die Musikgruppen wechselten die Stand- und Spielorte, um ihr Musiziergut möglichst vielen Ohren zugänglich zu machen und Benachteiligungen zu vermeiden, man war "daou und dort" (Pruy), lediglich die Tanzgruppen waren auf "die Bruck" festgelegt: Da eröffnete die Kindertanzgruppe des FGV Selb-Plößberg zur Livemusik des Conrad-Meier-Schlegel-Zürner-Quartetts, drei Generationen übergreifend, unter der Leitung von Hermann Paulus den Reigen mit dem "Schwarzen Peter", dem "Rheinländerschiff", dem "Fröhlichen Kreis" und "als Gaudi für die Kinna" mit dem "Stampfer".
Im heiratsfähigen Alter
Die nächste Generation, im schönsten heiratsfähigen Alter, wurde durch die Volkstanzgruppe der Landjugend Reicholdsgrün (Leitung Christian Rogler) repräsentiert, die fränkische Tänze, natürlich auch Rheinländer vorführten, und mit ihrer "Sternpolka" einen besonderen Schlussgag brachten, den "Meulaschleiderer", bei dem zwei besonders kraftgeladene Herren ihre Damen per Hand Kettenkarussell fahren und flott durch die Luft fliegen ließen.
Und ganz besonders generationenübergreifend ging es dann bei Carolin Pruys "Blitztanzkurs" zu: Ponader & Paulus vereinten sich zum Akkordeonduo und lieferten den Volkstanzbegeisterten die Rhythmen und Melodien zu den mancherlei Grundschritten, die ihnen Pruy & Partner zeigten, wobei die Alters-Spanne vom Vorschulkind bis zum pensionierten Schulleiter reichte.
Es ging also nicht bloß kreuz und quer durch das weitläufige Museumsgelände, oder kreuz und quer durch vielerlei kulinarische Genüsse, sondern auch kreuz und quer durch Fichtelgebirge und Landkreis und durch die Generationen.
Und wie kreuz und quer es auch ging, allen gefiel es, und die Botschaft war mehr als deutlich: Die Volksmusik, insbesondere die hiesige Volksmusik, lebt nicht nur, sondern sie lebt gut und auf trefflichem Niveau.
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