zuletzt bearbeitet: 01.09.2010 21:37 Uhr
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Die Region in 30 Minuten
Mehrere Hundert Autofahrer aus ganz Europa rasten jeden Tag am Autohof in Thiersheim. Die meisten bleiben lediglich einige Minuten. Das Fichtelgebirge ist vielen kein Begriff.
Thiersheim - In Bayern sei er schon häufiger gewesen. In Füssen oder Oberstdorf. Aber in dieser Gegend. Wo liegt die eigentlich genau ? So wie Wolfgang Karkossa geht es vielen Autofahrern, die am Autohof Thiersheim eine Rast einlegen. Karkossa ist zusammen mit seiner Ehefrau Inge und Schnauzer Molly im Kleinbus von Kopenhagen in Richtung Kroatien unterwegs. Bevor es an die Adria geht, ist die Raststätte eine beliebte Adresse.
Wenig bekannt
Für Rolf Küstner, den Betreiber des Autohofs, ist es zwar einerseits höchst angenehm, dass so viele Reisende in Thiersheim eine Pause einlegen. "Weniger schön ist allerdings der geringe Bekanntheitsgrad des Fichtelgebirges." Das will er ändern. Küstner glaubt, dass das granitene Hufeisen ein ähnliches Potenzial habe wie der Bayerische Wald. "Dort ist das Image stimmiger, es gibt auch weit mehr Pauschalangebote."
Eine knappe halbe Stunde Aufenthalt im Fichtelgebirge gönnen sich Jutta und Dieter Potthoff aus Berlin. Sie seien unterwegs in den Urlaub nach Bayern. "Wir werden einige Tage in Waldkraiburg verbringen." Den Begriff Fichtelgebirge haben sie zwar schon mal gehört, aber außer den Impressionen entlang der Autobahn A 93 kennen sie die Gegend nicht. "Wir könnten uns schon vorstellen, hier einige Tage zu verbringen", sagte Dieter Potthoff, den vor allem beeindruckt, dass es im Fichtelgebirge "so sauber aussieht".
Im Durchschnitt rasten täglich zwischen 650 und 700 Gäste am Autohof Thiersheim. Laut Rolf Küstner steuern am Wochenende besonders viele Autofahrer den Gasthof an. Seit einiger Zeit dominieren vor allem die Privatreisenden. "Die meisten Navigationsgeräte leiten Norddeutsche, die in den Süden wollen, mittlerweile nicht mehr über Nürnberg und die A 9, sondern über die A 93." Seit einigen Jahren merke er den Trend zum Urlaub in Deutschland. Davon profitiere zum Beispiel der Bayerische Wald, während das Fichtelgebirge leider noch immer überwiegend Durchgangsstation sei.
Familie Goos stammt aus besagtem Bayerischen Wald. Ihren Urlaub verbrachten sie in Eckernförde an der Ostsee. "Leider hatten wir schlechtes Wetter, aber an der Ostsee gibt es so viele Freizeitmöglichkeiten, da wird es niemandem langeweilig", sagt Klaus Goos. Seine Frau Waltraud und die Töchter Franziska und Elisabeth wollten während der Heimfahrt noch einmal eine Rast in Thiersheim einlegen, bevor es zurück nach Sankt Englmar ging. "Immer wenn wir vorbeikommen, fahren wir auf eine Brotzeit am Autohof von der Autobahn an", sagt Klaus Goos.
Die meisten Urlauber bleiben nicht mal eine Stunde in der Gegend. "Die wissen leider nicht, was sie hier unternehmen sollen", bedauert Rolf Küstner. Der Betreiber des Autohofs hält es für sinnvoll, mit Kampagnen die Region ins rechte Licht zu rücken. Den auf großen Schildern entlang der Autobahn postulierten Spruch von der "Genuss- und Bierregion Oberfranken" sieht er allerdings als etwas missglückt. "Immer mal wieder fragen mich Durchreisende, was es denn mit dem Genuss auf sich hat, wo sie Wirtshäuser finden, die einen besonderen Genuss bieten. Auch wollen sie wissen, wo die nächste Brauerei ist, die sie besichtigen können." Leider könne er den Gästen keine konkreten Tipps geben. Deshalb werbe er im Autohof mit Flyern, Prospekten, aber auch mit heimischen Produkten für das Fichtelgebirge. "Denn unsere Region ist einen Urlaubsaufenthalt allemal wert."
Schöne Landschaft
Wolfgang und Inge Karkosse aus Dänemark sind erstaunt, als sie erfahren, dass sie bereits in Bayern sind. Bisher kannten sie nur Oberbayern und das Allgäu. "Die Landschaft hier gefällt uns durchaus gut. Vielleicht führt uns ja mal eine der nächsten Urlaubsreisen in die Gegend", sagt Wolfgang Karkosse.
Start zur Donaureise
Der Autohof Thiersheim hat sich als einer von zwei zentralen Treffpunkten für Donaureisen ab Passau etabliert. Wie Autohof-Betreiber Rolf Küstner berichtet, steuern jeden Montag und Donnerstag mehrere Busse mit Reisenden aus Norddeutschland und den neuen Bundesländern die Raststätte an, um anschließend nach Passau weiter befördert zu werden. Am Montag stärkten sich 381 Urlauber mit Kassler, Kraut und Klößen im Autohof, bevor sie weiterreisten.
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