zuletzt bearbeitet: 03.11.2009 09:13 Uhr
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Abenteuer auf dem Nanga Parbat
Bergsteiger | Die Ausnahmesportler Alix von Melle und Luis Stitzinger berichten beim Alpenverein über ihren Gipfelsturm.
Marktredwitz - Es ist eine extreme Verbindung: Ihre Nächte verbringen sie miteinander oftmals in Höhentrainingskammern. Schnelle Übungseinheiten führen sie morgens um fünf weit hinauf in die Alpen - temporeich, um zu Bürobeginn frisch geduscht am Schreibtisch sitzen zu können. Dann wieder bibbern sie gemeinsam in einem Zelt, das auf einem schmalen Felsgrat gerade so Platz hat - in Pakistan, auf über 6000 Höhenmetern.
Alix von Melle und Luis Stitzinger verbindet die Liebe zu den Bergen und die Lust auf außergewöhnliche Abenteuer. Das supersportliche Pärchen scheut dabei nicht die Gefahr, aber es sucht sie nicht. Eine Herausforderung, die an ihre physischen und psychischen Grenzen geht, nehmen die beiden Ausnahme-Bergsteiger durchaus an. Nanga Parbat hieß sie im Vorjahr. Von ihrer Begegnung mit dem 8125 Meter hohen "Schicksalsberg der Deutschen" berichteten sie am Freitagabend bei einem sehr gut besuchten Multivisionsvortrag in der Städtischen Turnhalle, zu dem der Alpenverein Marktredwitz zusammen mit der Volkshochschule eingeladen hatte.
Bescheiden treten die beiden auf, wenn sie von ihren atemberaubenden Erlebnissen, von bestandenen Wagnissen erzählen. Schließlich ist die 38-jährige Alix von Melle wohl die erfolgreichste deutsche Extrembergsteigerin. Sie stand bereits auf drei Achttausendern. Erstaunlich, für eine gebürtige Hamburgerin. Unzweifelhaft ging jede Menge harte Arbeit diesen Leistungen voraus. Doch die Diplom-Geografin lässt sich nicht unter Erfolgsdruck setzen, möchte weiterhin ihre Ziele ganz entspannt angehen. Ihr Lebensgefährte Luis Stitzinger hat inzwischen vier Achttausender bestiegen, ist einer der besten Höhen- und Speed-Bergsteiger sowie erfahrener Tourenleiter beim DAV-Summit-Club. Aufgewachsen in einer Bergsteiger-Familie, geht es ihm am Felsen maßgeblich um das Erleben von Natur und Körper: "Ich mag es, wenn mein Organismus auf Hochtouren ist."
Acht Wochen Zeit hat die Expedition, die - geführt von Luis Stitzinger - im Mai 2008 zum Nanga-Parbat-Gipfel über die Diamirflanke aufbricht. "Dieser Berg hat bei seiner Eroberung viele Opfer gefordert", erklärt der 40-Jährige, "eine solch hohe Todesrate gibt es auf keinem anderen Achttausender." Daher wird der Nanga Parbat auch "Killer-Mountain" bezeichnet. Doch diesen Begriff lehnt der Höhenkirchener ab. "Es liegt wohl eher an den Bergsteigern, die zu leichtfertig sind, zu schlecht vorbereitet losgehen."
Die zwei Frauen und fünf Männer aus Deutschland sind hervorragend in Form und routiniert am Berg. Das Pärchen berichtet von der Akklimatisierung und von Wetterumschlägen, von geschafften Höhenmetern und herrlichen Hochgebirgspanoramen. Das Basislager wird zu einer Heimat auf Zeit. Alles Material muss von dort in die Höhe geschafft werden, dann beginnt das Warten auf optimales Wetter. Heutzutage läuft dies über Laptop und Funktelefon, ein Meteorologe in der Heimat bestimmt den besten Zeitpunkt für den Gipfelsturm.
Sehr früh geht es los. Der Aufstieg ist extrem anstrengend und gefährlich. Doch irgendwann am späten Nachmittag ist der Gipfel des Nanga Parbat erreicht: "Das sind die Momente, für die man lebt. Wenn man diesen Ausblick aufsaugen kann, ist man einfach glücklich", schildert Alix von Melle. Und ihr Partner, der sonst mehr für die Fakten zuständig ist, sagt empfindsam ins Mikro: "Wir konnten unser Glück dort oben gar nicht fassen." Das ganze Team hatte es innerhalb von vier Wochen ohne Unfall geschafft. "Das ist wie ein Sechser im Lotto", freut sich der Expeditions-Leiter.
Doch Luis Stitzinger wäre nicht so bekannt, wenn er sich jetzt zufrieden geben würde. Er plant einen zusätzlichen Gewaltritt: Zusammen mit Josef Lunger überschreitet er den Mazeno-Kamm und schafft die Zweitbesteigung des Mazeno Peaks. Auch das reicht ihm noch nicht: Allein macht sich Stitzinger auf, um die erste Skibefahrung der zentralen Diamirflanke am Nanga Parbat zu wagen. Über 3000 Höhenmeter fährt er in zwei Stunden mit Skiern ab. Ist er ein Teufelskerl, der nie Angst hat? "Angst ist immer dabei. Sie ist die notwendige Bremse, um einen vor lebensbedrohlichen Situationen zu bewahren."
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