» zur Übersicht Marktredwitz
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   
Beispielhafte Hilfsaktion für Elvis

Von Herbert Scharf
  • fpmt_elvis_080709 Hat heute Termin im Marktredwitzer Klinikum: Elvis Serifovic (mit Gitarre), hier mit Pfarrer Christoph Schmidt (links), seiner Mutter Edina und Diakon Thomas Vitzthum vor dem Turm der Bartholomäuskirche.
     
Bild von

Marktredwitz - Diakon Thomas Vitzthum von der evangelischen Kirchengemeinde in Marktredwitz ist überwältigt: "Das ist wie ein Wunder". Es ist die beispiellose Hilfsaktion für den 18-jährigen "Elvis" Serifovic aus Bosnien, die den Mann der Kirche so rührt. Es war im Jahr 2000, als der damals Neunjährige während des Bosnienkriegs seine beiden Beine verlor. Zusammen mit seinem Cousin wollte er eigentlich nur Kirschen pflücken. Da lag unter einem Baum eine dieser fatalen Gewehrgranaten, bunt bemalt und deshalb auch Schmetterlinge genannt. Die Granaten sind deshalb bemalt, weil sie besonders Kinder treffen sollten. Elvis' Cousin hatte die Granate kaum berührt, da explodierte sie. Der Junge war sofort tot, Elvis war schwerstverletzt. Seine Lunge kollabierte, das Trommelfell war geplatzt - und beide Beine abgetrennt.

Durch die Vermittlung der Kriegskinder-Nothilfe kam der schwerverletzte Junge nach Deutschland, wurde in Eichstätt operiert, bekam Prothesen und lernte wieder das Laufen. Im Jahr 2005 kam Elvis nach Marktredwitz, die evangelische Kirchengemeinde hatte über ihre Beziehungen Kinder der Kinderarche aus Sarajevo eingeladen. Und diese finanzierte die dringend notwendige weitere Operation, die durch das Wachstum der Knochen notwendig geworden war.

Die nächste Operation

Nun ist die nächste Operation fällig, weil der Jugendliche weiter gewachsen ist. Keine einfache Angelegenheit für den Chirurgen. Knochen müssen gekürzt und Muskeln für Sitz der Prothesen verlängert werden.

Und hier war es eine glückliche Fügung, dass Pfarrer Christoph Schmidt, verantwortlich für die Verbindung zu Sarajevo, und Reinhard Plobner öfter mal zusammen musizieren und im "Zoigl" nach dem Musizieren auch mal eine Halbe zusammen trinken. Bei einer dieser Gelegenheiten hatte Plobner - der im Klinikum arbeitet - die Idee, dass die notwendige Operation, die tausende von Euro kosten würde, im Marktredwitzer Klinikum vorgenommen werden könnte. Bei der Geschäftsleitung fand er damit sofort offene Ohren. Der junge Mann wird dort kostenlos untergebracht, der Chefarzt in der Chirurgie, Dr. Hubert Rützel, sagte zu, die Operation zu übernehmen, das OP-Team schloss sich an.

Die Voruntersuchungen sind bereits gelaufen. Seit dem gestrigen Donnerstag liegt Elvis in der Marktredwitzer Klinik. Wenn alles glatt geht, wird er am heutigen Freitag in den OP-Saal gebracht. Mindestens eine Woche wird er anschließend im Klinikum verbringen müssen.

Damit ist die Sache aber noch lange nicht ausgestanden. Zwei neue Prothesen, das Stück kostet zwischen 3000 und 4000 Euro, sind fällig, damit der junge Mann wieder richtig laufen kann. Der Anfang ist gemacht: Ein Marktredwitzer Orthopädiehaus spendiert eine Prothese, die Soroptimistinnen-Gruppe des Landkreises überreichte am Sonntag beim Diakoniefest eine Spende von 750 Euro.

Der Vater ist vermisst

Zuhause hat Elvis dann noch ordentlich zu büffeln. Er besucht in Bosnien, 150 Kilometer von Sarajevo entfernt, eine höhere Schule, die er in diesem Jahr abschließt. Anschließend, das sagt er bestimmt und ohne zu zögern, will er Jura studieren. Sein Vater und sein Großvater sind seit dem Krieg vermisst. Er wohnt mit seiner Mutter und seiner Großmutter zusammen.

Am gestrigen Donnerstag, kurz bevor es ins Klinikum ging, hatte sich Elvis von der Besuchergruppe aus Sarajevo verabschiedet. Es gab viele gute Wünsche und Tränen. In den letzten Jahren sind da viele Freundschaften entstanden.

Und in den letzten zwei Wochen schwebten die Besucher auf einer Welle der Hilfsbereitschaft. Das begann mit dem herzlichen Empfang durch die Pfarrgemeinde und setzte sich über zahlreiche Besuche und Einladungen zum Essen in und um Marktredwitz fort.

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf frankenpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Marktredwitz

 
(1)
Schulausfall: Lernen in den Ferien?

Erst kam der Jubel, jetzt folgt die Angst: Müssen die Marktredwitzer Realschüler wegen des ausgefallenen Unterrichts in den Ferien zur Schule? Werden die Stunden samstags nachgeholt? »mehr
    
    

 (4)  
Realschule bleibt diese Woche geschlossen

Alle Schüler der Fichtelgebirgsrealschule Marktredwitz dürfen sich freuen: Der Unterricht entfällt auch am Donnerstag un... »mehr
    
 
    

 
Bis Freitag gibt es kältefrei...

Das Heizungsproblem beschert den 770 Schülern der Fichtelgebirgsrealschule insgesamt vier unterrichtsfreie Tage. Landrat... »mehr
    
 
    

 
Gaslicht weist den Weg

Karin Maindok referiert beim Historischen Club über die alte Beleuchtung. Sie regt an, bei der Glasschleif an die früher... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Prospekte aus der Region

Reichel Holzspezi
    
    

Magazine

Wir in Wunsiedel Februar 2012
Nördliches Fichtelgebirge Ausgabe 4
Thüringen im Blick
Schlaglichter 2011
Gesundheitsführer Kulmbach
Gesundheitsführer Naila
Hochzeitsmagazin November 2011
Frankenreiter November
Börsenforum Oktober 2011
Leserreisen Oktober 2011
Berufsmagazin
Besser Bauen schöner Wohnen
5. Sechsämterland Holztage
Gesundheitsführer Hof 2011
Gesundheitsführer Münchberg
Gesundheitsführer Selb
Erfolgreiche Familienunternehmen
Bikers Guide
Gesundheitsführer Rehau
Gesundheitsführer Wunsiedel
    
Anzeige
Marktplatz und Bayreuther Woche
Logo Frankenwäldler
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    

Mit roten Händen gegen Kindersoldaten

Mit knallroter Farbe die Hände anmalen: Das machten am Mittwoch eine Menge Politiker in Berlin. Die Politiker waren Abgeordnete des deutschen Parlaments - des Bundestages. »mehr
    
    

Die Sache mit den Beiträgen

Frage des Tages
Ein Leser fragt: "Warum muss ich für meine verstorbene Frau Krankenversicherungsbeiträge zahlen?" "Diese Frage stellen Bezieher einer Hinterbliebenenrente häufig", erklärt Rudolf Degelmann von der AOK Bezirksdirektion Hof auf Anfrage unserer Zeitung. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Die neuen Party-Pix vom Wochenende 

Fasching in Schönwald, HipHop-Party im Hofer H.1, 80er-Fete im Rockwerk - hier geht es zu den aktuellen Bildern vom Feier-Wochenende. »mehr
    
    

Börseninformationen