zuletzt bearbeitet: 09.07.2009 16:59 Uhr
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Beispielhafte Hilfsaktion für Elvis
Marktredwitz - Diakon Thomas Vitzthum von der evangelischen Kirchengemeinde in Marktredwitz ist überwältigt: "Das ist wie ein Wunder". Es ist die beispiellose Hilfsaktion für den 18-jährigen "Elvis" Serifovic aus Bosnien, die den Mann der Kirche so rührt. Es war im Jahr 2000, als der damals Neunjährige während des Bosnienkriegs seine beiden Beine verlor. Zusammen mit seinem Cousin wollte er eigentlich nur Kirschen pflücken. Da lag unter einem Baum eine dieser fatalen Gewehrgranaten, bunt bemalt und deshalb auch Schmetterlinge genannt. Die Granaten sind deshalb bemalt, weil sie besonders Kinder treffen sollten. Elvis' Cousin hatte die Granate kaum berührt, da explodierte sie. Der Junge war sofort tot, Elvis war schwerstverletzt. Seine Lunge kollabierte, das Trommelfell war geplatzt - und beide Beine abgetrennt.
Durch die Vermittlung der Kriegskinder-Nothilfe kam der schwerverletzte Junge nach Deutschland, wurde in Eichstätt operiert, bekam Prothesen und lernte wieder das Laufen. Im Jahr 2005 kam Elvis nach Marktredwitz, die evangelische Kirchengemeinde hatte über ihre Beziehungen Kinder der Kinderarche aus Sarajevo eingeladen. Und diese finanzierte die dringend notwendige weitere Operation, die durch das Wachstum der Knochen notwendig geworden war.
Die nächste Operation
Nun ist die nächste Operation fällig, weil der Jugendliche weiter gewachsen ist. Keine einfache Angelegenheit für den Chirurgen. Knochen müssen gekürzt und Muskeln für Sitz der Prothesen verlängert werden.
Und hier war es eine glückliche Fügung, dass Pfarrer Christoph Schmidt, verantwortlich für die Verbindung zu Sarajevo, und Reinhard Plobner öfter mal zusammen musizieren und im "Zoigl" nach dem Musizieren auch mal eine Halbe zusammen trinken. Bei einer dieser Gelegenheiten hatte Plobner - der im Klinikum arbeitet - die Idee, dass die notwendige Operation, die tausende von Euro kosten würde, im Marktredwitzer Klinikum vorgenommen werden könnte. Bei der Geschäftsleitung fand er damit sofort offene Ohren. Der junge Mann wird dort kostenlos untergebracht, der Chefarzt in der Chirurgie, Dr. Hubert Rützel, sagte zu, die Operation zu übernehmen, das OP-Team schloss sich an.
Die Voruntersuchungen sind bereits gelaufen. Seit dem gestrigen Donnerstag liegt Elvis in der Marktredwitzer Klinik. Wenn alles glatt geht, wird er am heutigen Freitag in den OP-Saal gebracht. Mindestens eine Woche wird er anschließend im Klinikum verbringen müssen.
Damit ist die Sache aber noch lange nicht ausgestanden. Zwei neue Prothesen, das Stück kostet zwischen 3000 und 4000 Euro, sind fällig, damit der junge Mann wieder richtig laufen kann. Der Anfang ist gemacht: Ein Marktredwitzer Orthopädiehaus spendiert eine Prothese, die Soroptimistinnen-Gruppe des Landkreises überreichte am Sonntag beim Diakoniefest eine Spende von 750 Euro.
Der Vater ist vermisst
Zuhause hat Elvis dann noch ordentlich zu büffeln. Er besucht in Bosnien, 150 Kilometer von Sarajevo entfernt, eine höhere Schule, die er in diesem Jahr abschließt. Anschließend, das sagt er bestimmt und ohne zu zögern, will er Jura studieren. Sein Vater und sein Großvater sind seit dem Krieg vermisst. Er wohnt mit seiner Mutter und seiner Großmutter zusammen.
Am gestrigen Donnerstag, kurz bevor es ins Klinikum ging, hatte sich Elvis von der Besuchergruppe aus Sarajevo verabschiedet. Es gab viele gute Wünsche und Tränen. In den letzten Jahren sind da viele Freundschaften entstanden.
Und in den letzten zwei Wochen schwebten die Besucher auf einer Welle der Hilfsbereitschaft. Das begann mit dem herzlichen Empfang durch die Pfarrgemeinde und setzte sich über zahlreiche Besuche und Einladungen zum Essen in und um Marktredwitz fort.
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