zuletzt bearbeitet: 27.08.2009 23:58 Uhr
Text
Text
Die Wolfsgrube, die ein Meiler war
Forschungsarbeit | Studenten der Universität Bamberg graben derzeit unterhalb des Oberpfalzturms einen höchst ungewöhnlichen Kohlemeiler aus.
-
Schicht um Schicht Erde tragen die Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Lehrstuhls für Archäologie der Universität Bamberg am Standort des Kohlenmeilers in der Nähe des Oberpfalzturms ab. Auf dem Bild (von links): Moritz Zange, Iris Nießen, Frank Bier und Ernst Grünbauer.Bäumler
Waldershof - Viele Wanderer, die zum Oberpfalzturm unterwegs sind, wundern sich derzeit über eine seltsame Baustelle. Wenige hundert Meter unterhalb der Platte in Richtung ökumenischer Kapelle buddeln seit zwei Wochen mehrere junge Leute mit Maurerkellen in der Erde. Mittlerweile haben sie ein gut zwei Meter tiefes Loch mit einem Durchmesser von gut zehn Metern ausgehoben.
Bei den seltsamen Bauarbeitern handelt es sich um Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg. "Eigentlich vermuteten wir hier eine ehemalige Wolfsgrube", erklärt Studentin Iris Nießen. Allerdings hätten sie bisher noch keine Hinweise darauf entdeckt. Interessantes haben die Grabungen dennoch zutage gefördert. Die Mulde entpuppte sich als ehemaliger Kohlenmeiler. "Davon gibt es zwar im Steinwald einige, aber dieser unterscheidet sich dennoch erheblich in seinen Ausmaßen", so Iris Nießen.
Im Verlauf der Grabungen sind die Studenten auf immer neue Erdschichten gestoßen und haben zahlreiche Bruchsteine gefunden. Wie die Studentin sagt, muss der Meiler mehrere Jahrhunderte in Betrieb gewesen sein. "Der wurde wahrscheinlich so lange genutzt, bis die Bäume rings herum abgeholzt waren."
Als erstaunlich bezeichnen die Experten von der Uni, dass der Meiler zunächst offenbar als Grubenmeiler und später als Rundmeiler genutzt wurde. Grubenmeiler waren die Urformen der Meiler im frühen Mittelalter (ab etwa 500 nach Christi). Die Köhler hoben damals eine Grube aus, in der sie ein Feuer entzündeten. In dieses kamen die Hölzer, aus denen Kohle werden sollte. Wenn die Grube voll war, wurde sie mit Reisig abgedeckt, wodurch der Verkohlungsprozess begann. Beim Rund- oder Steinmeiler wurde das Holz in einer aus Stein geschichteten oder gemauerten Kammer gestapelt und ebenfalls mit Reisig abgedeckt. Durch einen Schacht im Inneren des Meilers entzündete der Köhler das Holz.
Kohleschicht im Boden
Initiator der Grabung ist Norbert Reger, der Vorsitzende der Steinwaldia. Er kannte die Stelle, die sich als Meiler entpuppte, bereits seit vielen Jahren. In alten Landkarten und im Urkataster von 1842 war sie mit der Bezeichnung "Bei der Wolfsgrube" eingezeichnet. Reger bat den Bamberger Professor Hans Losert, der seit Jahren Forschungsarbeiten in der Gegend um Neustadt am Kulm leitet, sich doch mal der Wolfsgrube anzunehmen. "Wolfsgruben sind für Archäologen allein deshalb faszinierend, da sich heute kaum mehr welche finden lassen", erläutert Iris Nießen.
Deshalb war es für die Studenten keine Frage, sich an den Grabungen im Steinwald auf Waldershofer Stadtgebiet zu beteiligen. Nachdem ein Bagger den Humus beiseite geschafft hatte, gilt es nun für die Studenten, mit Maurerkellen Schicht um Schicht Erde abzutragen. Dabei lassen sich an der Erdwand auch von Laien die unterschiedlichen Erdschichten erkennen. Nach etwa 20 Zentimetern Humusboden beginnt eine etwa doppelt so dicke schwarze Kohleschicht.
"Der Steinwaldboden besteht eigentlich zum Großteil aus Granit. Nur einige wenige Stellen sind bis tief in die Erde sandig. Das haben die Menschen früher gewusst und an genau diesen Stellen ihre Meiler angelegt", so Iris Nießen.
Da die Studenten erst um die zwei Meter tief in die Erde eingedrungen sind, haben sie nach wie vor Hoffnung, dass sie vielleicht doch noch eine Wolfsgrube finden. "Es kann gut sein, dass hier ursprünglich eine Wolfsgrube war, die später als Meiler genutzt wurde. Wolfsgruben sind mindestens 3,50 bis fünf Meter tief und meist mit Steinen verkleidet", so Student Moritz Zange.
Noch müssen die Archäologen ihren Forscherdrang bändigen. Nach zwei Wochen wird das Projekt "Wolfsgrube" vorerst eingestellt. Die direkt am Hauptwanderweg gelegene Grube bleibt den Winter über erhalten, wird jedoch abgedeckt, damit niemand in sie fällt. Im kommenden Jahr werden die jungen Wissenschaftler noch einmal zwei Wochen weitergraben.
Die künftigen Archäologen dokumentieren alle Schritte und Erkenntnisse ihrer Arbeit akribisch, um später eine wissenschaftliche Arbeit darüber veröffentlichen zu können. Die Grube selbst soll nach Abschluss der Forschungen wieder verfüllt werden. "Da der Boden hier sandig ist, würde der Regen die Grubenwand ausspülen", so Iris Nießen. Damit die Wanderer dennoch wissen, an welch historischer Stelle sie vorbeilaufen, wird die Steinwaldia eine Hinweistafel anbringen.
Diesen Artikel
|
|||||
Die neuesten Kommentare
Ȇbersicht Marktredwitz
Autos machen schlapp
Die arktische Kälte lässt den Diesel "sulzen". Die Abschlepp-Unternehmen sind im Dauereinsatz. Batterien sind stark gefragt und müssen fast täglich nachbestellt werden. »mehr
Gefasst: Polizeistreife schnappt den Messerstecher
Marktredwitz - Ein gesuchter Messerstecher ist am Donnerstag vergangener Woche der Marktredwitzer Polizei ins Netz gegan... »mehr
Entwarnung: "Amoklauf" entpuppt sich als Scherz...
Ebnath - Die Warnung vor einem Amoklauf in der Ebnather Fichtelnaabtalschule hat die Verantwortlichen der Schule, die Po... »mehr
Ausgerastet und randaliert: Mann lässt seinen Gefü...
Ausgerastet ist ein 22-jähriger Mann aus Marktredwitz am Samstagabend in einem Lokal in der Klingerstraße.... »mehr
Das könnte Sie auch interessieren
Party
Nachrichten
Sport
Gelesen
Kommentiert
Bewertet
Magazine
Umfrage














































