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Die ganze Nacht vor dem Fernseher

US-Präsidentenwahlen | Wie Amerikaner in Marktredwitz die historische Entscheidung für Barack Obama erlebt haben: Elisabeth Lawson Schmidt ist überglücklich, Steven Boylan ist mit dem Ausgang „zufrieden“.
  • fpmt_lisa4_061108 US-Fahne im evangelischen Pfarrhof: Elisabeth Lawson Schmidt ist glücklich über Obamas Wahlsieg. Foto: Ryba
     
  • fpmt_boylan_061108 Läuten die neue Zeit mit einem neuen Präsidenten ein: Steve Boylan und seine Frau Margarete. Foto:H.S.
     
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MarktredwitzDie US-Fahne hängt aus einem Fenster im Pfarrhof in Marktredwitz. „Ich freue mich! Ich freue mich ganz einfach!“ Überwältigt vom Wahlerfolg Barack Obamas, machte gestern Elisabeth Lawson Schmidt, Ehefrau des evangelischen Pfarrers Christoph Schmidt, aus ihren Gefühlen kein Hehl.

Seit 19 Jahren sind die beiden verheiratet, und seit 19 Jahren lebt die aus New York stammende Lehrerin in Deutschland. Sie hat die historische Wahl die ganze Nacht über am Fernseher beim Nachrichtensender CNN und am Laptop verfolgt – „jede Sekunde. Von zehn Uhr abends bis zum Morgen, als Obama seine Rede gehalten hat.“ Und auch ihre beiden 15 und 17 Jahre alten Söhne hat sie aufgeweckt, damit sie das Ereignis am Schirm verfolgen konnten.

Nach den vergangenen zwei „skandalösen“ Präsidentschaftswahlen und den zermürbenden acht Jahren der Bush-Regierung ist Elisabeth Schmidt glücklich, dass die USA einen neuen Präsidenten bekommen und sie sich nicht mehr schämen muss, eine Amerikanerin zu sein. Ganz im Gegenteil: Nach der Wahl vom 4. November ist sie stolz auf ihr Land.

Kritik an Bush

Kein gutes Haar lässt Schmidt an dem noch amtierenden ersten Mann in den Staaten: „Es gibt gute Gründe, George W. Bush als den schlechtesten US-Präsidenten aller Zeiten zu bezeichnen.“ Ganz anders hingegen Barack Obama: „Er ist einmalig.“ Zunächst war Elisabeth Lawson Schmidt Anhängerin von Hillary Clinton – doch spätestens seit Ostern ist sie von Obama schwer beeindruckt. Bei einem Besuch in den USA hatte sie zusammen mit ihrer Mutter Obamas Rede über den Rassismus live am Fernsehen verfolgt – und war zu Tränen gerührt. „Er kann wirklich reden. Er ist ein Super-Politiker mit Präsenz und Würde.“ Ganz anders als Bush: „Es war, als hätte der acht Jahre lang Kautabak im Mund gehabt.“ Der Sieg Obamas ist nach Ansicht von Schmidt auch ein Gewinn für die Demokratie – weltweit. „Die Welt braucht ein Amerika, das aufrecht steht, das sich international sehen lassen kann.“ Zu beneiden sei Obama aber nicht: „Das wird ein Horror-Job für ihn.“ Doch sie traut ihm zu, dass er die innen- und außenpolitischen Probleme des Landes löst. Er habe die Kraft, ausgleichend zu wirken, in ihm verbinde sich Arm und Reich, Schwarz und Weiß. Respekt zollt Schmidt dem unterlegenen John McCain. „In der Niederlage hat er Größe gezeigt.“ Nach der durchwachten Nacht auf Mittwoch gab Elisabeth Lawson Schmidt am Mittwochabend eine Party für deutsche und amerikanische Freunde. Bei „Hot-Dogs“ und „Brownies“ wurde die Wahl gefeiert.

Früher aufgestanden

Steven Boylan, ehemaliger Oberst der US-Army und seit 22 Jahren mit seiner Frau Margarete wohnhaft im Marktredwitzer Stadtteil Meußelsdorf, ist zufrieden mit der Wahl in seiner Heimat. Seit gestern hat auch er in seinem Hof zum ersten Mal wieder seit langer Zeit wieder die amerikanische Flagge gehisst. Boylan, der vorher schon mehr als zehn Jahre als Offizier in Stuttgart, Koblenz und Grafenwöhr Dienst tat, hatte sich zwar nicht die Wahlnacht um die Ohren geschlagen. Er stand aber früher auf als sonst und schaltete als erstes auf den Nachrichtensender CNN. Einer seiner beiden Söhne, der in Deutschland wohnt, schickte ihm per Internet die Ansprache des neugewählten Präsidenten Barack Obama. „Ich bin mit der Wahl zufrieden“, sagt Boylan, der per Briefwahl schon Tage vorher seine Stimme abgegeben hatte. Er freue sich auf die angekündigte „inspirational Leadership“ des neuen Präsidenten, der nicht nur die Leute in Amerika hinter sich bringen wolle, sondern auch eine neue Außenpolitik anstrebe. Natürlich ließen sich manche Sachen, wie auch der Krieg im Irak, nicht von einem Tag auf den anderen verändern. Obama brauche nun erst einmal Zeit, um die Weichen neu zu stellen. H.S./ryb-

    
    

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