zuletzt bearbeitet: 22.06.2011 00:01 Uhr
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Festspiele unter Gobelins
Vom Pumuckl bis zu den Blues Brothers: In der "Werkstatt" in der Shedhalle ist das Luisenburg-Programm im Zeitraffer zu erleben.
Marktredwitz - Es ist schon ein außergewöhnlicher Rahmen für die Ausschnitte aus dem Luisenburg-Programm gewesen: Nach Abenden im Kösseine-Cine-Center, einer längeren Pause und einem Abstecher in die Städtische Turnhalle suchten die Verantwortlichen der Luisenburg-Festspiele und die VHS Marktredwitz etwas Neues. Mit Hilfe des Vereins für Gobelinkunst Oberfranken fanden sie in der Manufaktur in der Shedhalle am Auenpark einen bestens geeigneten Veranstaltungsort. Schließlich sei das "Preview" so etwas wie eine Schauspiel-Werkstatt, sagte Dramaturg Manfred Bachmayer. Und wie zur Bestätigung der Theater-Inhalte von "Nathan der Weise" oder dem "Holledauer Schimmel" hing die Abbildung des Versöhnungs-Gobelins am Ende des Saals, den die Marktredwitzer Künstlerin Ursula Benker-Schirmer für die Kathedrale von Chichester gefertigt hatte.
Zahlreiche Gäste haten sich in der Manufaktur eingefunden. Bewusst habe man keine fertige Bühne, sondern einen Arbeitsraum für die Auftritte gesucht und hier gefunden, freute sich Bachmayer.
Dieter Fischer und Ferdinand Schmidt-Modrow eröffneten die "Werkstatt" mit einigen lustigen Szenen aus dem Kinderstück "Meister Eder und sein Pumuckl". Danach ging es auf die Reise nach "Indien". Die Tragikkomödie wird im Hof des Fichtelgebirgsmuseums aufgeführt. Darin treffen ein Schweinebraten-Tester und ein Vegetarier aufeinander. Ein "Wunderwerk des komischen Schreckens" schrieb der Spiegel über das Stück.
Matthias Lehmann las aus "Nathan der Weise", dem Lessing-Stück, in dem für Toleranz geworben wird zu einer Zeit, als es noch hieß "Cuius regio, eius religio" (Wer regiert, bestimmt die Religion). Ein Problem, das heute nach wie vor aktuell ist.
Bei dem Kult-Stück "Blues-Brothers" singt sich Ron Williams nach einigen Erzählungen über die Vorgeschichte der "Brothers" schon nach kurzer Zeit in die Herzen des Publikums, das bald mitklatscht und als "Background-Chor" mitgeht. Gerade nach Wunsiedel passe das Stück bestens, sagte Williams. Ihn habe die Aktion "Wunsiedel ist bunt und nicht braun" begeistert, richtet er ein Kompliment an die Festspielstadt. Und er bedankte sich mit einigen weiteren Bluessongs und dem Hit "Unchain my heart", den der schwarze Sänger Ray Charles lange vor Joe Cocker gesungen hat.
Szenen aus dem "Holledauer Schimmel" mit dem Luisenburg-Urgestein Alfred Schedl in der Hauptrolle boten einen Blick in die schwierige Vergangenheit zweier Nachbardörfer in der Holledau, wo dem Hauptdarsteller schreiendes Unrecht geschieht und er nach Jahrzehnten zurückkehrt, um sich zu rehabilitieren. Das Stück spielt in einer Zeit, in der die Hochzeiten noch auf dem Viehmarkt geschlossen wurden und die Frauenrechte noch nicht ganz so ausgeprägt waren wie heute, leitete Bachmayer über. Mit dabei die "Wunsiedler Schimmel-Musi" und Norbert Neugirg von der Altneihausener Feierwehrkapell'n.
Zu Beginn hatte Bürgermeister Horst Geißel die Gäste in der Manufaktur willkommen geheißen und der Hausherrin Ursula Benker-Schirmer sowie dem Verein Oberfränkische Gobbelinkunst und der VHS für die gute Idee gedankt. Und das Publikum war sich einig, dass es ein gelungener Abend in würdigem Rahmen war, der Lust machte auf die Stücke der Freilicht-Bühne. Wer noch keine Karten hat, sollte sich sputen. Manche Aufführungen sind schon so gut wie ausverkauft, verriet Bachmayer.
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