zuletzt bearbeitet: 25.06.2011 00:03 Uhr
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Filmgenuss in der Loge
Dieter Machon blickt beim Historischen Club zurück auf die Geschichte der Marktredwitzer Kinos. Er erinnert an "LuLi", "KaLi" und Capitol.
Marktredwitz - Zu einem unterhaltsamen Abend hatte der Historische Club in den Gasthof "Goldener Löwe" eingeladen. Der ehemalige Filmvorführer Dieter Machon blickte auf die Entstehungsgeschichte der Marktredwitzer Kinos zurück. Der gebürtige Marktleuthener hatte sein Hobby, die Liebe zum Film, zum Beruf gemacht: Von 1971 bis 1995 war er Filmvorführer im Marktredwitzer Capitol, anfangs nebenberuflich, in den Jahren 1980 bis 1995 hauptberuflich. Das Ende kam für ihn 1995 und für das Capitol im Jahr 2000, als der damalige Theaterleiter in den Ruhestand ging und der Bau eines neuartigen Multiplex-Kinos im entstehenden KEC angekündigt wurde.
Angefangen habe die Geschichte der Marktredwitzer Kinos im Haus Markt 11, ehemals das Gasthaus "Weißes Ross". Der Saal im ersten Stock des Hintergebäudes beherbergte das erste "Kinematographentheater" in Marktredwitz. Am Kirchweihsamstag 1910 ließ es Direktor Fridolin Hascher aus Plauen um 17 Uhr eröffnen. "Kino-König" nannte man damals den Besitzer, denn er hatte etwa zwölf Theater in Sachsen, Böhmen und Bayern, unter anderem in Plauen, Eger, Hof, Karlsbad, Komodau und Schweinfurt in Betrieb.
Großstadtprogramm
Interessant war ein Vermerk in der Eröffnungsvoranzeige im Marktredwitzer Tagblatt: "Ich übernehme Gewähr, das Gebotene muß jeden Besucher zufrieden stellen." Die erste Vorstellung wurde mit einem Musikstück eingeleitet. Anschließend sprach Hauptgeschäftsführer Gottfried Fritsch die Begrüßungsworte. Das "prachtvolle Großstadtprogramm" zeigte dann auf der dreimal vier Meter großen Gipswand die Stummfilme "Extrazug des Präsidenten", "Wettfahrt eines Autos mit dem Expreßzug", "Dänische Dragoner" und "Im zoologischen Garten". Ein "Rezitator" musste anhand eines Textbuches, das er vorher zu studieren hatte, sachgemäße Erklärungen abgeben. Ein Grammaphon sorgte für Musik.
Bereits ein Jahr später übernahm der Marktredwitzer Josef Goldfuß das Zentraltheater und führte es gemeinsam mit seiner Frau Anna. Während des Ersten Weltkriegs leitete Anna Goldfuß das Theater. 1919 eröffnete die Familie Goldfuß ein zweites, modernes Kino mit Logen im Kaiserhofsaal in Marktredwitz, und sie nannten es Luna Lichtspiele (LuLi). Von da an konnte man täglich einen Stummfilm sehen. 1926 übernahm Fritz Rahn aus Bayreuth die Luna Lichtspiele und nannte sie fortan Kammer Lichtspiele (KaLi).
Im Jahr 1928 ließen die Gebrüder Anders in der Ottostraße ein großes, neues Filmtheater mit 900 Sitzen bauen, das Capitol, das lange Zeit zu den schönsten Kinos Oberfrankens zählte. 1929 verkaufte der frühere Besitzer Fritz Rahn die Kammer- Lichtspiele an die Gebrüder Anders. 1932 musste das KaLi infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise wieder geschlossen werden. 1930 lief im Capitol mit "Atlantik" der erste Tonfilm, allerdings mit keiner ausgereiften Technik. Der erste erfolgreiche Lichttonfilm "Das Lied ist aus" wurde im Capitol 1932 gezeigt. Nach 1935 kamen immer öfter auch Farbfilme in die Kinos. Während der NS-Zeit wurde die Firma Anders enteignet und das Capitol von einer Firma Born aus Bayreuth übernommen, die ganz im Sinne des Regimes hauptsächlich Propaganda- und Durchhalte-Filme zeigte. Nach 1945 übernahmen die Amerikaner das Kino, um für ihre Leute GI-Filme vorzuführen. Später wurde das Capitol wieder an den Eigentümer Anders zurückgegeben, und es entstand ein geregelter Spielplan.
Theater mit Bühne
Zu dieser Zeit war das Capitol auch Theater mit Bühne und Orchestergraben, in dem aber nie ein Orchester gespielt hatte. Allerdings fanden große Shows mit Max Greger, Ernst Mosch oder Peter Kraus statt. 1950 ließen die Gebrüder Anders den Kaiserhofsaal wieder zu einem modernen Filmtheater ausbauen. 1956 folgte im Capitol die Umstellung auf Cinema-Scope. Das Capitol wurde umgebaut, womit aber der Theatercharakter des Kinos verloren ging. Aus einem Kinoraum wurden drei. Es verschwanden auch die beliebten Logen.
Wie gut die Kinos in den 50er-Jahren frequentiert waren, zeigte ein Bericht des Tagblattes aus dem Jahr 1955, der von einer jährlichen Besucherzahl von 300 000 sprach, was die große Bedeutung des Films zu dieser Zeit unterstrich. Ende der 60er-Jahre begann das Kinosterben. Ursache war das Fernsehen, das immer mehr Spielfilme sendete. Capitol und KaLi konnten sich aber weiter behaupten. Im Jahr 2000 war jedoch auch bei diesen endgültig Schluss.
Während seines Vortrages präsentierte Machon mit einem Beamer Filmprogramme, die anfangs mit Hand gemalt wurden und zum Teil Auflagen von 8000 bis 100 000 Stück erreichten. G. Rasp
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