» zur Übersicht Selb
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   
Eine echte Expertin in Sachen Schönwald

Historie | Andrea Hanold hat in enger Zusammenarbeit mit dem Porzellanikon ein Buch über die Geschichte der Industrie ihres Heimatortes geschrieben.
Von Andreas Godawa
  • Andrea Hanold Andrea Hanold bei der Vorstellung ihres Buches "Geschichte der Porzellanindustrie in Schönwald"; Museumsdirektor Wilhelm Siemen (Zweiter von links) gratuliert. Mit im Bild: Bürgermeister Robert Frenzl (links) und Rudolf Stich von der Porzellanfabrik Schönwald (rechts).
    Andreas Godawa
Bild von

Schönwald - Für Bürgermeister Robert Frenzl ist das erste Buch von Andrea Hanold ein Standardwerk zur Geschichte der Stadt Schönwald und ein besonderer Höhepunkt, was die Aufarbeitung der heimischen Industriegeschichte angeht. Für Rudolf Stich, Mitarbeiter in der Produktentwicklung der Porzellanfabrik Schönwald, ist das Buch ein "Nachschlagewerk, das seinesgleichen sucht und über das die Porzellanfabrik Schönwald sehr glücklich ist". Für Wilhelm Siemen, Direktor des Porzellanikons und Herausgeber der Schriftenreihe, ist es ein "lebendiges Dokument, das die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Ortes einem großen Kreis zugänglich macht". Für Andrea Hanold ist es einfach die Verwirklichung eines Traumes.

Unter dem bewusst bescheidenen Titel "Geschichte der Porzellanindustrie in Schönwald" hat sie nicht nur Grundlagenforschung betrieben, sondern auch das bis heute bestimmende Kapitel der Schönwalder Geschichte in mühsamer Kleinarbeit dokumentiert und lesenswert und spannend zusammengefasst. Ein Projekt allerdings, das sich über einige Jahre hinzog.

Beruflich ist Andrea Hanold seit 2001 technische Assistentin am Lehrstuhl für Biophysik der Universität Bayreuth. Zuvor hatte die gelernte Medizinisch-Technische Assistentin in der medizinischen Forschung an der Uni Würzburg gearbeitet. "Ich habe mich aber schon in jungen Jahren für alte Sachen interessiert", sagt die 37-Jährige. Und von dort war der Schritt zum heimischen Porzellan, zur heimischen Wirtschafts- und Industriegeschichte nicht mehr weit.

Inzwischen gilt Andrea Hanold, die schon mehrfach Ausstellungen aus ihrem großen Porzellanfundus im Rathaus bestritten hat, als absolute Expertin in Sachen Porzellan aus Schönwald.

Mit ihrem Buch angefangen hat Andrea Hanold im Jahr 2004, als die Porzellanfabrik das 125. Jubiläum feierte. Und sie hat wahrlich Kärrnerarbeit betrieben: Nicht nur, dass sie das Archiv der Porzellanfabrik Schönwald durchforstet hat, sie recherchierte im Staatsarchiv in Bamberg, natürlich dem Zentralarchiv der deutschen Porzellanindustrie im Porzellanikon, dem städtischen Archiv, in wissenschaftlichen Bibliotheken, im Internet und bei Auktionshäusern (was ihr einige Porzellan-Schnäppchen einbrachte).

Und noch etwas ganz Besonderes ist ihr gelungen: Sie hat die letzten noch lebenden Zeitzeugen aus den 40er-Jahren interviewen und so deren Wissen festhalten können. Allein die Arbeit am Computer hat Tausende von Stunden gedauert. "Eigentlich habe ich täglich Stunden am Rechner gesessen."

Alle Fabriken erfasst

Im August 2009 trat ihr Projekt dann in eine entscheidende Phase: Durch die Zusammenarbeit mit dem Porzellanikon, hier besonders Wolfgang Schilling, gewann das Buch Kontur und die endgültige Struktur, so dass es nun zum Ende des Jahres 2009 erscheinen konnte.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Was Andrea Hanold in Texten, Porzellanstücken und Bildern zusammengetragen hat, ist nicht weniger als die Aufarbeitung der Stadtgeschichte aus der Sicht der Porzelliner. Und die ist gerade in Schönwald äußerst interessant. Ausgehend von der 1879 gegründeten Porzellanfabrik Schönwald spürt die Autorin mit viel Liebe zum Detail einem Wirtschaftszweig nach, der die Stadt wie kein anderer geprägt hat. Neben der von Johann Nikol Müller gegründeten Porzellanfabrik Schönwald und deren Abteilung Arzberg hat sie auch die Porzellanfabrik E.&A. Müller, deren Verbindungen mit dem Strupp-Konzern und später mit Kahla im Blick, verliert aber auch die vielen kleinen Fabriken und Porzellanveredler nicht aus dem Auge, so etwa Riedel & Pfeifer, Prell & Agler oder die Porzellanmalerei Willi Lippert.

Es sind aber nicht nur die Fabriken, denen Frau Hanold ein Denkmal setzt. Es sind auch herausragende Designer und Ingenieure, deren Werk für die Nachwelt erhalten bleibt: Namen wie Guldbrandsen, von Heider, Stockmayer, Gretsch oder Löffelhardt dürfen hier nicht fehlen.

Und so liegt Bürgermeister Frenzl absolut richtig, wenn er Hanolds Buch eine "wirklich große Sache" für die Stadt nennt. Rudolf Stich ist ebenfalls begeistert: Er nennt Andrea Hanold "die externe Expertin für Porzellangeschichte" schlechthin. Die Autorin sitzt daneben, lächelt bescheiden und hält ihren wahr gewordenen Traum in Händen.

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf frankenpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Würdigung des Lebenswerks

Selb - "Mit der Umbenennung eines Teils der Geheimrat-Rosenthal-Straße in Dr. Felix-Zandman-Platz zollen wir in Selb einem großen Mann und Ingenieur Respekt für sein Lebenswerk. »mehr
    
    

 
Auch Selb wollte "judenfrei" sein...

Selb - Der Ahnenforscher Dr. Ekkehard Hübschmann aus Bayreuth brachte den Schülern im Anschluss an den Film die Geschich... »mehr
    
 
    

 
Felix Zandmans großer Sieg...

400 Schülerinnen und Schüler aus der Region sehen im Rosenthal-Theater den Dokumentarfilm über die Geschichte des Firmen... »mehr
    
 
    

 
Rat bei sozialen Fragen

Die Selber SPD macht sich Sorgen um das soziale Quartiermanagement in Selb-Plößberg. Nach der rigorosen Kürzung der Bund... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Magazine

Wir in Wunsiedel Februar 2012
Nördliches Fichtelgebirge Ausgabe 4
Thüringen im Blick
Schlaglichter 2011
Gesundheitsführer Kulmbach
Gesundheitsführer Naila
Hochzeitsmagazin November 2011
Frankenreiter November
Börsenforum Oktober 2011
Leserreisen Oktober 2011
Berufsmagazin
Besser Bauen schöner Wohnen
5. Sechsämterland Holztage
Gesundheitsführer Hof 2011
Gesundheitsführer Münchberg
Gesundheitsführer Selb
Erfolgreiche Familienunternehmen
Bikers Guide
    
Anzeige
Marktplatz und Bayreuther Woche
Logo Frankenwäldler
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    

Heikle Mission über dem Meer - Einsatz im Offshore-Windpark

Aus der Nordsee ragen Türme in den Himmel. Zwölf Windräder drehen sich in dem Windpark alpha ventus - 50 Kilometer vor der Küste. Ralf Klooster und seine Kollegen beobachten die riesigen Anlagen fast rund um die Uhr. Wenn etwas nicht stimmt, müssen sie reagieren.

 »mehr
    
    

Die Sache mit dem Namensrecht

Frage des Tages
Eine Frau hat bei ihrer Hochzeit vor gut 20 Jahren den Namen des Mannes angenommen, weil sie keinen Doppelnamen wollte. Würde sie erst jetzt heiraten, könnte sie den "Mädchennamen" behalten. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Hof konkret: Die OB-Wahl in Hof - Wer hat die besten Konzepte und Ideen? 

Ihre Meinung ist gefragt
Die nächste Ausgabe unserer Talksendung „Konkret – der Talk der VR-Bank Hof“ widmet sich der Oberbürgermeister-Wahl in Hof.
Machen Sie mit bei unserer Umfrage zur Talk-Runde „Hof konkret“ unter dem Motto "Die OB-Wahl in Hof - Wer hat die besten Konzepte und Ideen?“! »mehr
    
    

Börseninformationen