zuletzt bearbeitet: 05.01.2010 00:27 Uhr
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Eine echte Expertin in Sachen Schönwald
Historie | Andrea Hanold hat in enger Zusammenarbeit mit dem Porzellanikon ein Buch über die Geschichte der Industrie ihres Heimatortes geschrieben.
Schönwald - Für Bürgermeister Robert Frenzl ist das erste Buch von Andrea Hanold ein Standardwerk zur Geschichte der Stadt Schönwald und ein besonderer Höhepunkt, was die Aufarbeitung der heimischen Industriegeschichte angeht. Für Rudolf Stich, Mitarbeiter in der Produktentwicklung der Porzellanfabrik Schönwald, ist das Buch ein "Nachschlagewerk, das seinesgleichen sucht und über das die Porzellanfabrik Schönwald sehr glücklich ist". Für Wilhelm Siemen, Direktor des Porzellanikons und Herausgeber der Schriftenreihe, ist es ein "lebendiges Dokument, das die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Ortes einem großen Kreis zugänglich macht". Für Andrea Hanold ist es einfach die Verwirklichung eines Traumes.
Unter dem bewusst bescheidenen Titel "Geschichte der Porzellanindustrie in Schönwald" hat sie nicht nur Grundlagenforschung betrieben, sondern auch das bis heute bestimmende Kapitel der Schönwalder Geschichte in mühsamer Kleinarbeit dokumentiert und lesenswert und spannend zusammengefasst. Ein Projekt allerdings, das sich über einige Jahre hinzog.
Beruflich ist Andrea Hanold seit 2001 technische Assistentin am Lehrstuhl für Biophysik der Universität Bayreuth. Zuvor hatte die gelernte Medizinisch-Technische Assistentin in der medizinischen Forschung an der Uni Würzburg gearbeitet. "Ich habe mich aber schon in jungen Jahren für alte Sachen interessiert", sagt die 37-Jährige. Und von dort war der Schritt zum heimischen Porzellan, zur heimischen Wirtschafts- und Industriegeschichte nicht mehr weit.
Inzwischen gilt Andrea Hanold, die schon mehrfach Ausstellungen aus ihrem großen Porzellanfundus im Rathaus bestritten hat, als absolute Expertin in Sachen Porzellan aus Schönwald.
Mit ihrem Buch angefangen hat Andrea Hanold im Jahr 2004, als die Porzellanfabrik das 125. Jubiläum feierte. Und sie hat wahrlich Kärrnerarbeit betrieben: Nicht nur, dass sie das Archiv der Porzellanfabrik Schönwald durchforstet hat, sie recherchierte im Staatsarchiv in Bamberg, natürlich dem Zentralarchiv der deutschen Porzellanindustrie im Porzellanikon, dem städtischen Archiv, in wissenschaftlichen Bibliotheken, im Internet und bei Auktionshäusern (was ihr einige Porzellan-Schnäppchen einbrachte).
Und noch etwas ganz Besonderes ist ihr gelungen: Sie hat die letzten noch lebenden Zeitzeugen aus den 40er-Jahren interviewen und so deren Wissen festhalten können. Allein die Arbeit am Computer hat Tausende von Stunden gedauert. "Eigentlich habe ich täglich Stunden am Rechner gesessen."
Alle Fabriken erfasst
Im August 2009 trat ihr Projekt dann in eine entscheidende Phase: Durch die Zusammenarbeit mit dem Porzellanikon, hier besonders Wolfgang Schilling, gewann das Buch Kontur und die endgültige Struktur, so dass es nun zum Ende des Jahres 2009 erscheinen konnte.
Der Aufwand hat sich gelohnt. Was Andrea Hanold in Texten, Porzellanstücken und Bildern zusammengetragen hat, ist nicht weniger als die Aufarbeitung der Stadtgeschichte aus der Sicht der Porzelliner. Und die ist gerade in Schönwald äußerst interessant. Ausgehend von der 1879 gegründeten Porzellanfabrik Schönwald spürt die Autorin mit viel Liebe zum Detail einem Wirtschaftszweig nach, der die Stadt wie kein anderer geprägt hat. Neben der von Johann Nikol Müller gegründeten Porzellanfabrik Schönwald und deren Abteilung Arzberg hat sie auch die Porzellanfabrik E.&A. Müller, deren Verbindungen mit dem Strupp-Konzern und später mit Kahla im Blick, verliert aber auch die vielen kleinen Fabriken und Porzellanveredler nicht aus dem Auge, so etwa Riedel & Pfeifer, Prell & Agler oder die Porzellanmalerei Willi Lippert.
Es sind aber nicht nur die Fabriken, denen Frau Hanold ein Denkmal setzt. Es sind auch herausragende Designer und Ingenieure, deren Werk für die Nachwelt erhalten bleibt: Namen wie Guldbrandsen, von Heider, Stockmayer, Gretsch oder Löffelhardt dürfen hier nicht fehlen.
Und so liegt Bürgermeister Frenzl absolut richtig, wenn er Hanolds Buch eine "wirklich große Sache" für die Stadt nennt. Rudolf Stich ist ebenfalls begeistert: Er nennt Andrea Hanold "die externe Expertin für Porzellangeschichte" schlechthin. Die Autorin sitzt daneben, lächelt bescheiden und hält ihren wahr gewordenen Traum in Händen.
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