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"Endlich der Befreiungsschlag"

Von Andreas Godawaund Michael Geitz
  • fpst_rosenthal_210709 Auch im Rosenthal-Werksverkauf herrscht Erleichterung bei den Mitarbeitern. Unser Bild zeigt eine der Mitarbeiterinnen vor der berühmten Form TAC von Walter Gropius. Foto: Godawa
     
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Selb - "Das ist endlich der Befreiungsschlag", ist sich Jörg Bauriedel, Betriebsratsvorsitzender im Rosenthal-Werk Rothbühl, sicher. "Richtig erleichtert" sei er von der Übernahme der Rosenthal AG durch den italienischen Besteckhersteller Sambonet Paderno.

Am Montag um 6.45 Uhr sind nach seiner Aussage alle Rosenthal-Mitarbeiter von dem Verkauf informiert worden. In dem Schreiben des Insolvenzverwalters Volker Böhm wird auch für den Dienstag um 14 Uhr zu einer Betriebsversammlung in das Selber Rosenthal-Theater eingeladen. Dort soll die Belegschaft ausführlich informiert werden.

Für Jörg Bauriedel ist der Verkauf das glückliche Ende von sechs sehr schweren Monaten. Er geht davon aus, dass sich an der Zahl der Mitarbeiter von rund 1000 in Deutschland (1200 weltweit) vorerst nichts ändern wird. Eher im Gegenteil: "Wir hoffen, dass wir einen guten Auftragseingang und gute Umsätze erzielen werden."

Die Maßnahmen des Insolvenzverwalters in den vergangenen Monaten hätten Wirkung gezeigt. Im Juni habe man umsatzmäßig "die rote Null" erreicht. Daran sehe man, was das Unternehmen im vergangenen halben Jahr geschafft habe.

Durchweg positiv hätten seine Kollegen die Nachricht aufgenommen, so Bauriedel. Vor allem, weil damit die Zeit der Ungewissheit und des Bangens vorbei sei.

Grundsätzlich, so der Betriebsratsvorsitzende, habe man mit Sambonet mit "Sicherheit" einen guten Partner gefunden. Technik, Innovationskraft und Kreativität passen nach Bauriedels Meinung zusammen: Ich denke, wir können gemeinsam stark auf dem Markt sein."

"Einen guten Grund, Hoffnung zu haben", nennt Oberbürgermeister Wolfgang Kreil die Übernahme der Rosenthal AG. Den Ausdruck Hoffnung bezieht der Selber Oberbürgermeister darauf, dass die Arbeitsplätze und der Standort Selb in besseres Fahrwasser kommen, als sie bislang gewesen seien.

Der OB bezieht sich auf die Aussage in der Pressemitteilung der Insolvenzverwaltung, nach welcher Sambonet angekündigt habe, alle Rosenthal-Standorte erhalten zu wollen. Er vermisse eine klare Aussage, dass alle jetzigen Arbeitnehmer behalten werden sollen: "Ein gewisses Bangen" bleibe also.

Eine richtig gute Nachricht sei aber, dass Sambonet in den kommenden Jahren beträchtlich in Rosenthal investieren wolle. Es sei offenbar klar, dass das italienische Unternehmen wisse, was es vor sich habe.

Kreil erklärt auch, dass es ein Gespräch zwischen ihm und dem Sambonet-Chef Pierluigi Coppa gegeben habe. Dieser habe ihm im Groben die Richtung gesagt, in die es zukünftig gehen soll. Kreil geht davon aus, dass die eine oder andere harte Entscheidung auch in Zukunft nicht zu vermeiden sein wird.

Dennoch ist das Selber Stadtoberhaupt hoffnungsvoll. "Ich wünsche, dass Rosenthal in ein gesundes Fahrwasser kommt. Und dass die Mitarbeiter nach Jahren des Rückgangs und der Angst wieder mit Fortschritt und Sicherheit rechnen können."

Nach Meinung des CSU-Bundestagsabgeordneten Dr. Hans-Peter Friedrich eröffnet die Rettung von Rosenthal nun die Chance, auch für die Arbeitsplätze in der Porzellanstadt neue Perspektiven zu entwickeln. Gleichzeitig zeige sich, dass die geordnete Insolvenz eines Unternehmens nicht das Aus, sondern einen guten Neuanfang bedeuten könne.

Entscheidend komme es jetzt darauf an, die neuen Eigentümer von der Standortqualität Hochfrankens zu überzeugen. Das Wissen, das Können und die Erfahrung der Porzelliner lasse die berechtigte Hoffnung auf die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und Neuinvestitionen zu.

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Annette Karl begrüßt die Rettung von Rosenthal. Dies sei ein gutes Signal für Oberfranken, "jetzt gilt es, die Arbeitsplätze langfristig zu sichern". Neben dem Insolvenzverwalter, den beteiligten Unternehmen und der Staatsregierung habe auch der Gesamtbetriebsrat maßgeblich dazu beigetragen, den Arbeitnehmern und ihren Familien eine Perspektive in Arbeit zu schaffen, stellt Karl fest.

Vor der Übernahme seien 600 Arbeitsplätze aus Kostengründen abgebaut worden. "Damit ist die Arbeitnehmerseite in Vorleistung getreten, um die Marke Rosenthal zu retten." Jetzt sei es am neuen Eigentümer und der Staatsregierung als Bürgschafts- und Fördermittelgeber sicherzustellen, dass den Werken in Selb und Speichersdorf nicht ein ähnliches Schicksal drohe, wie dem Werk des Glasherstellers Nachtmann, das mittlerweile im Besitz der österreichischen Riedl-Gruppe sei.

"Die Rettung von Rosenthal ist ein wichtiges Signal für die Region, vor allem für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Rosenthal und ihre Familien", erklärt der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Schöffel. Durch die Gewährung von Zuschüssen des Freistaates und von Darlehen der Bayerischen Landesbank seien der Kauf und die Fortführung von Rosenthal durch Sambonet erst finanzierbar geworden. Auch sei der neue Eigentümer etwas weniger abhängig von Fremdkapitalgebern. Sein Dank gelte jedoch auch der Insolvenzverwaltung für deren erfolgreiche Verhandlungen, insbesondere mit der Bank of America, so Schöffel.

Rosenthal habe jetzt die Chance auf eine Zukunft, natürlich müsse sich die Marke weiter am Markt durchsetzen. Schöffel hofft, dass es gelingt, die Marke neu zu positionieren und zu profilieren. Dazu sei jetzt auch ein Neuanfang an der Spitze des Unternehmens unausweichlich: "Ich begrüße die Ankündigung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Küsel, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen."

"Ich bin froh, dass das monatelange Tauziehen um den Verkauf nun ein Ende hat", sagte Landrat Dr. Karl Döhler. "Das war ja fast nicht mehr zum Aushalten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die Firma und für die gesamte Region." Dass das Unternehmen als Rosenthal AG weiter bestehen soll, ist sehr zu begrüßen. Er hoffe sehr, dass die Ankündigung des neuen italienischen Eigentümers, die Standorte in Oberfranken und die Arbeitsplätze zu erhalten, auch erfüllt wird. "Die Rosenthaler und wir alle können nun neuen Mut schöpfen und nach vorne schauen. Denn hier ist nach meiner Meinung ein Paket geschnürt worden, das Perspektiven aufzeigt und mit dem es mit dem Unternehmen vernünftig weitergehen kann."

    
    

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