zuletzt bearbeitet: 28.10.2010 00:34 Uhr
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Größere Tür für die Besuchermassen
Hohenberg - Die große Ausstellung "300 Jahre europäisches Porzellan - Königstraum und Massenware" wirft ihre mächtigen Schatten voraus. Diese sind derzeit vor allem im Porzellanikon in Hohenberg deutlich zu sehen. Das Haus, das wegen des Umbaus für die Jubiläumsausstellung seit 2. November geschlossen ist, gleicht einer riesigen Baustelle. Die Mitarbeiter sind im Dauerstress.
"Es ist so schlimm, dass wir nachts davon träumen", sagt Kuratorin Petra Werner lachend, die mit ihren Kolleginnen Marlen Grohmann und Julia Roolf die umfangreiche Umgestaltung leitet.
Zunächst müssen sämtliche Porzellane - aktuelle Ausstellungsstücke und Sammlungen gleichermaßen - akribisch in Kisten verpackt und ins Depot des Museums nach Selb gefahren werden. Lediglich die Figuren werden im Haus gelagert. Diese Arbeiten sowie der Abbau aller Inszenierungen sind nahezu abgeschlossen, wenn auch noch viele Kisten auf den Abtransport warten, denn Personal und Transportfahrzeuge sind Mangelware.
Gegenwärtig werden die Vitrinen ausgebaut und dann ebenfalls in Selb gelagert. Ein Wiederaufbau nach der Jubiläumsausstellung in Hohenberg ist nicht mehr vorgesehen, zumal dann die neuen, extra für die Ausstellung gefertigten Vitrinen Verwendung finden werden. Die alten, so Petra Werner, würden anderweitig eingesetzt.
Entwurfsskizzen umsetzen
Museumsschreiner Heinz Reimann ist derzeit mit zwei Helfern, die im Rahmen einer Maßnahme des Arbeitsamtes beschäftigt werden, mit dem Ab- und Aufbau der Vitrinen beschäftigt. Er kümmert sich aber auch um das notwendige Material und setzt die Entwurfsskizzen des Architekturbüros Brussig aus München, mit dem das Museum zusammenarbeitet, in entsprechende Konstruktionen um. Die Kuratorinnen hatten vorher die Objektlisten an das Architekturbüro geliefert und ihre Vorstellungen geäußert.
"Wir sind alle jeden Tag aufs Neue gefordert", so Petra Werner, denn vieles laufe nicht so, wie man es sich vorgestellt habe. "Ständig müssen wir umdenken und auf Alternativen ausweichen."
Im Porzellanikon in Hohenberg wird im Rahmen der Jubiläumsausstellung, die am 24. April 2010 eröffnet wird und dann bis zum 2. November läuft, die Porzellanherstellung vom Ursprung bis ins Jahr 1930 gezeigt. Dabei wird in die Lebenswelten zwischen Barock und Art déco entführt und es werden die wechselvollen Abschnitte europäischer Geschichte, nachvollziehbar am Porzellan der jeweiligen Epoche, dargestellt.
Diesen Epochen entsprechen die verschiedenen Inszenierungen, wobei immer der ganze Raum gestaltet wird und zwar mit Farben, Ornamenten und Motiven, die typisch für die jeweilige Zeit sind.
In Hohenberg beginnt alles mit dem Ursprung, dem "Blanc de Chine" in Europa, es geht weiter über die Begründer des europäischen Porzellanstils, über Aufklärung und Klassizismus, das Empire, Biedermeier, japanische Inspirationen bis zum Art déco. Im Porzellanikon in Selb erfolgen die weiteren Darstellungen bis zur Gegenwart.
Das Museumsteam hat insgesamt 95 Leihgeber in 17 Nationen angeschrieben und um Ausstellungsstücke nachgefragt und von vielen Zusagen bekommen. Natürlich kann man sich auch aus eigenen Beständen bedienen, wobei jedoch von den Ursprüngen der europäischen Porzellanherstellung eher wenig vorhanden ist. "Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts können wir aber aus dem Vollen schöpfen", betont Frau Werner.
An dem Jubiläumskonzept für das Haus in Hohenberg arbeiten die drei genannten Kuratorinnen sowie zwei Kuratoren von außerhalb. Diese Kunsthistoriker liefern die Texte für den Ausstellungskatalog. Petra Werner, die auch für das Selber Ausstellungskonzept mit verantwortlich zeichnet, Marlen Grohmann und Julia Roolf werden von Dr. Jana Göbel, einer Halbtagskraft, unterstützt, die mithilft zum Beispiel die Transporte abzuwickeln oder die Bildrechte abzuklären. Eine große Hilfe ist auch Martina Schübel, Halbtagskraft im Sekretariat in Selb, die die Schreibarbeiten übernimmt, Übersetzungen bei Leihverträgen und sonstige Korrespondenzen erledigt.
Wie aufwendig das alles ist, schildert Petra Werner sehr eindrucksvoll. So wollen die Leihgeber unter anderem wissen, wo und wie ihre Stücke transportiert und präsentiert werden, wie es sich mit der Alarm- und Brandsicherung verhält, ob es Wächter gibt, welche Luftfeuchtigkeit in den Ausstellungsräumen herrscht und wie die Lichtverhältnisse sind. Dies sei verständlich, zumal es sich um enorme Werte handelt, die da ausgestellt werden. Eine gute Vertrauensbasis sowie ein entsprechendes Timing seien daher, so Petra Werner, unerlässlich.
Doppelt belastet
Alle Fäden laufen schließlich bei Museumsdirektor Wilhelm Siemen zusammen, der die Idee für die Jubiläumsausstellung hatte. Zumal aber in Selb zeitgleich noch andere Projekte laufen, sind er und sein Stellvertreter, Wolfgang Schilling, doppelt belastet.
Doch das Museumsteam, das mit Herzblut bei der Sache ist, wird die Sache schaukeln, so dass man zur Eröffnung der großen Ausstellung am 24. April 2010 gespannt sein darf. Die ersten Einblicke, die Petra Werner gewährte, sind jedenfalls überwältigend. Bleibt zu hoffen, dass diese großartige Ausstellung auf die Resonanz stößt, die man sich erhofft, und sich positiv auf die ganze Region auswirkt.
Im Museum in Hohenberg jedenfalls ist man auf den großen Besucheransturm gut vorbereitet. Vorsichtshalber wurde schon mal die Eingangstür vergrößert - aber nicht nur wegen der zu erwartenden Besuchermassen, sondern auch für die umfangreichen Transportarbeiten, die einfach einen größeren Zugang erforderlich machten.
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