zuletzt bearbeitet: 10.03.2010 22:04 Uhr
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Gütezeichen für Kompost aus Steinselb
Grünverwertung | Bundesgütegemeinschaft zeichnet das hochwertige Endprodukt aus der Anlage von Georg Neupert aus. Auch vom Landkreis gibt es viel Lob für die Einrichtung.
Selb-Steinselb - Die Bundesgütegemeinschaft Kompost mit Sitz in Köln hat der Firma Georg Neupert in Steinselb, Betreiber der dortigen Kompostieranlage, für das Produkt Frischkompost das RAL-Gütezeichen verliehen. Diese Auszeichnung des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) würdigen auch der Leiter des Sachgebietes Abfallwirtschaft des Landkreises Wunsiedel, Josef Sturm, und Abfallberater Julius Bonfert, unterstreicht sie doch die perfekte Arbeit, die in Steinselb geleistet wird.
Josef Sturm blickt auf die Entstehung der Kompostanlage in Steinselb 1992 zurück, als der Landkreis gemeinsam mit dem Maschinenring nach Landwirten suchte, die bereit waren, eine solche Investition zu tätigen. Man sei damals in fünf Orten fündig geworden, und die Anlagen werden heute noch betrieben. Die sechste vom Landkreis selbst betriebene Anlage in Sandmühle wurde kürzlich aufgegeben.
Die Steinselber Einrichtung ist laut Sturm die größte im Landkreis und wurde von einer Fläche von ursprünglich tausend Quadratmeter im Laufe der Jahre von der Familie Neupert auf mehr als das Doppelte vergrößert. Der Bau sei damals mit fünfzig Prozent - je 25 vom Landkreis und der EU - bezuschusst worden. Das Angebot richtet sich vorrangig an die Gartenbesitzer in Selb und Schönwald und darüber hinaus, aber auch die Kommunen oder Gartenbaubetriebe können Grüngut anliefern, allerdings gegen Bezahlung. Bis zu einem Kubikmeter ist die Anlieferung frei.
Vor 1992 wurden Grünabfälle im Landkreis Wunsiedel nicht gezielt gesammelt, sodass diese häufig an Waldrändern oder auf aufgelassenen Müllkippen abgelagert wurden. Die Sickersäfte führten schließlich zu einer Grundwasserbelastung. Diese ist auf den Kompostieranlagen ausgeschlossen, da die Lagerflächen asphaltiert sind und Sickerwässer in einer Grube aufgefangen werden.
Gut 65 000 Kubikmeter Gartenabfälle werden jährlich von den Kompostieranlagen aufgenommen, was gute 30 000 Kubikmeter Kompost ergibt. Auch von den Wertstoffhöfen angenommene Grünabfälle landen auf den Kompostanlagen.
Georg und Bernd Neupert erläutern, wie mit dem Grüngut verfahren wird: Ist eine Teilfläche aufgefüllt, werde das Material von einer Firma geschreddert. Anschließend werde es binnen drei Monaten zwei bis dreimal per Radlader umgesetzt. Da es zu einer starken Erwärmung komme, würden sämtlich Keime abgetötet, sodass das Endprodukt ein hochwertiger Kompost sei.
95 Prozent des fertigen, ungesiebten Materials werden günstig an Großabnehmer abgegeben und vorwiegend auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Speziell bei Biolandwirten sei es sehr beliebt. Der Kompost, der in den Verkauf kommt, werde nochmals zwei bis drei Monate abgelagert, abschließend gesiebt und vom Betreiber als Grünkompost angeboten beziehungsweise zu verschiedenen Produkten wie Pflanzenerde oder Pflanzenerde plus (mit Sand und Ziegelsplitt angereichert) verarbeitet.
Die Neuperts setzen in die Nutzer ihrer Anlage ein großes Vertrauen. Das fängt schon bei der Anlieferung an, denn es kann nicht rund um die Uhr kontrolliert werden, ob nicht mehr als der kostenfreie Kubikmeter gebracht wird. Und beim verkaufsfertigen Kompost ist natürlich ein Schwund zu verzeichnen. Dennoch sollte sich niemand zu sehr in Sicherheit wiegen, "denn es ist immer jemand da - entweder auf dem Hof oder der Biogasanlage -, der ein Auge auf den Kompostplatz hat", so Georg Neupert. Josef Sturm lobt daher die Steinselber Anlage, sei sie doch gut in den Hof integriert und somit besser kontrollierbar..
Natürlich war anfangs eine enorme Investition notwendig, musste Neupert doch große Maschinen anschaffen, die Fläche entsprechend präparieren, und auch zwischendurch sind immer wieder Neuerungen notwendig. Daher sind die Betreiber anteilig an den vom Landkreis eingenommenen Geldern beteiligt. Zudem nimmt man ihnen die Abrechnung und Verwaltung der Anlage ab.
Wie Josef Sturm betont, arbeite eine derartige Anlage natürlich nicht kostendeckend, weshalb sie über die Müllgebühren mitfinanziert werde. Optimal wäre es, so Sturm, wenn sich ein Markt für das Kompostmaterial finden ließe. Leider bleibe auch die bei der Kompostierung entstehende Wärme noch ungenutzt.
Auch Georg und Bernd Neupert wären daran interessiert, das Material noch besser zu vermarkten, weshalb sie gerne mit Gartenbaufirmen oder ähnlich Interessierten zusammenarbeiten würden.
Der Kompost aus Steinselb wird sechsmal pro Jahr von der Bundesgütegemeinschaft geprüft, und vom Landkreis werden zusätzliche Proben gezogen. Der Vorteil ist, dass jeder, der hier Grünabfälle anliefert, sehen kann, was sich im Kompost befindet. So ist das Material auch absolut torffrei. Das stellt einen maßgeblichen Umweltschutzfaktor dar, zumal der Abbau von Torf einer Zerstörung von Mooren gleichkommt.
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