zuletzt bearbeitet: 06.04.2011 10:00 Uhr
Text
Text
Lückenschluss auch in der Politik
Bahnlinie Hof-Eger | Michael Cramer, Europaparlamentarier und Verkehrsexperte der Grünen, macht sich inWildenau ein Bild von der Situation. Bei Einigkeit sieht er sehr gute Chancen für eine Förderung durch die EU.
-
An einem Modell zeigt Wolfgang Kaiser, wie der Anschluss am Bahnhof Selb-Plößberg aussehen könnte. Interessierte Beobachter sind (von rechts) Grünen-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Scharfenberg, Michael Cramer, Europaparlamentarier und Verkehrsexperte von Bündnis 90/Die Grünen, sowie Rolf Swart und Dr. Klaus von Stetten von der Interessengemeinschaft Bahn Eger-Hof. Foto: Gisela König
Selb-Wildenau - Es geht nicht um den Lückenschluss der Bahnlinie Selb-Asch oder Hof- Eger, es geht hier um das Zusammenwachsen Europas. Um sich ein Bild von der Situation zu machen, war Michael Cramer, Mitglied des Europäischen Parlaments und Verkehrsexperte von Bündnis 90/Die Grünen, auf Einladung von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Elisabeth Scharfenberg am Dienstag nach Wildenau gekommen.
Scharfenberg erläuterte, dass die für die Region enorm wichtige Bahnlinie Eger-Hof vor zwölf Jahren unterbrochen wurde. Bis heute stehe der Lückenschluss aus, wobei die Bahnlinie erheblich zur Verkehrsentlastung beitragen könnte. Neben dem Güterverkehr würden auch Personenverkehr und Tourismus davon profitieren. Die Abgeordnete betonte, dass das Projekt zwar Zuspruch von allen Seiten erfahre, eine Realisierung aber aufgrund des "Verschiebebahnhofs" der Zuständigkeiten noch immer in den Sternen stehe.
Dr. Klaus von Stetten, Wolfgang Kaiser und Rolf Swart von der Interessengemeinschaft Bahn Cheb-Hof waren ebenfalls zum Ortstermin gekommen und berichteten, dass inzwischen sämtliche Mandatsträger der Region sowie aus dem benachbarten Tschechien hinter dem Lückenschluss stünden. Selbst der Selber Oberbürgermeister versuche, sich mit der Sache anzufreunden. Als recht gut bezeichnete von Stetten inzwischen die Korrespondenz mit dem Bayerischen Wirtschaftsminister Zeil, der sich nicht wie seine Vorgänger grundsätzlich sperre. Stetten verwies hier auf ein entsprechendes Gespräch von Landrat Dr. Karl Döhler am 22. September im Bayerischen Wirtschaftsministerium. Ferner führte der Sprecher der Interessengemeinschaft an, dass der Freistaat sechs Millionen Euro in eine Stichbahn von Bayreuth nach Weidenberg investiert habe. "Dann muss doch dieses Projekt hier auch möglich sein."
Im Anschluss stellte Wolfgang Kaiser ein mitgebrachtes Modell des Bahnhofs Selb-Plößberg vor und zeigte auf, wie die Anbindung an den Selber Bahnhof relativ problemlos und mit minimal drei Schienenfahrzeugen erfolgen könnte. Eisenbahnexperte Rolf Swart ergänzte, dass die Gleise sofort belastbar seien, lediglich einige Weichen müssten wieder errichtet werden. Berechnungen hätten ergeben, so von Stetten, dass man mit rund sieben Millionen Euro die Bahnlinie auf den modernsten Stand für einen flüssigen Zugverkehr bringen könnte. "Es wäre blanker Hohn, diese vorhandene Infrastruktur einfach wegzuwerfen!" Natürlich könnte ein Projekt auch zu Tode gerechnet und mit Fantasiezahlen abgewürgt werden, wie dies hier vielfach versucht worden sei.
Europaparlamentarier Cramer führte verschiedene europäische Fördermittel wie den Kohäsionsfonds oder Strukturmittel für ehemalige Zonenrandgebiete an. Eine 50-prozentige Förderung durch Europa müsste hier auf jeden Fall möglich sein, zumal das Projekt grenzüberschreitend ist. "Und das sollte sich Bayern nicht entgehen lassen." Der Freistaat und der zuständige Landkreis müssten nur einen entsprechenden Antrag stellen und - ganz wichtig - das Projekt müsse absolut gewollt sein. Eine finanzielle Beteiligung der Kommunen, wie von Cramer angedacht, sehen die Politiker aus der Region als unmöglich, da sich die hiesigen Städte und Gemeinden in einer äußerst prekären Situation befänden.
Gute Chancen für Realisierung
Dennoch sieht der Europapolitiker gute Chancen für die Realisierung, denn hier handele es sich nicht um eine lokale Angelegenheit, sondern um ein internationales Vorhaben. Außerdem, so Cramer, sei genug Geld vorhanden in Bayern, da der Transrapid nicht gebaut wird.
Von Stetten und Scharfenberg führten dann noch die touristische Bedeutung des Lückenschlusses an und als wichtige Ergänzung im sogenannten Egronet mit Anbindung an die tschechischen Bäder. Elisabeth Scharfenberg ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass für den Lückenschluss der Bahnlinie ein politischer Lückenschluss wichtig wäre. Aus diesem Grund habe sie an Bundesverkehrsminister Tiefensee geschrieben, um zu erfahren, wie er zu der Angelegenheit stehe und um die Verantwortlichkeiten abzuklären. "Bei einem derart internationalen Projekt sollte auf jeden Fall der Bund mit ins Boot genommen werden."
Anschließend machte sich der Europapolitiker noch ein Bild vom Zustand der Bahnlinie. Die Gleise seien sofort auch für den Güterverkehr belastbar, und auch die Seele, also die tragenden Teile der Brücken, so die Vertreter der Interessengemeinschaft, seien intakt. Doch selbst neue, breitere Brückenbauwerke, die auch modernen landwirtschaftlichen Fahrzeugen die Durchfahrt ermöglichen, seien in den rund sieben Millionen Euro geschätzten Kosten enthalten. Und es müsse schließlich nicht alle 150 Meter ein Bahnübergang sein.
Cramer ergänzte, dass man in Europa ehrgeizige Klimaziele verfolge, wozu auch die zunehmende Verlegung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene gehöre. "Die Strecke verdient es, reaktiviert zu werden, Bayern muss nur den Antrag stellen."
Inge Heinrich, Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Wunsiedel machte abschließend deutlich, dass sich der BN bereits seit 1992, als noch der Güterverkehr rollte, für die Reaktivierung der Bahnlinie, damals für den Personenverkehr, später dann für die insgesamte Wiederinbetriebnahme, stark gemacht habe.
Diesen Artikel
|
|||||
Die neuesten Kommentare
Ȇbersicht Selb
Lieber dämmen als auftauen
Viele Wasserzähler halten die niedrigen Temperaturen zurzeit nicht aus. Die ESM Selb hat alle Hände voll zu tun, um die Geräte auszuwechseln. »mehr
Kampf um Gastschulrecht
Gaby Schmidt will sich mit der Schulsprengelpflicht ihres Sohnes nicht abfinden. Sie befürchtet eine Verschlechterung se... »mehr
Massage, Qigong und Lach-Yoga
Volkshochschule, AOK und das Gesundheitsnetz laden zum Gesundheitstag ein. In Workshops und Schnupperstunden lernen die ... »mehr
Schönwalder feiern die ganze Nacht...
Rex Gildos "Hossa" hat wohl ausgedient. "Nossa, Nossa" schallt es heutzutage aus den Lautsprechern. So auch beim Schönwa... »mehr
Das könnte Sie auch interessieren
Party
Nachrichten
Sport
Gelesen
Kommentiert
Bewertet
Magazine
Umfrage














































