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Schule mit Visionen statt Illusionen

Selb - Am 1. April 1909 wurde die Porzellanfachschule gegründet. Und dass es diese, den Selbern so liebe Fachschule heute noch gibt, liegt vor allem an der Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit der Bildungseinrichtung und an ihrem derzeitigen Schulleiter Dr. Bernhard Nitsche.

Von Andreas Godawa
  • fpst_am_fachschule_250709 Nicht der Werkstoff, sondern das Design steht im Vordergrund. Bei der Jubiläumsfeier der Fachschule zeigt deren Leiter Dr. Bernhard Nitsche der Staatssekretärin Melanie Huml, dem Landtagsabgeordneten Martin Schöffel, Landrat Dr. Karl Döhler und dem Selber Oberbürgermeister Wolfgang Kreil die Abschlussarbeit zweier Absolventen. Fotos: Andreas Godawa
     
  • fpst_nitsche_250709 Geschenk an die Gäste: Die Zahl 100 als Spardose aus Porzellan.
     
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Selb - Am 1. April 1909 wurde die Porzellanfachschule gegründet. Und dass es diese, den Selbern so liebe Fachschule heute noch gibt, liegt vor allem an der Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit der Bildungseinrichtung und an ihrem derzeitigen Schulleiter Dr. Bernhard Nitsche. Darin waren sich alle Gratulanten und Grußredner beim Festakt im Foyer der Schule einig. "Wir hängen am Porzellan, aber wenn wir nur am Porzellan hängengeblieben wären, wäre die Schule untergegangen", brachte es Oberbürgermeister Wolfgang Kreil auf den Punkt. Und so stand dann auch kein Porzellanservice neben dem Rednerpult, sondern ein Entwurf eines Rennwagens, gefertigt von den Schülern Tim Schwarzenberger und Florian Rothbauer als Abschlussarbeit.

Landrat Dr. Karl Döhler hatte die Gäste begrüßt. In den 100 Jahren habe sich die auf Betreiben von Philip Rosenthal gegründete Schule stark verändert und weiterentwickelt, eben hin zur Staatlichen Fachschule für Produktdesign unter dem Dach des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums für Produktdesign und Prüftechnik.

Die Ausbildung an der Fachschule sei europaweit anerkannt, die Absolventen begehrt. Es zeuge von der guten Reputation und sei ein Gütesiegel, dass es Anfragen aus ganz Deutschland gebe. "Die Schule habe viel für die Region und deren guten Namen getan", gratulierte Döhler.

Der Schulleiter Dr. Nitsche ging dann kurz auf die Geschichte des Institutes ein. Inzwischen hätten 2650 Absolventen die Schule besucht. Nitsche verschwieg aber auch nicht die schweren Zeiten, als die Schülerzahlen sanken und 1996 sogar eine Schließung zu befürchten war. Aber die Umstrukturierungen und Modernisierungen hätten zu einem Erstarken geführt. Inzwischen habe man den Spielraum, die Zukunft zu gestalten. Die Vielfalt der Produkte zeige, dass "wir sehr gut gerüstet sind". Bei einer weiterhin guten Zusammenarbeit und der entsprechenden Unterstützung werde man auch die nächsten Jahre gut überstehen, die notwendigen Veränderungen gestalten und den Absolventen das nötige Potenzial mitgeben können.

Hauptrednerin des Festaktes war Melanie Huml, Staatssekretärin im bayerischen Umweltministerium. Und auch sie stellte den Wandel in den Mittelpunkt ihrer Rede. Dieser Wandel in Industrie und Gesellschaft zeige sich an der Schulgeschichte sehr deutlich. Zur Herstellung von Porzellan bedürfe es Fantasie und Kreativität, kein anderer Werkstoff sei so vielseitig.

Die Kunst der Porzelliner sei auch Wissenschaft, die sich in 100 Jahren entwickelt habe. Jeder Fortschritt öffne auch Türen zu neuen Erscheinungsformen. Deswegen müsse man gerade in diesem Bereich offen sein für Weiterentwicklungen. Huml verwies auf die große Bedeutung der Stadt Selb in Sachen Porzellan. Zwar habe die wirtschaftliche Krise der Branche die Stadt hart getroffen, aber auch Selb habe sich weiterentwickelt und die wirtschaftliche Monostruktur aufgebrochen.

Zur Übernahme von Rosenthal durch Sambonet Paderno sagte Huml, die Politik müsse darauf achten, dass das Versprochene auch umgesetzt werde. "Selb ist ein Zentrum mit Zukunft, in dem es sich leben lässt." Diese Botschaft müsse man auch nach außen tragen. In Selb gebe es Raum für Ideen. Und in diesem Raum habe sich die Schule weiterentwickelt. Die Absolventen heute hätten gute Chancen in vielen Berufen und Bereichen, gerade auch aufgrund der engen Verzahnung der Schule mit der Wirtschaft.

Zu den Gratulanten gehörte auch der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, der vor allem das Kreativpotenzial der Schule hervorhob. Dies sei ein wichtiger Standortfaktor der Region.

Oberbürgermeister Wolfgang Kreil verwies darauf, dass in der Festschrift sehr wohl die Automobilindustrie mit Anzeigen gratuliere, aber keine einzige Porzellanfabrik. Dies verdeutliche den Wandel, dessen Bewältigung er als große Leistung bezeichnete.

Der Leitende Regierungsschuldirektor Jürgen Keil attestierte der Schule und ihrem Leiter, dass man die Wende vom drohenden Aus zur einem zukunftsweisenden Konzept geschafft habe: Weg von der Konzentration auf Porzellan hin zu einem geänderten Profil.

Peter Frischholz vom Verband der keramischen Industrie lobte ebenfalls die gute Ausbildung. Die Schule sei der Porzellanindustrie immer noch genauso wichtig wie früher, immerhin seien die Ausbildungsquoten wieder gesteigert worden. Für die IHK Bayreuth gratulierte Stefan Bauernfeind. Besonders lobenswert sei, dass die Schule auf die Wirtschaft zugehe und sich den nötigen Diskussionen stelle.

In seinem Schlusswort sagte Dr. Nitsche, man konfrontiere die Schüler mit dem Alltag. Nur so könne man sie auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten: "Visionen statt Illusionen" sei das Motto. Eine bessere Qualifikation bewahre heute vor Arbeitslosigkeit. Und daher sein Versprechen: "Wir werden das Beste aus der Fachschule machen."

Umrahmt wurde die Feier von Schülern der Musikschule Selb.

 
    
    

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