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Stundenlang beim digitalen Freund

Beratung | Für Kinder und Jugendliche spielt der PC eine große Rolle. Die Sozialpädagogin Silke Grefenberg erklärt, wann eine Computersucht vorliegt und was in einem solchen Fall zu tun ist.
Von Yvonne Müller


Selb/Wunsiedel - Der Computer dient schon lange nicht mehr als bloßes Schreibgerät. Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist er durch das Internet zu einer der wichtigsten Austauschplattformen mit Freunden geworden: chatten, der neuesten Community beitreten, spielen und immer uptodate sein. Doch für manch einen ist es noch mehr als spielen, mehr als nur dabei sein. Sie können sich von ihrem digitalen Freund nicht loslösen. Stunde um Stunde sitzen sie vor dem Computer und vergessen alles um sich herum.

Silke Grefenberg ist Sozialpädagogin bei der Diakonie in Selb. Sie hat bereits Erfahrung mit computersüchtigen Kindern. "Computersucht ist in den letzten Jahren zu einem immer größeren Problem ausgeartet", so Grefenberg.

Doch wann fängt es an, krankhaft und bedenklich zu werden, wenn Kinder und Jugendliche viel zu viel Zeit vor dem PC verbringen? Wie kann man erkennen, dass das eigene Kind ein ernstzunehmendes Problem hat?

"Eine Sucht liegt vor, wenn Kinder und Jugendliche anfangen, den Alltag zu verdrängen", erklärt Grefenberg. Das bedeute, dass Freunde, Familie, Hobbys und die Schule vernachlässigt würden. Dinge, die früher selbstverständlich waren, spielten für Betroffene plötzlich keine Rolle mehr.

Die Sozialpädagogin sagt, dass der PC bei Süchtigen eine gewisse Eigendynamik entwickelt habe. Er übernehme eine Funktion, die im Alltag nicht erfüllt werden könne. "Die Personen haben starke soziale oder familiäre Probleme. Diese versuchen sie über den PC zu kompensieren. Sie tauchen ein in die virtuelle Welt, um das zu erreichen, was sie im realen Leben nicht schaffen. Der PC ist somit zugleich Problemlöser und Ersatz für die reale Welt."

Es sei schwierig, PC-Sucht zu erkennen, weiß die Sozialpädagogin. Wie bei jeder Abhängigkeit seien die Betroffenen die Letzten, die sich eingestehen würden, dass sie ein Problem hättben.

Die Dauer der Computernutzung kann nach den Erfahrungen der Beraterin ein erstes Anzeichen geben. "Im Extremfall sitzt ein Süchtiger 20 Stunden am Tag vor dem PC. Aber auch drei Stunden können schon eine Sucht sein", so Grefenberg. Bei der Frage, ob jemand PC-süchtig ist oder nicht, ist das soziale Umfeld sehr wichtig. Letztlich müssten Freunde oder Geschwister, aber vor allem die Eltern auf die Sucht hinweisen.

 

Wichtig ist das Vorbild

 

Wenn das Problem erkannt ist, ist schnelles Handeln erforderlich. "Es ist sinnlos, den PC wegzusperren. Dadurch wird das Grundproblem nicht behoben." Die beste Lösung sei es, sich vertrauensvoll an eine psychologische Beratungsstelle zu wenden. "So kann das Problem von Grund auf entdeckt und behoben werden", sagt die Sozialpädagogin. Zudem werde den Betroffenen ein normaler Umgang mit dem Computer vermittelt. Silke Grefenberg gibt noch einen wichtigen Tipp, wie PC-Sucht verhindert werden kann: "Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien erziehen. Sie müssen im Umgang mit Computer & Co Vorbild sein."

    
    

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Die neuesten Kommentare

Rückmeldung !

von cougar m (39) am 10.03.2010 11:33
Bitte die Konsolenkids nicht vergessen.Ich nutze zB. PlayStation®Home eine virtuelle 3D Community im Prinzip wie 2nd Life nur kostenlos,als Mitglied der Official PlayStation® Community (rapidmobil) sitz ich in der ersten Reihe was das Feedback betrifft.Wir müssen immerwieder miterleben wie Teens in den Ferien von früh bis in die Nacht durch home geistern und Einladungen zu Spielen ab18 versenden.Im Gesprächen mit Erziehungsberechtigten stellten wir fest:die Eltern hatten ABSOLUT keine Ahnung was der Nachwuchs spielt.In einem Fall wurde einem 12 jährigen sogar verboten sich mit uns zu unterhalten,sein Vater fand das vituelle Abschlachten ganz normal.Das Problem muss bei den Eltern behandelt werden, hier is dringend Aufklärung nötig,Highlight der Satz eines Erziehungsberechtigten:"wenn ihr nicht mit ihm spielt, spielt er es halt mit anderen" Das mangelnde Interesse der Eltern an dem Thema gibt mir zu denken, da braucht man sich über die "Süchtigen"nicht wundern..
(0)

Und,

von Bergziege w (55) am 10.03.2010 00:25
wo ist die Beratungsstelle für computersüchtige Eltern, damit uns unsere Kinder anmelden können?
Und was ist mit den älteren Mitbürgern im Netz?
(0)

Erinnert mich an den WOW Artikel...

von fp_schubi m (33) am 10.03.2010 00:07
...aber wenigstens passt diesmal die Schlussfolgerung. Dass man naemlich durchaus mit "dem PC" (inzwischen wohl eher netbook/Handy) sinnvolle Zeit im Netz verbringen kann und dass soziale Netzwerke eine Ergaenzung zum 'realen' Freundeskreis sind.
Das zu vermitteln setzt natuerlich voraus, dass man das als Eltern versteht und bestenfalls auch vorlebt. Von jemand, der von Computern und Netzen keinen blassen Schimmer hat, laesst man sich freilich nix weismachen.

Also nur Mut! Schaut's Euch an, lasst's Euch erklaeren und werdet vielleicht auch ein klein wenig in den Bann gezogen, dann koennt Ihr Euren Job zu erziehen auch besser erledigen grinsen
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