zuletzt bearbeitet: 14.09.2009 11:07 Uhr
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Viel Arbeit, viel Freude und viele hungrige Mäuler
Festival Mediaval | Tausende von Mittelalterfans belagern drei Tage lang den Goldberg. Musik, Markt und Kleinkunst bestimmen den Festivalalltag. Da passiert auch allerhand hinter den Kulissen.
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Bruder Ignatius gibt nicht nur Ablassbriefe aus, sondern nimmt auch "mittelalterliche Trauungen" für einen Tag vor. -
Birgit Grimmer-Scopak gibt ihrem Michael das Ja-Wort. -
Sie sorgen in der Gesindeküche für Nachschub im Kochtopf (von links): Küchenhelferin Lisa Wiltschka und Küchenchef Michael Rutsch.Ronald Dietel
Selb - Wer auf dem Festival arbeitet, der braucht auch tüchttig was zu essen. Wie das zu einem Mittelalterfestival nicht anders vorauszusetzen ist, übernimmt diese Aufgabe die Gesindeküche. Chef über Kochtöpfe, Herd und Gesinde ist Michael Rutsch aus Wien. 110 Personen hat er an jedem Festivaltag zu verpflegen: Früh - Mittag - Abend und zwischendurch. Bis zu sieben Helfer gehen ihm dabei zur Hand. "Kochen ist keine Arbeit, sondern wir haben Spaß dabei", sagt er.
Angeboten wird eine Fleisch- und eine vegetarische Speise. Zu Kartoffeln, Reis, Nudeln und Couscous gibt es dann die Beispeisen. Am gestrigen Sonntag standen indischer Linseneintopf mit Reis sowie Schweineschnitzel in Senfrahmsauce, ebenfalls mit Reis, auf dem Küchenzettel. "Die Geschmäcker sind verschieden." Kein Wunder, zu verpflegen sind das Organisationsteam mit der Bühnentechnik, Tontechnik, die Festorganisatoren, Elektriker, Wasserinstallateure, die Künstler, die Sicherheitsleute "und die zahlreichen Helfer, die unentgeltlich hier arbeiten".
110 Portionen Essen täglich
17 Stunden dauert der Arbeitstag von Gesindekoch Rutsch. Er macht das auf freiwilliger Basis. Er unterstütze damit die Veranstalter.
"Es ist ein geiles Fest", stellt er fest. 90 freiwillige und zehn hauptamtliche Personen hätten eine tolle Leistung vollbracht. Jeder, der etwas zu Essen bekommt, muss sich in der Gesindeküche anmelden. Die Essensausgabe erfolgt mit Marken und speziellen Ausweisen.
Michael Rutsch ist seit 20 Jahren in der Gastronomie tätig. Er weiß, was auf Festivals zu tun ist. "Improvisation und Handgeschick sind sehr wichtig." Das Fleisch und das Gemüse fürs Essen kauft er frisch bei den Fleischern und Händlern in Selb. Die Gewürze hat er von Zuhause mitgebracht, "damit stets alles da ist, was ich benötige".
Gegessen wird aus Porzellangeschirr, das der Gesindekoch angemietet hat. Abgewaschen wird angesichts der großen Menge nicht. Diese Tätigkeit übernimmt eine Industrie-Spülmaschine, die ebenso wie der Kochherd im Küchenzelt steht. Sechs Maschinen rappelvoll mit Essgeschirr werden so täglich gereinigt.
Fleisch und Gemüse aus Selb
Die Gesindeküche ist der zentrale Anlaufpunkt für die gesamte Organisation auf dem Festival. Auch die Kinder der mit ihren Familien angereisten Organisationsmitglieder werden hier betreut. Michael Rutsch kümmert sich nicht nur um die Küche, sondern achtet auch auf andere Kleinigkeit wie Müll verräumen oder das Beseitigen von Stolperfallen für die Besucher. Den Platz, den er betrete, verlasse er sauberer als er diesen angetroffen habe, sagt er. So werden beispielsweise Ketten mit bis zu 50 Personen gebildet und die Wiesen gereinigt.
Michael Rutsch sagt: "Ich habe meine Augen überall." Deshalb trägt er auch den grünen Festivalausweis, die höchste Kategorie, die nur wenige Mitglieder des Organisationsteams umhaben. Ihm ist es wichtig, dass es mit der Hygiene hinhaut und dass Ansprechpartner jederzeit über Funk erreichbar sind.
Dagegen für die Herzen frisch verliebter Paare ist wenige Meter weiter "Bruder Ignatius" mit seinem Hochzeitszelt zuständig. Der Mann aus Leipzig präsentiert sich auf dem Festival mit der historischen Darstellung mittelalterlichen Kirchenlebens. Er bietet zwei Besonderheiten: mittelalterliche Trauungen und Ablassbriefe. Beides eine begehrte Sache beim Festival Mediaval. Jeder der 20-minütigen Trauakte endet nach dem Ja-Wort mit dem Satz: "Für die nächsten 24 Stunden seid ihr auf dem Fest ein Paar." "Bruder Ignatiuas" nennt es einen Spaß für die Leute.
Der Trauakt beginnt mit der Generalbeichte der beiden Liebenden. Dem schließt sich eine richtige Predigt an. Beim Ringe überstreifen an die rechte Hand erklärt er die Symbolik der Ringe und zum Schluss gibt es die Heiratsurkunde.
Das Ja-Wort im Fackelschein
Zu dem Dutzend glücklicher Paare, die alleine am Samstag den Bund für einen Tag vor dem Mönch schlossen, zählen Birgit Grimmer-Scopak und ihr Mann Michael aus dem Wellerthal. Beide gaben sich nach Einbruch der Dunkelheit um 21 Uhr im Schein von Fackeln das Jawort. "Das war ein ganz ergreifender Moment", schildert Birgit Grimmer-Scopak.
Genauso begehrt sind die Ablassbriefe von "Bruder Ignatius". Mit diesen kann sich jeder Besucher augenzwinkernd von jeglicher Art von Verfehlung freikaufen. "Groß ist vor allem die Nachfrage für Saufen und Völlerei sowie Untreue", schildert er. Er selbst komme aus dem Dorf "Ablass", das bei Leipzig liege.
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