zuletzt bearbeitet: 08.11.2009 17:38 Uhr
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Ärzte leiden unter Bürokratie
Wunsiedel/Selb - Zuhören hatte sich die CSU im Landkreis Wunsiedel vorgenommen, als sich Mitglieder mit niedergelassenen Ärzten in der Sozialakademie im "Haus Silberbach" zum gesundheitspolitischen Gespräch traf. Und was es zu hören gab , war für viele der Kommunalpolitiker neu und erschreckend zugleich, heißt es in einer Pressemitteilung.
Kreisvorsitzender Wolfgang Kreil hatte eingangs anhand der Zahlen aus der Stadt Selb deutlich gemacht , dass die Zahl der niedergelassenen Ärzte in den nächsten Jahren zurückgehen wird. Eigentlich müsste das doch bedeuten , so Kreil, dass die verbleibenden Ärzte dann mehr Patienten versorgen müssten und damit auch mehr verdienen könnten.
Damit aber sollte eine Ansiedlung in der Region auch für junge Ärzte wieder interessant werden. Doch so funktioniert es nicht.
Dr.Thomas Täuber erläuterte zunächst , dass Ärzte selbstständig tätig seien und eben auch wirtschaftlich rechnen müssten. Kalkulationen erwiesen sich derzeit aber als sehr schwierig, weil die Honorarabrechnung der tatsächlich erbrachten Leistungen im nachhinein erfolge - zum Beispiel für den Zeitraum von Januar bis März 2009 erst im Oktober.
Bis dahin wisse niemand, was er tatsächlich verdient habe. Die Honorar-Abrechnung bestehe dann aus 35 Seiten Computerausdruck, die man auch als Akademiker nicht verstehen oder nachvollziehen könne.
Dr. Eva Körner erläuterte , die Kassenärztliche Vereinigung lege für jeden Arzt ein "Regelvolumen", also eine "normale" Anzahl an Patienten fest. Habe ein Arzt aufgrund von Urlaubsvertretungen oder aus anderen Gründen mehr Patienten, dann werde eine Kürzung der Vergütungen vorgenommen. Mehr Patienten bedeuteten also mehr Arbeit und mehr Verantwortung, aber nicht automatisch eine höhere Vergütung. Deshalb sei auch keine Anziehungswirkung auf junge Ärzte zu erwarten , wenn es immer mehr Patienten je niedergelassenem Arzt gebe. Wegen der übergroßen Bürokratie gingen vielmehr junge Ärzte ins Ausland, dort seien die Arbeitsbedingungen besser.
Gute Noten gab es von den Ärzten für den Hausarztvertrag der AOK-Bayern. Dieser funktioniere gut, schnell und sei auch nachvollziehbar. Seit einer Gesetzesänderung , die von der CSU-Landesgruppe im Bundestag veranlasst wurde , seien eigentlich inzwischen alle Kassen verpflichtet , einen derartigen Vertrag anzubieten - sie täten es aber bis jetzt nicht.
Für Überschreitungen der Budgets würden die Ärzte von den Kassen haftbar gemacht. Die Kosten für derartige Verordnungen würden den Ärzten bei ihren Abrechnungen einfach abgezogen.
Landtagsabgeordneter Martin Schöffel dankte Dr. Täuber und Dr. Körner für die offenen und informativen Berichte. Sie machten einmal mehr deutlich, dass das System der Abrechnung von Arztleistungen so nicht bleiben könne. Es müsse einfacher und verständlicher werden. Leider gebe es Akteure im Gesundheitswesen, die dem freien Arzt durch übertriebene Bürokratie das Leben schwer machten. Ziel der Politik könne nicht der fest angestellte Arzt sein, vielmehr müssten freie Ärzte von den Patienten frei gewählt werden können und es müsse sichergestellt werden , dass die richtigen Medikamente auch verschrieben werden könnten. Gerade für kleine Gemeinden und ländliche Regionen bleibe der freie Arzt die einzige Möglichkeit zur wohnortnahen Versorgung. Die CSU habe im Koalitionsvertrag in Berlin Regelungen festschreiben können, die den freien Arzt stärkten und die Einrichtung von sogenannten medizinischen Versorgungszentren erschwerten.
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