zuletzt bearbeitet: 23.06.2009 20:50 Uhr
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Bauern fürchten um ihre Existenz
Protest | Gut 30 Milchbauern aus dem Landkreis rollen mit Traktoren und Zugmaschinen in die Fußgängerzone. Sie fordern eine Milchquote in der Hand der Landwirte und kritisieren die Preispolitik der Discounter.
Wunsiedel - Ein Traktortreffen mitten in der Fußgängerzone ? Diesen Eindruck gewannen am gestrigen Dienstagvormittag viele Fußgänger, die über den Wunsiedler Marktplatz schlenderten. Von einem gemütlichen Traktortreffen konnte freilich keine Rede sein. Gut 30 Milchbauern aus dem Landkreis stellten mit ihren Traktoren und Zugmaschinen die Fußgängerzone voll, um so auf ihre Situation aufmerksam zu machen. "Unsere Lage ist dramatisch, viele Betriebe erwirtschaften nicht einmal mehr die laufenden Kosten", schilderte der Teamleiter des Kreisverbandes der Milchviehhalter, Johannes Sommerer.
Die Bauern argumentieren, dass sie für einen Liter Milch mindestens 40 Cent erhalten müssten, um langfristig überleben zu können. Derzeit, so Sommerer, würden die Landwirte gerade mal 21,15 Cent bekommen.
Wie der stellvertretende Teamleiter der Milchbauern, Klaus Wiedemann, sagte, fordern die Landwirte eine Milchquote, die in der Hand der Erzeugerbetriebe liegen muss.
Genau entgegen diesen Forderungen agiert die EU-Kommission. Diese will mittelfristig die noch bestehenden Milchkontingente abschaffen und den Milchmarkt von Angebot und Nachfrage regeln lassen.
"Dies wird nicht funktionieren, deshalb muss die Politik jetzt eine neue Regelung finden. Schafft sie das nicht, werden in den kommenden Jahren 50 Prozent der Bauern verreckt sein", rief ein verärgerter Landwirt.
Landtagsabgeordneter Martin Schöffel hörte sich die Wutattacke geduldig an und beteuerte, dass er die Bauern verstehen könne. "Die CSU versucht natürlich das Äußerste, aber wir stoßen leider innerhalb Deutschlands und erst recht in der Europäischen Union an Grenzen. Es ist völlig klar, dass ihr mit den derzeitigen Milchpreisen auf Dauer nicht produzieren könnt." Schöffel sagte aber, dass die CSU etwa die Liquiditätshilfen für landwirtschaftliche Betriebe geschaffen und sich für die Agrardieselbeihilfe stark gemacht habe.
"Die Agrardieselbeihilfe ist für uns Milchbauern nicht so wichtig, weil wir keinen so hohen Dieselverbrauch haben wie die Ackerbauern", entgegnete Wiedemann.
Schöffel sieht in einem steigenden Milchkonsum einen der entscheidenden Hebel, mit dem der Milchmarkt in Einklang gebracht werden könne. "In Deutschland gibt es keine politische Mehrheit für die Beibehaltung der Milchquote. Daher müssen wir in Bayern mit einem Selbstversorgungsgrad von 170 Prozent alle Chancen nutzen, unsere Milch auch in weitere Länder zu exportieren."
Eine Bäuerin äußerte ihren Unmut über die "Geiz-ist-geil-Mentalität" vieler Verbraucher. "Hochwertige Lebensmittel werden nicht mehr wertgeschätzt. Dabei würde es wohl jeder verkraften, wenn er für ein Stück Butter in der Woche 1,50 Euro statt 60 Cent zahlen würde. Und 20 Cent mehr für den Liter Milch, was ist das schon?"
Die Frau und weitere Bauern befürchten, dass die Discountmärkte auf längere Sicht Milch aus industriell geführten Betrieben beziehen wollen. "Und dann werden sich die Verbraucher wundern, wenn die Discounter als Monopolisten den Liter Milch auf einmal für drei Euro verkaufen."
Diese Befürchtung hegt auch Bürgermeister Karl-Willi Beck, der versprach, dem Ministerpräsidenten Horst Seehofer bei dessen Besuch zur Festspielpremiere am Freitag von den Sorgen der heimischen Bauern zu berichten. "Ohne funktionierende Landwirtschaft wird es auch die tolle, kleinteilige Fichtelgebirgslandschaft nicht mehr geben", sagte Beck.
Die Milchbauern übergaben Landtagsabgeordnetem Martin Schöffel einen Brief mit ihren Forderungen. Den gleichen Brief wird demnächst auch ein Vertreter der SPD erhalten.
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