zuletzt bearbeitet: 19.08.2008 16:41 Uhr
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Bedrückende Schau im Rathaus
Besonderes Denkmal | Noch bis Ende August ist die Ausstellung „Opfer rechter Gewalt“ zu sehen. Kurze Texte und Bilder porträtieren die mehr als 130 Menschen, die seit 1990 von Rechtsradikalen getötet wurden.
Wunsiedel – Thomas Schulz wird in Dortmund von einem 17-Jährigen erstochen. Fred Blake erliegt den Schlägen zweier junger Männer im Grimmen, Mecklenburg-Vorpommern. Mohamud Azhar stirbt in Berlin, nachdem ihm ein Mann einen Feuerlöscher auf den Kopf geschlagen hat. Schulz, Blake und Azhar wurden Opfer von rechtsradikal motivierten Tätern. Welche schrecklichen Dimensionen die Taten der rechten Szene erreichen, verdeutlicht eine Ausstellung, die seit Samstag im Sitzungssaal des Wunsiedler Rathauses zu sehen ist: Mehr als 130 Menschen wurden von Rechtsradikalen seit 1990 ermordet. Es sind kurze Texte, die die grausigen Taten beschreiben. Dennoch lassen sie keinen der Betrachter kalt. Vor allem die Bilder berühren, zeigen sie doch das Antlitz der Opfer: Menschen, die wegen einer barbarischen Ideologie mitten aus dem Leben gerissen wurden.
Bei der Eröffnung sagte Dr. Michael Kohlstruck vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin, dass er durch die Ausstellung „Opfer rechter Gewalt“ selbst seinen Blickwinkel verändert habe. „Man kann die Gewalttaten nicht mehr wissenschaftlich distanziert betrachten, sondern sieht die Menschen dahinter.“
Genau dies ist auch der Sinn der ungewöhnlichen Schau: Sie ist den Opfern gewidmet, soll ihnen gewissermaßen ein Denkmal setzten. Dass dies gar nicht so einfach ist, berichtet Kohlstruck. „Als Rebecca Forner die Ausstellung zusammengestellt hat, musste sie feststellen, dass es von einigen der Opfer nicht einmal Bilder gibt. Sie fragte bei mehreren Nachrichtenagenturen nach, die Fotos veröffentlicht hatten, und bekam meist zur Antwort, dass die Bilder bereits weggeworfen oder gelöscht worden seien, weil sie nur kurzfristig von Interesse waren.“
Zwischen den Foto- und Texttafeln hängen Spiegel. In ihnen kann sich jeder Zuschauer selbst betrachten. Er befinde sich dadurch plötzlich in einer Reihe mit den Opfern, so Kohlstruck. Die Aufschriften „Opfer“ oder „Täter“ auf den Spiegeln verdeutlichten, wie schnell jeder einzelne in eine Gewaltspirale hineingezogen werden könne.
Mit den Dimensionen der Gewalt beschäftigt sich Dr. Kohlstruck seit vielen Jahren. Er sieht in den rechtsradikal motivierten Taten eine besonders abscheuliche Qualität: „Liegt einer üblichen kriminellen Handlungen entweder ein persönlicher Konflikt, etwa Eifersucht oder aber Bereicherungsabsicht zugrunde, so trifft dies bei den rechten Tätern nicht zu.“ Diese sprächen bestimmten Menschen aus rein rassistischen Gründen schlicht das Lebensrecht ab.
Der Antisemitismus-Forscher unterscheidet zwei Arten rechter Gewalt. „Es gibt Täter, die haben die menschenverachtende Ideologie verinnerlicht und werden deshalb straffällig. Andere sind machthungrig. Sie verachten alles in ihren Augen Andersartige und Schwache und rechtfertigen ihre Taten mit der Naziideologie.“
Bürgermeister Karl-Willi Beck sagte, dass es nicht ausreiche, erst dann zu handeln, wenn junge Leute bereits in Kameradschaften organisiert seien. „Wir müssen auf die Jugend zugehen, sie zum Mitmachen auffordern und für unser Gemeinwesen gewinnen.“ Kein Pardon dürfe es geben für Menschen, die rechtsradikales Gedankengut propagierten oder den Hitlergruß zeigten. „Das sind Verbrecher, die stellen sich außerhalb der Gesellschaft, und das müssen die auch wissen.“
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