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Bunte Luftballons für mehr Toleranz

Kundgebung | Bayerns DGB-Vorsitzender Fritz Schösser sieht soziale Verwerfungen als einen Grund für dieUnzufriedenheit vieler Menschen mit den demokratischen Parteien. 400 Bürger bei Friedensdemonstration.
Von Matthias Bäumler
  • fpwun_motorrad_180808 Auch die harten Jungs und Mädels der Motorradfreunde Marktredwitz beteiligten sich an der großen Friedensdemonstration.
     
  • fpwun_schoesser_180808 Engagiert: Fritz Schösser
    Hannes Bessermann
  • fpwun_tag1_180808 Die Bodypaintig-Mädchen der Jugendinitiative schritten dem großen Friedensdemonstrations-Zug voran.
    Hannes Bessermann
Bild von

WunsiedelEin deutliches Zeichen für Demokratie und Toleranz haben die Wunsiedler und zahlreiche Gäste am Samstag gesetzt: Etwa 400 Besucher (im vergangenen Jahr waren es etwas mehr) feierten einen eindrucksvollen vierten Tag der Demokratie. Bis gegen Abend informierten zahlreiche Initiativen und Parteien über die Gefahr des Rechtsextremismus, die Menschenrechtssituation in anderen Ländern, die Tibet-Politik oder boten Bastel- und Malaktionen für Kinder an.

Wie ernst es den Menschen in der Region mit ihrem Einsatz gegen jedwede rechtsextreme Tendenz ist, bewies die große Friedensdemonstration, die von der Maximilianstraße aus rings um die Altstadt führte. Angeführt von den Bodypainting-Mädchen der Jugendinitiative, die auf blanker Haut zeigten, was sie von Nazis halten – nämlich gar nichts – machten die etwa 350 bis 400 Demonstranten deutlich, wie sie sich Wunsiedel und ganz Deutschland wünschen: bunt und weltoffen. In dem Zug marschierten einträchtig Grüne-, CSU- und SPD-Politiker neben Aktivisten der Linken und Punks neben katholischen und evangelischen Geistlichen.

Engagiert und kämpferisch bekräftigte Festredner Fritz Schösser – er ist Vorsitzender des DGB in Bayern – den alle gesellschaftlichen Kreise umfassenden Kampf gegen Rechts. Es dürfe keine Toleranz gegen Feinde der Freiheit geben, rief er den gut 100 Zuhörern zu. Schösser verurteilte aber nicht nur die rechten Strippenzieher und Mitläufer, sondern auch all jene, die mit ihnen Geschäfte machen. Auf die Fälle der Gaststätte „Waldlust“ in Wunsiedel und des Hotels „Puchtler“ in Warmensteinach anspielend, sagte er: „Mit Nazis macht man keine Geschäfte, und Nazis dürfen auch kein Vorwand für Geschäfte sein.“ Ebenso sei es ein Skandal, dass Internet-Provider „mit dem braunen Sumpf Geld verdienen“. Die Nazis müssten spüren, dass sie nirgendwo willkommen seien, auch nicht im Internet.

Schösser sieht die Ursache dafür, dass noch immer Menschen Sympathie für rechte Ideologien hegen, auch im Gezänk der Parteien, „von dem die Bürger die Nase voll haben“. Er warnte die Parteien in Bayern davor, vor der anstehenden Landtagswahl mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit punkten zu wollen.

Der Gewerkschafter bewertet aber auch soziale Missstände als eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie. „Es darf in Deutschland nicht normal sein, dass viele Menschen für ihre Arbeit einen Stundenlohn von drei bis fünf Euro erhalten, so dass sie mit einer Vollzeitstelle noch nicht einmal ihre Familie ernähren können. Das ist sittenwidrig, das ist ungezügelter Kapitalismus.“ Eindringlich appellierte er an Unternehmer und Politiker, das Wirtschaftssystem so zu gestalten, dass es den menschlichen und gesellschaftlichen Bedürfnissen gerecht werde. Als „nicht praktikabel und rechtlich problematisch“ bezeichnet Schösser ein Verbot der NPD. Hilfreicher im Kampf gegen rechte Bauernfänger seien verstärkte Anstrengungen in der Aufklärungs- und Bildungsarbeit. „Aber noch erhält leider die NPD mehr Geld für Wahlkampfkostenerstattung, als die Jugend- und Erwachsenenbildung Geld zur Aufklärung über die rechte Gefahr zur Verfügung hat.“

Staatssekretär Jürgen W. Heike lobte die Wunsiedler für ihren Kampf gegen den Rechtsextremismus. „Ihr habt mit Euren Aktionen auch die Menschen in Gräfenberg und Warmensteinach sensibilisiert.“ Ähnlich sah dies auch Landrat Dr. Karl Döhler. „Wer etwas über Demokratie und Toleranz lernen will, muss nur nach Wunsiedel kommen.“

Bürgermeister Karl-Willi Beck rief dazu auf, nicht inne zu halten im Kampf gegen Rechts. „Demokratie muss gelebt werden, aber immer wieder auch hart erarbeitet. Wir müssen der Jugend helfen, damit sie eigene Visionen entwickeln und sich innerhalb der Gesellschaft verwirklichen kann.“

Viele weitere Fotos vom "Tag der Demokratie" in Wunsiedel sind in unserer Frankenpost-Online-Bildergalerie zu sehen: 

    
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IMG_2317.JPG
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Tag der Demokratie in Wunsiedel
Wunsiedel
16.08.2008
    


Bilder vom bunten Marsch gegen braune Pläne in Warmensteinach finden Sie in dieser Bildergalerie: 
    
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