» zur Übersicht Wunsiedel
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   
Der Ein-Euro-Job als Chance

Arbeitsmarkt | Beck: „Wir wollen, dass die Menschen wieder eingegliedert werden“

WunsiedelEin Ein-Euro-Job kann eine Chance sein. Diese Erfahrung hat der 33 Jahre alte Svatopluk Zastera gemacht. Nachdem er bereits als Ein-Euro-Jobber bei der Stadt Wunsiedel beschäftigt gewesen war, hat er nun seit März eine sozialversicherungspflichtige Anstellung als Saisonarbeiter bei der Stadtgärtnerei bekommen. Bis November kümmert sich der ehemals arbeitslose Kfz-Mechaniker nun um Landschaftspflege. Über diese Beschäftigung ist er ebenso erfreut wie zuvor über den Ein-Euro-Job: „Ich war froh, dass ich nicht zu Hause rumhocken musste.“

Bürgermeister Karl-Willi Beck hatte am Freitag Zastera zu einem Pressegespräch ins Rathaus dazugeladen, um die Situation der Ein-Euro-Jobber in Wunsiedel an seinem Beispiel darzustellen. Denn durch den Artikel „Der Ein-Euro-Job als Regelfall – Wunsiedel beschäftigt ganze Kolonnen ohne Aussicht auf Einstellung“ vom 3. April sei die Stadt „in ein völlig falsches Licht gerückt“ worden.

Der Bürgermeister stellte gestern das Engagement der Stadt zugunsten der Arbeitslosen in den Vordergrund. Die Stadt sorge mit den Ein-Euro-Jobs dafür, dass Empfänger von Hartz IV-Leistungen „wieder geistig und physisch fit gemacht werden“. Beck: „Wir wollen, dass die Menschen wieder eingegliedert werden. Es ist gut, wenn wir uns ihnen widmen“ Die Stadt beschäftige deshalb auch eigens eine Kraft, die Ein-Euro-Kräfte betreue.

Um zu zeigen, wohin ein Ein-Euro-Job führen kann, verwies der Bürgermeister auf das Beispiel eines ehemaligen Ein-Euro-Jobbers, der mit dem Zeugnis der Stadt eine Stelle auf dem freien Markt gefunden habe. Auch die Stadt wähle aus dem Potenzial ihrer Ein-Euro-Jobber seit 2006 Saisonkräfte („In Vollbeschäftigung und nach Tarif“) aus. Laut Beck sind auf diese Weise heuer vier Saisonarbeiter-Verhältnisse zustande gekommen. Für die Betroffenen bringe das den Vorteil, dass sie nach Auslaufen des Arbeitsvertrages wieder Anspruch auf „normales“ Arbeitslosengeld hätten. Die zehn Ein-Euro-Jobber, die bei der Stadt derzeit beschäftigt sind, seien für Arbeitsfelder zuständig, die ohne sie nicht bearbeitet würden („Sonst würde das Gras am Markplatz rauswachsen“). Sie seien beispielsweise in der Gruppe Grün und für das Mehrgenerationenhaus tätig.

Hermann Legath von der „Arbeitsgemeinschaft für Arbeitssuchende in der Region der Landkreise Wunsiedel und Tirschenreuth-Nord“ (Arge) sagte, dass Ein-Euro-Jobber keine bestehenden Arbeitsplätze verdrängen dürften. Bei der Stadt Wunsiedel würden sie für vielfältige zusätzliche Arbeiten und Projekte eingesetzt. Ausgeschlossen sei, dass Pflichtaufgaben der Gemeinden von Ein-Euro-Jobbern übernommen würden. Für die auf maximal ein halbes Jahr befristeten Jobs, für die im übrigen 1,50 und nicht ein Euro pro Stunden gezahlt werden, gibt es laut Legath eine wichtige Voraussetzung: Die Arbeiten müssten der Allgemeinheit zugute kommen.

Gunther Bachmann von der Arge nahm in dem gestrigen Pressegespräch Stellung zum Artikel „Nach Ferienjob ein Strafverfahren“, der in Zusammenhang mit dem Bericht über die Ein-Euro-Jobs stand. Im Falle der Harz IV-Empfängerin, der die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch 2 um über 400 Euro gekürzt wurden, weil ihr Sohn einen Ferienjob hatte, habe die Arge rechtlich alles korrekt abgearbeitet. „Wir haben als Verwaltung gesetzgeberische Normen nicht auf ihren Sinn zu prüfen.“ Von den Einnahmen der Ferienarbeit habe der Schüler über 50 Prozent behalten dürfen, die Arge habe von 860 Euro netto 415 Euro angesetzt. „Uns liegt nicht daran, einen Schüler zu bestrafen, weil er arbeiten geht“, sagte Bachmann und wies auf die generelle Intention der sogenannten Hartz IV-Leistungen hin: Gezahlt werde erst dann, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. T. S.

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Ein weiterer Fall von "Fuer's Arbeiten bestraft werden".

von fp_schubi m (33) am 07.04.2008 13:43
Solang sich daheim sitzen und Hand aufhalten mehr lohnt, als jobben zu gehen, ist in Deutschland Hopfen und Malz verloren. Und nachdem jetzt schon Kinder fuer ihre Eltern unter die H-IV Raeder kommen, ist's eh schon zu spaet.
(0)

Ist das nicht herrlich ? :-)

von unbekannt am 05.04.2008 09:48
Da stellt sich jemand hin und meint: Ja gerecht scheint es nicht zu sein, aber die Obrigkeit hat es ja so beschlossen. Das sind Leute mit Charakter und zeigen den typischen Beamten der heutigen Zeit. Werden von unseren Steuermitteln durchgefüttert bekommen fast Brutto für Netto raus,Riesenpensionen obendrauf ohne in die Rentenkasse einzubezahlen und plappern brav alles nach was vorgegeben wird. Solche Helden braucht das Land !!
(0)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf frankenpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Wunsiedel

Bestechung? – Vergünstigungen in der Kritik

Bundespräsident Wulff steht in der Kritik, weil er Vergünstigungen angenommen hat. Die Bürgermeister der Region bekommen nur Kleinigkeiten als Geschenke und betonen, wie wichtig ihnen der korrekte Umgang mit Präsenten ist. »mehr
    
    

 
Gläubige erleben tiefe Spiritualität...

Ein byzantinischer Gottesdienst spricht bei den Besuchern alle Sinne an. Die eindringlichen und voluminösen Gesänge erze... »mehr
    
 
    

 
Autos krachen wegen Glätte in Leitplanken...

Sichersreuth - Dass die Bundesstraße 303 bei Sichersreuth unfallträchtig ist, hat sich am Dienstag wieder einmal bewiese... »mehr
    
 
    

 
Netzwerk für Kinder-Förderung...

"Anschwung für frühe Chancen" heißt ein bundesweites Programm zur Entwicklung von Kindern. 40 Fachleute aus dem Landkrei... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Prospekte aus der Region

Reichel Holzspezi
    
    

Magazine

Wir in Wunsiedel Februar 2012
Nördliches Fichtelgebirge Ausgabe 4
Thüringen im Blick
Schlaglichter 2011
Gesundheitsführer Kulmbach
Gesundheitsführer Naila
Hochzeitsmagazin November 2011
Frankenreiter November
Börsenforum Oktober 2011
Leserreisen Oktober 2011
Berufsmagazin
Besser Bauen schöner Wohnen
5. Sechsämterland Holztage
Gesundheitsführer Hof 2011
Gesundheitsführer Münchberg
Gesundheitsführer Selb
Erfolgreiche Familienunternehmen
Bikers Guide
Gesundheitsführer Rehau
Gesundheitsführer Wunsiedel
    
Anzeige
Marktplatz und Bayreuther Woche
Logo Frankenwäldler
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    

Mit roten Händen gegen Kindersoldaten

Mit knallroter Farbe die Hände anmalen: Das machten am Mittwoch eine Menge Politiker in Berlin. Die Politiker waren Abgeordnete des deutschen Parlaments - des Bundestages. »mehr
    
    

Die Sache mit den Beiträgen

Frage des Tages
Ein Leser fragt: "Warum muss ich für meine verstorbene Frau Krankenversicherungsbeiträge zahlen?" "Diese Frage stellen Bezieher einer Hinterbliebenenrente häufig", erklärt Rudolf Degelmann von der AOK Bezirksdirektion Hof auf Anfrage unserer Zeitung. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Die neuen Party-Pix vom Wochenende 

Fasching in Schönwald, HipHop-Party im Hofer H.1, 80er-Fete im Rockwerk - hier geht es zu den aktuellen Bildern vom Feier-Wochenende. »mehr
    
    

Börseninformationen