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Eine Religion unter Verdacht

Nach den Anschlägen in New York ändert sich für viele Muslime der Alltag. Ein Ehepaar aus Wunsiedel erhält sogar ungebetenen Besuch der Kripo.

Von Matthias Bäumler
  • Der Koran ist für Familie F. aus Wunsiedel die Richtschnur im Leben. Mit Terrorismus habe die Religion nichts am Hut. Foto: Archiv
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Wunsiedel - An die hehre Absichten der Kripobeamten aus Hof glaubt Wolfgang F. aus einem kleinen Ort bei Wunsiedel noch immer nicht. Es ist einige Tage nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001, als die beiden Zivilbeamten an der Wohnungstür des Ehepaares F. klingeln. Es ist nur Zerina, Wolfgangs Frau daheim. Die Beamten hätten sich erkundigt, ob die Familie von Nachbarn belästigt werde, weil sie doch eine muslimische Familie sind, erzählt Zerina. "Danach haben sie gefragt, wo sich mein Vater aufhält, und wann er wieder in Deutschland ist." Die junge Frau stammt aus dem Libanon, und ihr Vater war zu jener Zeit, als die Türme in New York fielen, im Urlaub in seinem Heimatland. Für Wolfgang F. ist klar, "dass die Polizisten nicht um uns oder Zerinas Vater besorgt waren. Die haben kontrolliert, ob wir Schläfer sind." Damals ärgerte sich der 1998 zum Islam konvertierte Handwerker über den Polizeibesuch. "Wir Muslime sind nach den Anschlägen in den USA alle unter Generalverdacht geraten. Da hatte es die Polizei sogar nötig, sich unter einem Vorwand Zutritt zu unserer Wohnung zu verschaffen."

Noch immer ist nach Meinung des Ehepaars für Muslime die Atmosphäre in der westlichen Welt vergiftet. "Vor allem in der Zeit um den 11. September wird wieder das Bild des bösen Muslimen gezeichnet. Leider wird in den Berichten meist nicht differenziert. Das ist in etwa so, als wenn in der arabischen Welt die Österreicher pauschal als Menschen dargestellt würden, die ihre Kinder einsperren."

Die mittlerweile vierköpfige Familie fühlt sich dennoch in Deutschland wohl. Während Wolfgang als Handwerker arbeitet, erfüllt sich seine Frau nach der Kinderpause den Traum vom Studium. Die Familie pflegt Freundschaften zu Deutschen und Ausländern, Muslimen und Christen gleichermaßen.

Kopftuch aus Überzeugung

"Es soll doch jeder glauben können, was er will. Und wenn mein Nachbar jeden Tag stundenlang seinen Kirschbaum anbeten würde, wäre mir das auch egal", sagt Wolfgang F. Ihm missfällt, dass sich Deutschland so tolerant gebe und dies sogar im Grundgesetz festschreibe, im Alltag aber häufig davon nichts zu merken sei. Zerina: "Ich trage eben mein Kopftuch, weil es zu meiner Religion gehört. Aber ich habe es statt, mich dauernd dafür rechtfertigen zu müssen." Beide, Wolfgang und Zerina, machen die Medien für die Hysterie um den Islam verantwortlich. "Man braucht sich nur amerikanische Filme anzusehen. Wenn darin ein Muslim vorkommt, wird der als verschlagen dargestellt. Wenn die Leute unsere Religion nur von derart einseitigen Medien kennen, ist es kein Wunder, dass sie uns misstrauen."

So wie kürzlich in einem kleinen Dorf in der Region, als - laut Zerina F. - eine befreundete deutsch-marokkanische Familie als Pferdediebe beschimpft wurden, nur weil sie an einer Koppel standen und die Tiere betrachteten. "Oder vor wenigen Tagen in Tirschenreuth. Zusammen mit einer ebenfalls kopftuchtragenden Freundin bin ich durch die Stadt spaziert. Da bleibt eine alte Frau stehen, und starrt uns kopfschüttelnd an. Oder während einer Vorlesung an der Hofer Hochschule, als ein Dozent sagt, die Muslime kämen eh nur nach Deutschland, um das Land zu unterwandern. Oder als ich mit meinen beiden Kindern Verwandte im Libanon besucht habe. Einige Leute im Dorf haben danach meine Schwiegermutter gewarnt, ich würde die Kinder nach Arabien entführen." Noch mehrere derartige Beispiele nennt das Ehepaar, bei denen sie sich und ihre Religion diskriminiert sehen.

Auch das Ehepaar empfindet die Terroranschläge als abscheuliche Taten von Verrückten. "Dass es sich bei den Terroristen um gläubige Muslime gehandelt hat, halten wir aber für ausgeschlossen. Der Koran verbietet ausdrücklich die Selbsttötung." Der 11. September 2001 ist für Zerina F. ein schwarzer Tag für den Islam in der westlichen Welt. "Der Anschlag hat vieles für uns zum Negativen verändert." Umso mehr freut sie sich, dass es auf der anderen Seite Initiativen wie den interkulturellen Frauenkreis in Marktredwitz gebe. "Hier spielt der Glaube des einzelnen Mitglieds keine Rolle, hier ist jeder nur Mensch, das ist gut so."

    
    

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Die neuesten Kommentare

Damit muss man rechnen...

von gibsonsg2@freenet.de x am 10.09.2011 10:12
Es ist doch klar und in der Natur des Menschen, Völker mit anderen Kulturen und Gebräuchen, vor allem wenn solche Terrorangriffe aus deren Mitte ausgeübt werden, unter Generalverdacht zu stellen. Speziell, wenn sich diese Glaubensgruppe nicht in unser alltägliches Leben integriert, weiß niemand mit Ihnen umzugehen. Wir Deutsche werden ja selbst über 60 Jahre nach Kriegsende noch immer von unseren europäischen Nachbarn mit Argusaugen misstrauisch beobachtet und immer wieder diesbezüglich ermahnt. Es wird unseren muslimischen Freunden also nichts anderes übrig bleiben, als mit diesem Misstrauen zu leben. Ich würde diesen Leuten ganz einfach empfehlen, sich der deutschen Kultur zu öffnen und aktiv gegen Terroristen in den eigenen Reihen vorzugehen.
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