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INTERVIEW

„Gerne Beamter, aber nicht wegen Beamtentums“

Wunsiedel – Bei einer Umfrage, mit der der Deutsche Beamtenbund das Forsa-Institut beauftragt hatte, bekamen die Staatsdiener vernichtende Urteile: Faul seien sie, unflexibel, stur und träge, meint jeder vierte Deutsche. Mit Landrat Dr. Peter Seißer, einem Mann, der seit 40 Jahren im Staatsdienst steht, sprachen wir darüber.

Faul und unflexibel – warum haben Beamte einen so schlechten Ruf?

Beamte müssen sich gesetzestreu verhalten. Und das wird dann als unflexibel ausgelegt. Wer aber jedem Recht gibt, der widerspricht sich. Die Faulheit wird den Beamten unterstellt wegen der Sicherheit, die ihnen der öffentliche Dienst bietet.

Haben Beamte zu viele Privilegien, die ihnen nicht verbeamtete Arbeitnehmer nicht gönnen?

Besonders beneidet werden Beamte immer wegen der Unkündbarkeit, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Beamte können sich viel erlauben, bis sie aus dem Dienst entfernt werden. Da kann einem in der Wirtschaft viel schneller gekündigt werden.

Ist es denn überhaupt noch zeitgemäß, dass der Staat am Beamtentum festhält?

Der Staat braucht bei bestimmten Berufsgruppen ein besonderes Treueverhältnis – zum Beispiel, damit ein Polizist nicht streiken darf. Aber das Treueverhältnis kann man auch ohne Berufsbeamtentum festschreiben. Der Staat tut sich aber mit einem Systemwechsel schwer, schon allein wegen der Altersversorgung. Er hat anders als die Kommunen keine Rücklagen für die Pensionen.

Es ist viel von Privilegien die Rede, wo sind die Schattenseiten des Beamtentums?

Ein Opfer, das die Beamten bringen, ist, dass sie nach Eingruppierung und nicht nach ihrer Tätigkeit bezahlt werden. Es kann sein, dass auf einer Stelle im gehobenen Dienst, die ein Oberamtsrat hatte, ein Inspektor nachfolgt – und der bekommt weniger Geld. Das kann dazu führen, dass ein verbeamteter Abteilungsleiter weniger verdient als seine Mitarbeiter. Das versteht man vor allem in der Wirtschaft nicht.

Auch wenn Beamte immer wieder in der Kritik stehen: Sind Sie gerne Beamter?

Ja, ich bin gerne Beamter – aber nicht wegen des Beamtentums, sondern wegen der Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Die innere Verwaltung macht mir Freude, da kann ich etwas gestalten. Mit dieser Arbeit bin ich für etwas verantwortlich und muss nicht wie ein Richter im Nachhinein sagen, „so wäre es richtig gewesen“. Interview: T. S.

    
    

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