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Neonazis wollen wieder einmal nach Wunsiedel

Trauermarsch | Die NPD hat eine Gedenkveranstaltung für ihren Vize-Chef Jürgen Rieger angemeldet. Eine Gegenveranstaltung ist bereits geplant.
Von Christl Schemm
  • fparz_bunt_051109 Seit Jahren setzen die Wunsiedler der rechten Szene ihr Motto "Wunsiedel ist bunt, nicht braun" entgegen. Unser Bild entstand beim diesjährigen "Tag der Demokratie".
     
  • Karl Rost Karl Rost
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Wunsiedel - Die NPD versucht erneut, in Wunsiedel eine große Demonstration zu veranstalten. Dieses Mal muss der Tod des NPD-Vizevorsitzenden und Anwalts Jürgen Rieger herhalten, um zu einem Marsch durch die Stadt aufzurufen, in der sich das Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß befindet. Wie Landrat Dr. Karl Döhler bestätigt, hat NPD-Bundesgeschäftsführer Klaus Beier vergangene Woche für den Nachmittag des 14. Novembers einen Gedenkmarsch für Rieger beim Landratsamt angemeldet.

Doch kaum schicken sich die Neonazis an, in Wunsiedel wieder zu marschieren, formiert sich prompt der Widerstand gegen den braunen Spuk. Karl Rost, Sprecher der Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt, nicht braun", kündigt ebenfalls für Samstag, 14. November, um 14 Uhr als Gegenveranstaltung eine Kundgebung auf dem Wunsiedler Marktplatz an. Diese ist bereits beim Landratsamt angemeldet.

Im Gespräch mit unserer Zeitung rät Rost, die geplante NPD-Demonstration nicht zu hoch zu bewerten, warnt aber gleichzeitig davor, die Pläne der Neonazis zu unterschätzen. Verfassungsschützer befürchten, dass Wunsiedel einer der größten Aufmärsche der rechten Szene in diesem Jahr bevorstehen könnte. Auch Karl Rost hält es für möglich, dass wieder Zustände wie vor 2005 eintreten könnten. Ende der 80er-Jahre und von 2001 bis 2004 waren zum Todestag von Rudolf Heß Tausende Neonazis durch Wunsiedel gezogen. Ab 2005 konnte der Heß-Marsch verboten werden, da die Glorifizierung von NS-Größen in den Strafrechtsparagrafen der Volksverhetzung aufgenommen worden war.

"2004 waren über 4000 Rechte aus ganz Europa in Wunsiedel", sagt Rost. Wenn es keine Möglichkeit gebe, den Marsch am 14. November zu verbieten, müsse die Kreisstadt möglicherweise wieder mit so einem Ansturm rechnen. Alleine die NPD plane, mit 800 Leuten anzureisen. Zudem sei zu erwarten, dass das von Neonazis geplante "Heldengedenken" am Soldatenfriedhof im brandenburgischen Halbe, das auch für den 14. November geplant war, nach Wunsiedel "umgelenkt" werde.

Die Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt, nicht braun" will dem Tag sein eigenes Gepräge geben. "Wir wollen auf den Todesmarsch vom KZ Buchenwald nach Flossenbürg, der durch Wunsiedel führte, aufmerksam machen", sagt Rost. "Damals wurden im Zeitelmoos 30 Menschen, die auf dem Marsch umgekommen sind, verscharrt." An sie erinnert auf dem Wunsiedler Friedhof ein Gedenkstein.

Der Tod der KZ-Häftlinge soll in den Mittelpunkt der Veranstaltung gestellt werden - als sichtbare Konsequenz des NS-Rassenwahns, dem Neonazis wie der verstorbene Jürgen Rieger immer noch nachhängen würden, so Rost. "Wir wollen dem bei der Kundgebung unsere Prinzipien entgegenstellen: Demokratie, Menschenwürde und Toleranz."

Mit dem Bescheid des Landratsamts, ob der Aufmarsch der Rechten in Wunsiedel genehmigt wird oder nicht, ist laut Döhler am kommenden Montag zu rechnen. Am morgigen Freitag finde ein sogenanntes Kooperationsgespräch statt, bei dem die Veranstalter im Landratsamt persönlich vorsprechen müssten. Dabei würden die Einzelheiten für die Großdemonstration geklärt. "Ein Verbot ist um einiges schwieriger", sagt Döhler, "da es sich um einen Gedenkmarsch für Rieger und nicht für Heß handelt."

 
    
    

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»Alle 6 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

Wenn sie

von chodaboy m (48) am 07.11.2009 11:05
es tatsächlich schaffen, in Wunsiedel aufzumarschieren, sollte auf jeden Fall gegendemonstriert werden - am besten nicht nur von den Erlebnispunks. Sonst kommen die schnell auf die Idee, dass die Stadt sie akzeptiert hätte.

Was nettes haben sich die Fans von St. Pauli einfallen lassen: im Zusammenhang mit rechtsradikalen Übergriffen seitens Rostocker Fans entrollten sie Transparente, etwa mit der Aufschrift: "Follow your Leader, do it like Rieger".
(0)

Frechheit

von kahless00700 m (26) am 06.11.2009 07:29
Ich kann mir schon denken wie das wieder laufen wird: Wusiedel verbietet den Aufmarsch, aber irgend ein Gericht was nichts mit der Sache zu tun hat und keine Ahnung von der tatsächlichen Lage hat, wird es wieder genehmigen.
Das ist dann also unser toller Rechtsstaat, haben wir ja in Wunsiedel schon mehrmels erlebt.

Diesen Aufmärschen muss endlich einhalt geboten werden. Wenn unsere Gerichte nicht dazu fähig oder willig sind, dann eben durch die Stadt und die Bürger von WUN. Aber da gibts ja dann noch die Polizei, die lieber Gegendemonstranten als Nazis verhaftet - gabs ja auch alles scho in WUN
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Nicht unterschätzen!

von honkytonky am 05.11.2009 19:26
Na klar - zusehen und dem rechten Mob die Stadt übergeben...
Wichtig ist, die gar nicht erst bis an die Stadtgrenze gelangen zu lassen.
(0)

Schock

von unbekannt am 05.11.2009 15:38
dachte erst der ehemalige Masseur des HSV wäre gestorben grinsen
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Rieger

von grufti am 05.11.2009 11:41
Warum halten diese Braunen die Gedenkfeier für ihren "Führer" nicht an
seinen Geburtsort ? Hoffentlich erlaubt
ein Gericht nicht wieder diesen Aufmarsch !!!! Wie damals.
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