zuletzt bearbeitet: 11.03.2010 21:54 Uhr
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"Nur wenige sind nicht für eine Lehre geeignet"
Leistung | Der Berufsberater Stefan Neumann stellt der Jugend ein gutes Zeugnis aus.
Die Hälfte aller Schulabgänger gilt als nicht ausbildungsreif. Ist die heutige Jugend tatsächlich nicht mehr leistungsfähig ?
Nein, das Problem sind weniger die Jugendlichen als der Lehrstellenmarkt. Wenn wenige Ausbildungsplätze angeboten werden, bleiben leider viele Jugendliche übrig, die keinen erhalten. Die können wir natürlich nicht auf der Straße sitzen lassen. Deshalb macht die Agentur für Arbeit allen Jugendlichen ohne Lehrstelle Angebote.
Bedeutet dies, dass die meisten beschäftigungslosen Jungen und Mädchen für eine Lehre tauglich wären ?
Die meisten gewiss. Ich schätze die Zahl der wirklich leistungsschwachen Schulabgänger auf etwa fünf Prozent. Doch auch diese können reif für eine Ausbildung werden, wenn sie ein, zwei Jahre intensiv gefördert weren.
Manchmal scheint alles Fördern nichts zu nutzen - einige Jugendliche fallen durch alle Raster.
Diese Jugendlichen gibt es auch bei uns im Landkreis. Derzeit erreichen wir in der Tat etwa 50 junge Leute gar nicht. An die kommen wir einfach nicht ran.
Was sind das für Menschen ?
Die schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch oder werden von Eltern oder Bekannten über Wasser gehalten. Für diese Jugendlichen reichen unsere Regelangebote schlicht nicht aus.
Die Regelangebote stehen häufig als uneffektiv in der Kritik.
Es gibt eine ganze Palette von Angeboten: Zu Beginn des Schuljahres besuchten 135 Jugendliche berufsvorbereitende Maßnahmen, vier absolvierten Reha-Angebote und 67 sogenannte Einstiegsqualifikationen. Dabei arbeiten die Jugendlichen ein Jahr in einem Betrieb und besuchen die Berufsschule. Schüler, die nicht gerade Traumnoten haben, können dabei beweisen, dass sie etwas leisten können. Tatsächlich erhält der Großteil dadurch einen Lehrvertrag.
Dennoch gibt es immer wieder Klagen von Arbeitgebern über die vielen Leistungsschwächen heutiger Jugendlicher.
Grundsätzlich: Über die "heutige Jugend" wurde immer geklagt. Da gibt es Aufzeichnungen aus der Zeit der Keilschrift. Fakt ist aber, dass von den Haupt- und Realschülern etwa ein Drittel aller Entlassschüler einen höheren Bildungsabschluss anstrebt. Das sind in der Regel die Spitzenschüler. Die überwiegende Zahl der Bewerber rekrutiert sich aus den Schülern, die in den Hauptfächern im Schnitt eine Drei haben.
Nicht nur an den Noten soll es bei vielen Bewerbern hapern, sondern auch an den Manieren.
Für viele Jugendliche ist es einfach ein schwerer Schritt von der Schule in die Geschäftswelt. Unter Schülern ist es wichtig, cool zu sein, da wird eine jugendliche Sprache gesprochen. Im Arbeitsleben muss man sich dann ernst präsentieren. Bis die jungen Leute das können, dauert es eben ein wenig.
Das klingt so, als wäre es um die Jugend gar nicht so schlecht bestellt, wie behauptet wird.
So ist es. Die heutige Jugend ist gut. Und einige Ausnahmen, die gibt es in allen Altersgruppen.
Die Fragen stellte Matthias Bäumler
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