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Vom Leben im Käfig der Diktatur

Emotionen | Mit bewegenden Worten erinnern Monika Hohlmeier und Heidrun Hiemer an Erlebnisse in und mit der DDR.
Von Matthias Bäumler
  • Projekt Geteilte Stadt Heidrun Hiemer mit Bürgermeister Karl-Willi Beck
    Hannes Bessermann
  • Projekt Geteilte Stadt Die "NVA-Grenzsoldaten" hatten dem Drang nach Freiheit der "Demonstranten" nichts entgegenzusetzen
    Hannes Bessermann
  • Projekt Geteilte Stadt Fast drei Stunden harrten die Besucher in Kälte und Nieselregen aus. Auf dem Bild sind unter anderem Altbürgermeister Karl Walther (links) mit seiner Frau, dritte Bürgermeisterin Margit Widenmayer, Bürgermeister Karl-Willi Beck, stellvertretender Landrat Gerald Schade (mittlere Reihe) und Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (ganz rechts) zu sehen.
    Hannes Bessermann
Bild von

Wunsiedel - "Ich habe 37 Jahre in einem Käfig gelebt. Aber ich habe mein Leben gelebt, ich hatte ja nur das eine." Es sind bewegende Worte, mit denen die Oberbürgermeister der Wunsiedler Partnerstadt Schwarzenberg in Sachsen, Heidrun Hiemer, über ihre Erinnerungen an die DDR berichtet. Die Ansprache der CDU-Politikerin war einer der emotionalen Momente am Montagabend beim Projekt Mauerfall in der Wunsiedler Innenstadt. Das gut dreistündige Programm ließ die jüngste Geschichte Deutschlands noch einmal lebendig werden.

Sie sei 37 Jahre alt gewesen, als die Mauer fiel und mit ihr die DDR, sagte Heidrun Hiemer, mit der zwei Schulklassen und etliche weitere Bürger aus dem Erzgebirge nach Wunsiedel gekommen waren. Rückblickend sagte die Oberbürgermeisterin, dass sie sich - wie die meisten Menschen - in der Enge der Diktatur eingerichtet gehabt hätte. "Ich war bei der FDJ und bei den Pionieren. Die Mangelwirtschaft war Alltag und die Mauer weit weg. Dennoch war mir immer auch traurig bewusst, dass ich niemals in den Westen werde reisen können. Und mein Traum, einmal einen Flamencotanz in Spanien zu sehen, würde immer ein Traum bleiben." Im Rückblick sehe sie den Untergang der DDR als eine logische Konsequenz. "Unser Staat war geistig und moralisch am Ende. Unsere Städte verfielen und die Umwelt wurde immer kaputter."

Heidrun Hiemer betrachtet die vergangenen 20 Jahre als eine gute Zeit. Viele besonnene Menschen an den Runden Tischen hätten nach der Wende verhindert, dass Chaos ausgebrochen sei. "Und mittlerweile gibt es ja tatsächlich viele blühende Landschaften im Osten." Sie dankte den Wunsiedlern vor allem für ihre Unterstützung in den Herbsttagen 1989. "Ihr habt uns geholfen, eine demokratische Kommunalverwaltung aufzubauen und seid Freunde geworden." Das Projekt "Mauerfall" bezeichnete sie als richtige Aktion gegen eine rosarote Ostalgie.

Dies war auch die Meinung der Europaabgeordneten Monika Hohlmeier. "Das ist genau die richtige Veranstaltung, um der allgegenwärtigen Geschichtsklitterung und der Ostalgiewelle entgegenzuwirken." Die CSU-Politikerin berichtete von einem Besuch in der DDR, als sie ihren Vater, Franz Josef Strauß, begleitete. "Als wir die Leipziger Messe betreten wollten, sahen wir, dass ein paar Meter neben uns Stasileute DDR-Bürger gnadenlos zusammenprügelten. Mein Bruder forderte die Schergen auf aufzuhören. Danach hieß es später im Westen, er hätte gegen die diplomatischen Regeln verstoßen." Sie, Hohlmeier, wolle nicht verschweigen, dass auch heute noch vieles nicht richtig laufe, "aber wir leben in Einigkeit, Recht und Freiheit".

Einen höchst informativen Einblick in die Geschichte der DDR gaben die Laienschauspieler der Interessengemeinschaft Laienspiel und der Kleinen Bühne. Unter Regie von Lothar Wollin und Wolfgang Thurn zeigten sie mehrere Ereignisse, die im kollektiven Gedächtnis verankert sind. Marion Stäudel und Lothar Wollin kommentierten die Spielszenen auf einer der beiden Bühnen. Unter anderem zeigten die Schauspieler ein fiktives Gespräch zwischen dem NVA-Grenzsoldaten Conrad Schuhmann und dessen Mutter. Das Foto von Schuhmanns Sprung über den Stacheldraht in die Freiheit ist noch heute ein Dokument der Weltgeschichte. Auch Szenen eines Rentnerstammtisches, dessen Mitglieder einen Tunnel von Ost- nach Westberlin gruben, zeigten die Schauspieler.

Schließlich mündeten die dokumentarischen Stücke, die mit Videoeinblendungen untermalt wurden, in eine große "Demonstration" von der Stadtkirche Sankt Veit zur "Mauer" an der Ecke Fußgängerzone/Maximilianstraße. Den Zug der Demonstranten führen Bürgermeister Karl-Willi Beck, stellvertretender Landrat Gerald Schade und Monika Hohlmeier an. Auch etliche Stadträte und Ehrenbürger Heinrich Benno Schäffler marschieren mit und skandieren zu den Klängen von "Wind of Change" "Wir sind das Volk". An der "Mauer" angekommen, gibt es kein Halten mehr. Die "NVA-Grenzsoldaten" können und wollen sich dem Freiheitsdrang des Volkes nicht entgegenstemmen - ganz so wie damals am 9. November 1989.

    
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