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Wenn die Erde im Minutentakt zu beben beginnt

VHS-Vortrag | Dr. Andreas Peterek erklärt die Ursachen der derzeitigen Schwarmbeben im Fichtelgebirge.
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WeißenstadtWie entstehen die Schwarmbeben im Egerer Graben ? Dies wollten viele Besucher wissen, die zu einem VHS-Vortrag von Dr. Andreas Peterek (Foto), dem Leiter des Bayerisch-Böhmischen-Geoparks, ins Gollerhaus gekommen waren.

Dass die Erde in der Region hin und wieder bebe, liege daran, dass sich im Fichtelgebirge geologisch „noch etwas tut“, so Peterek. „Die Berge wachsen immer noch.“ Das Fichtelgebirge liege zwischen der Bruchzone der fränkischen Linie und der Marienbader Störung, dies sei eine aktive geologische Struktur, die den Egerer Rift durchkreuze. Der Rift sei eine gerissene Krustenaufwölbung, die sich von Nordosten nach Südwesten zwischen Erzgebirge und Kaiserwald bis ins Innere des Fichtelgebirges erstrecke. Dies, so Peterek, sei auch der Grund für die Europäische Hauptwasserscheide. Das innere des Fichtelgebirgshufeisens bezeichnete der Wissenschaftler als eine eingebrochene Scholle dieser Aufwölbung, in der der Kösseinestock und der Steinwald stehen blieben.

Weniger der Eger Graben, mehr die Karlsbader Störung sei der Grund für die Schwarmbeben – „das sind Mikro-Erdbeben, die immer wieder in dieser Gegend auftreten“. Normalerweise seien die Beben so schwach, dass der Laie davon nichts merke. Inzwischen seien über 10 000 Beben durch die Messgeräte registriert worden, spürbar seien etwa 20 gewesen. „Ein Erdbeben entsteht durch Verschiebungen der Erdkruste, die sich irgendwann nicht mehr biegen lässt und bricht. Im Egerer Becken sinkt der Erdboden ab. Besonders stark an der Marienbader Störung.“

Ein typisches Erdbeben, so Dr. Peterek, beginne mit einem starken Hauptbeben und klinge mit einigen Nachbeben ab. „Die Schwarmbeben – der Begriff entstand um 1900 in der Region Eger – verhalten sich ganz anders. Hier kann auf ein schwaches ein starkes Beben folgen und zwar im Minutentakt.“ Von November 1985 bis Februar 1986 seien mehr als 200 solcher Beben registriert worden. Trotz der geringen Intensität mit einer Stärke von 4,6 auf der Richterskala wurden sie von den Menschen wahrgenommen. „Die Gläser klirrten in den Schränken und es kam zur feinen Haarrissen oder Mauerwerksverschiebungen in den Wänden. Die Beben konnten noch in München und Wien wahrgenommen werden.“ Peterek erklärte, dass ein Beben der Stärke 6,5, bei dem Personenschäden zu erwarten seien, 100 Mal stärker sei und 1000 Mal mehr Energie freisetze als die Beben, die ihren Herd unter der Ortschaft Novi Kostel (Neukirchen) haben.

Die stärkeren Schwarmbeben treten laut Peterek in Zeitintervallen von etwa drei Jahren auf. Die starken Beben, die von der Bevölkerung wahrgenommen werden, haben eine Wiederholungsrate von etwa 74 Jahren. „Das könnte durch den Schub der Alpen ausgelöst werden. Die aktuellen Beben, die in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern entstehen, wären allerdings erst um das Jahr 2050 zu erwarten gewesen.“

Nach neueren Erkenntnissen befinde sich unter dem Egerer Becken eine gigantische Magmablase, aus der das in den dortigen Schlammvulkanen (Mofetten) Kohlendioxid und andere Gase entströmten.

Stärkere Schwarmbeben wie im Jahr 1985 werden auch in Zukunft immer wieder auftreten, mit starken Erdbeben oder gar Vulkanausbrüchen ist jedoch nicht zu rechnen, beruhigte Dr. Peterek die Zuhörer.

Weiter erklärte der Wissenschaftler, dass die Geologie des Fichtelgebirges äußerst interessant sei. „85 Prozent aller weltweit vorkommenden Gesteinsarten sind im Fichtelgebirge zu finden. Hier sind 600 Millionen Jahre Erdgeschichte lückenlos dokumentiert.“ W. L.

    
    

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