zuletzt bearbeitet: 01.09.2010 00:25 Uhr
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Zirkus "Othello" in großen Nöten
Die Familie Brombach möchte die Tradition aufrechterhalten, kann sich aber nicht mal mehr den Sprit für die Weiterfahrt leisten. So ist in Marktleuthen vorerst Endstation.
Marktleuthen - Elf Jahre, nachdem er sich von dem bekannten Zirkus "Brombach" getrennt hat, ist der Zirkus "Othello" in höchsten Nöten und in Marktleuthen gestrandet. Eine so schlechte Saison haben die Zirkusleute des kleinen Zirkus aus Ingolstadt noch nicht erlebt. Und er hat schon einiges erlebt. Nach Gastspielen in Nordostbayern, in Mitterteich, Arzberg, Konnersreuth und Röslau, um nur einige Orte der letzten Monate zu nennen, steckt er jetzt auf dem Festplatz in Marktleuthen fest. Die Zirkusfamilie weiß nicht mehr weiter. Vier Erwachsene, acht Kinder und 15 Tiere versuchen nun schon seit Wochen, zu überleben und hoffen auf ein Wunder.
"So schlecht war es noch nie", klagen Sascha und Miranda Brombach, die ein Leben lang im Zirkusgeschäft arbeiten und sich auch gar nichts anderes vorstellen können. Die Eltern der Frau stammen aus Holenbrunn im Landkreis Wunsiedel, die des Mannes aus Naila. Seit 1846 aber sind die Vorfahren der Familie mit dem Zirkus unterwegs. Auch wenn die Einnahmen immer mehr wegbrachen, die beiden können sich ein Leben ohne Zirkus nicht vorstellen. Im Jahr 1999 hatte sich der kleine Zirkus vom Traditionszirkus Brombach losgelöst und zieht seither durchs Land.
Draufbezahlt
Von dieser Saison haben sich die Zirkusleute einiges versprochen. "Aber es kam immer schlechter", klagt Sascha Brombach. "Die Leute haben kein Geld mehr. Dann war es erst zu heiß, und jetzt regnet es nur noch. Teilweise haben wir vor sechs bis acht Zuschauern gespielt, um wenigstens etwas Geld für das Tierfutter hereinzubekommen. Letzten Endes aber haben wir nur noch draufbezahlt."
Vor etwa sieben Wochen kam der kleine Zirkus nach Marktleuthen. Und da es auch hier und bei Vorstellungen in Nachbarorten nicht besser wurde, ist in Marktleuthen erst einmal Endstation. An der Qualität der Vorstellungen liege es sicher nicht, ist der Zirkusdirektor überzeugt: "Wir sind hervorragende Artisten und bieten von der Luftakrobatik über Tiernummern, Rollen und Kunststücke auf dem Drahtseil sehr viel für das Geld." Aber was nütze es, wenn niemand komme. Inzwischen sei alles Ersparte weggeschmolzen, die Tiere hätten kaum noch Futter, von Kraftfutter ganz zu schweigen. Denn das Wetter habe auch die Futterkosten in die Höhe getrieben.
Damit nicht genug. Nach den starken Regenfällen der letzten Tage sind auch noch die Ställe im Freien überflutet und im Schlamm versunken, weshalb die Tiere derzeit auf engstem Raum in den Transportern untergebracht werden müssten. Eigentlich wollte der Zirkus bereits am vergangenen Wochenende zu einer Kirmes nach Ingolstadt fahren, hatte aber kein Geld mehr für Treibstoff.
Eine kleine Chance
Letztlich, das weiß Brombach heute, hätte es auch nichts genützt, weil auch dort das ganze Fest verregnet war. In anderthalb Wochen würde sich "Othello" eine kleine Chance bieten. "Wir haben ein Engagement bei dem Zirkus Leonardi angeboten bekommen. Das würde uns wenigstens einige Zeit über Wasser halten. Aber was nützt es, wenn wir nicht die etwa 250 Kilometer nach Nördlingen kommen, weil wir uns keinen Treibstoff kaufen können."
Eigentlich bleibe derzeit nur der Gang zum Sozialamt. Aber einen solchen Gedanken weist das Ehepaar Brombach weit von sich. "Wir können arbeiten, und das wollen wir auch", sagen sie. "Es geht hier schließlich auch um eine Tradition, die sonst verloren geht."
Natürlich könnte die Familie Tiere verkaufen. Damit aber wäre es mit dem Zirkus aus. Und für die zwei prächtigen Pferde sei nur der Schlachtpreis angeboten worden.
Spenden über Ritter
Der Zirkus "Othello" campiert derzeit auf dem Marktleuthener Festplatz. Wer helfen will, sei es mit Futter oder Spenden, kann das entweder direkt oder über den Marktleuthener Bürgermeister Helmut Ritter tun.
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