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Endstation für Güterzüge

Höllentalbahn | Seit Mitte März sind 2400 zusätzliche Lastwagen durch die Hofer Innenstadt, über die B 173 und die A 9 gerollt. Zur Straßen- und Umwelt-Entlastung fordert die Initiative Höllennetz die Reaktivierung der Bahnstrecke Marxgrün - Blankenstein.
Von Werner Rost
  • fpha_wr_holztransport_150410 Zeitweise fahren die Holz-Lastzüge im Konvoi auf der Ernst-Reuter-Straße durch Hof.
    Werner Rost
  • fpha_am_wr_gueterbahnhof_150 Hochbetrieb am Hofer Güterbahnhof: Aus der Ferne wirken die Lastwagen wie eine Ameisenkette. Das Holz stammt aus Frankreich und Polen und muss für die letzten 28 Kilometer bis zur Zellstofffabrik Blankenstein auf die Straße verlagert werden, weil die direkte Bahnanbindung fehlt. Foto: Stefan Winkler
     
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Hof / Blankenstein - Wenn Stefan Winkler mit dem Auto zu seinem Arbeitsplatz in Hof unterwegs ist, bietet sich dem Nailaer seit Wochen das gleiche Bild, über das er sich maßlos ärgert: Ständig rollen lange Lastzüge mit Rundholz auf der Ernst-Reuter-Straße, der B 173 und auf einem Abschnitt der A 9 nach Blankenstein, weil das dortige Zellstoffwerk keine direkte Bahnanbindung nach Süden hat. Winkler ist Vorstandsmitglied der Initiative Höllennetz, die sich seit Jahren für die Reaktivierung der Höllentalbahn zwischen Marxgrün und Blankenstein einsetzt.

Wie wuselnde Ameisenketten

Wie der Bahnbefürworter herausgefunden hat, stammt das Rundholz aus Frankreich und Polen. Ein Teil der Güterzüge endet in Hof, die anderen in Neuenmarkt-Wirsberg, wo jeweils die komplette Fracht auf Lastwagen verladen wird. "Aus der Luft muss das Ganze aussehen wie eine große Ameisenstraße mit zwei Zweigen aus Hof und aus Neuenmarkt-Wirsberg, die sich auf der A 9 vereinen", zieht Winkler den Vergleich. "Und alle Ameisen wuseln nach Blankenstein in einer langen Ketten", führt er seinen bildlichen Vergleich fort.

Wie die Initiative Höllennetz ermittelt hat, handelt es sich derzeit zwar um eine Ausnahmesituation, die jedoch gewaltige Dimensionen hat: Fast täglich ist in den vergangenen Wochen werktags ein Güterzug mit 20 Waggons nach Hof gerollt. Zur Entladung müssen diese Züge am Güterbahnhof zweigeteilt werden. Pro Waggon sind zwei Lastzüge erforderlich, um die Fracht übernehmen zu können. Winklers Recherchen zufolge waren seit Mitte März 1200 volle und genau so viele leere Lkw-Fahrten und somit 2400 Lkw-Bewegungen nötig, um die gesamte Fracht von 35 000 Festmeter Holz nach Blankenstein zu befördern.

Wie Leonhard Nossol, der Geschäftsführer der ZPR Blankenstein, auf Anfrage der Frankenpost bestätigt, handelt es sich in diesen Wochen um eine Ausnahmesituation. Die ZPR Blankenstein übernehme einen Teil des Wareneingangs des Zellstoffwerks Stendal, wo derzeit eine technische Revision stattfinde.

Bleibt die Frage, warum diese Züge denn nicht von Norden über Saalfeld und Lobenstein nach Blankenstein gefahren werden, wo die ZPR einen Werksgleis-Anschluss besitzt. Wie Nossol dazu erklärt, kommt diese Bahnstrecke wegen der Güterzug-Länge nicht in Frage. Der ZPR-Geschäftsführer verweist auf den Bahnhof Wurzbach, wo für alle Züge zwischen Saalfeld und Blankenstein ein Fahrtrichtungswechsel nötig ist. Die dortigen Gleisanlagen würden die Zuglänge begrenzen. Zudem bestünde auf dem Blankensteiner ZPR-Werksbahngelände derzeit keine Möglichkeit, derart lange "Ganzzüge" zu entladen.

Nossol bedauert die derzeitige Ausnahmesituation und verweist auf die erheblichen Kosten durch den zusätzlichen logistischen Aufwand beim Umladen in Hof. Gleichzeitig erinnert er an ein anderes Transportproblem, das sich der ZPR Blankenstein ständig stelle. So beziehe die ZPR das ganze Jahr über Holz aus Tschechien, das im Nachbarland mit der Bahn derzeit nur bis Asch transportiert werden könne. Dort müsse das Holz auf Lkw verladen werden, das von Asch bis Blankenstein ausschließlich auf Straßen durch die Region gefahren werde. Für die ZPR sei daher sowohl ein Lückenschluss zwischen Asch und Selb als auch von Marxgrün nach Blankenstein wünschenswert, erklärt Nossol. Der ZPR-Geschäftsführer bedauert, dass die Schienen-infrastruktur derzeit noch immer den Stand der deutschen Teilung widerspiegele. Im Vergleich zu anderen Großprojekten ließe sich mit diesen beiden kurzen Bahnstrecken mit einem verhältnismäßig geringen Kostenaufwand ein großer Nutzen erzielen, betont Nossol. Die ZPR sei bereit, ihre Werksgleisanlage zu erweitern, um längere Züge entladen zu können, wenn eine direkte Anbindung nach Süden zur Verfügung stünde.

Chance nur mit Personenzügen

Nossol und Vorsitzender Fritz Sell von der Initiative Höllennetz kritisieren, dass von der Politik zwar die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene gefordert, dafür aber nichts getan werde. Deshalb verlagere sich der Verkehr eher umgekehrt auf die Straße, bedauern beide.

Die "Holz-Sonderzüge" werden nicht von der Deutschen Bahn, sondern von der Privatbahn Integro zugestellt, die ihren Sitz im sächsischen Reichenbach hat und die derzeit auch die Containerzüge nach Hof befördert. Nach Einschätzung von Integro-Geschäftsführer Tobias Richter lohnen sich die Investitionen für die Höllentalbahn und für die Strecke Selb - Asch nur, wenn dort auch Personenzüge fahren würden. Als großen Kostenfaktor bezeichnet Richter die nötige Signaltechnik zur Anbindung an die bestehenden Bahnstrecken nach Bad Steben und Selb.

    
    

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