zuletzt bearbeitet: 16.08.2009 16:23 Uhr
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In Texas gerät Jean Paul kurz in Unordnung
Joditz - Über ihren Ur-Großvater hat Adele Metzner 13 dicke Aktenordner voller Informationen zusammengestellt. Seine Korrespondenz, seinen Stammbaum, sein ganzes Leben hat sie gesammelt - Ernst Förster war ein wichtiger Mann. Er hat sich mit König Ludwig I. geschrieben und hat zwischen Großherzogen vermittelt, war unter anderem Kunstkritiker und Maler. Und er war der Schwiegersohn des berühmten Dichters Jean Paul. Adele Metzner, heute 90 Jahre alt, ist die Ur-Ur-Enkelin des Literaten. Seine Werke und sein Vermächtnis gehören zu ihrem Leben. In dieser Woche war sie mit ihrem Neffen Michael von Lacroix - ein Ur-Ur-Ur-Enkel des Schriftstellers - zu Gast im Jean-Paul-Museum in Joditz. Seit elf Jahren tauschen sich die Nachkommen mit den Museumsbetreibern über ihre gemeinsame Leidenschaft aus: den Mann, der sie alle begeistert und verbindet.
Der Start dieser Beziehung war dabei ein denkbar ungünstiger: Bei der Museumseröffnung am 21. März 1998 in der Joditzer Kirche hat Adele Metzner gerade noch einen Stehplatz auf der oberen Empore ergattert - weil die Museumsleiter gar nicht wussten, dass sie kommt. "Ich lebte damals in der Nähe von Köln. Dort habe ich in der Zeitung eine winzige Notiz gesehen, dass in Joditz dieses Museum eröffnen soll", erzählt die 90-Jährige. Mit einem ihrer Söhne ist sie in die Jugendheimat ihres Vorfahren gefahren. Und war mehr als erstaunt, auf wie viel Interesse die Museumseröffnung gestoßen ist.
Bewunderer von überall her
Damit war sie allerdings nicht allein: Karin und Eberhard Schmidt, die das Museum führen, erging es ebenso. "Wir hatten ja alle unsere Verwandten eingeladen, weil wir dachten, die Kirche ist sonst vollkommen leer", sagt Karin Schmidt. Doch dann seien die Menschen von überall her nach Joditz gekommen, um dem beliebten Literaten ein Denkmal zu setzen, ergänzt Eberhardt Schmidt. Nach der Zeremonie hat ihn eine ältere Dame angesprochen: Adele Metzner. Seitdem besucht sie die Schmidts regelmäßig, um über Verwandtschaftsverbindungen und Briefkontakte Jean Pauls, über Werke, Bewunderer und Erinnerung zu plaudern.
"Ich bin keine Expertin", sagt Adele Metzner. Und stapelt dabei richtig tief: Die Bücher und Briefe ihres Ur-Ur-Großvaters kennt sie gut, die Namen derer, mit denen er sich schrieb, weiß sie bis in den letzten Zusatz und auch die Forscher und Bewahrer, die Historiker und Literaten, die sich mit ihrem Vorfahr beschäftig(t)en, hat sie allesamt im Kopf und der Kontaktkartei.
Einen solch großen Mann im Stammbaum zu haben, das verpflichtet natürlich. "Dabei stehen da auch noch viele andere bekannte Namen - wie Lucas Cranach und die Großen der Hanse", sagt Michael von Lacroix. Das Erbe zwinge die Nachkommen nicht unbedingt zur größten Sachkenntnis, wohl aber dazu, als Repräsentanten von Jean Pauls Vermächtnis aufzutreten: Adele Metzner ist unterwegs bei Denkmal-Einweihungen und zu Gedenk-Veranstaltungen, regelmäßig ist sie in den Archiven unterwegs und hält selbst Lesungen. Eine Erkenntnis Jean Pauls will sie dabei unbedingt weitergeben: "Jeder soll seine Begabung ausleben und anwenden, so wie auch er das gemacht hat."
Forschung bis 2050
Diese Botschaft wird wohl auch in Zukunft weitergetragen werden: Von ihren Kindern und Enkeln interessieren sich gerade die am meisten für ihren deutschen Vorfahr, die vor Jahren nach Texas ausgewandert sind. "Ich habe meinem Sohn die Briefe-Sammlung meines Ur-Großvaters, dem Jean-Paul-Schwiegersohn, geschickt. Er hat natürlich einiges durcheinandergebracht - also bin ich nach Texas geflogen, und habe alles wieder geordnet", erzählt die 90-Jährige. Auch der Enkel habe nun das Interesse am Schriftsteller entdeckt.
Doch freilich ist Jean Paul heute nicht nur Thema bei den Liebhabern: "Die literarischen Forschungen sollen meines Wissens noch bis 2050 gehen", sagt Karin Schmidt. Ganze Literaten-Teams analysieren und kommentieren die Schriftstücke des Autors. Die Reihe "Jean Pauls sämtliche Werke", die schon jetzt einige Regal-Meter füllt, wird noch weitergeführt. Darin tauchen immer wieder Briefe auf, die ihm Menschen aus Rehau und Regnitzlosau, aus Hof, Joditz oder Bayreuth geschickt haben. Oder welche von Ernst Förster, dem Ur-Großvater von Adele Metzner.
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