zuletzt bearbeitet: 07.01.2010 23:50 Uhr
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Jugend trifft auf alte Werte
Neuzugang | Die Gemeindereferenten Rahel und Christian Nürnberger wollen unter den Protestanten in Oberkotzau manches verändern, aber nichts auf den Kopf stellen.
Oberkotzau - Nürnbergers mögen es beschaulich. Der Kater schleicht um den Sessel, und auf dem drückt die 25-jährige Rahel ihren Rücken ins Schaffell. Neben ihr sitzt ihr gleichaltriger Mann Christian auf einem Kissen, schüttelt sich die Rastalocken aus dem Gesicht und stellt die Teekanne sacht aufs Stövchen. Das neue Gemeindereferenten-Paar in der evangelischen Gemeinde Oberkotzau sagt von sich, dass es "konservativ in Glaubensinhalten" ist. Und sie ergänzt: "Aber mit der Liturgie kann die Generation MTV nichts anfangen." Nicht über den Glauben an sich, über die Form müsse man also reden.
Die beiden aus dem mittelfränkischen Markt Erlberg kennen sich, seit sie elf sind. Die Eltern saßen im selben Kirchenvorstand, die Kinder eiferten ihnen nach und engagierten sich im Jugendkreis. Dann gingen sie, nachdem sie 2003 geheiratet hatten, nach Adelshofen ins theologische Seminar, um sich auf das Leben als Gemeindereferenten vorzubereiten. "Nach Bayern sollte es wieder gehen", sagt Christian Nürnberger. Oberkotzau wurde es schließlich, den Sohn des örtlichen Pfarrers Baderschneider kannten sie vom Studium, er machte sie auf die freie Stelle aufmerksam.
Vorbei am Leben
Nun sitzen sie dort, haben in der Wohnung das Keyboard aufgebaut, Rahel Nürnberger plant, in einer Jazz-Band zu singen und für die Menschen etwas zu tun. Das Paar sieht sich als eine Art Verkörperung aus Jugendlichkeit und Konservatismus. Werte, elementare christliche Werte wie Treue, Ehrlichkeit und Rücksicht sind ihnen wichtig. Darüber ist kaum zu diskutieren, sind sie sich einig. "Aber die Gottesdienste in der Kirche laufen manchmal an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei", sagt Christian Nürnberger. Seine Frau schließt sich ihm an - Ehe, Erziehung, Konsum oder Umwelt seien Themen, die die Liturgie zu selten berühre. Dazu komme der Effekt, dass der Gottesdienst nicht alle locke, die zu locken seien. "Für Jugendliche, die mit Rock und MTV-Videoclips aufwachsen, ist die Liturgie von heute etwas Fremdes. Das kann man ändern", sagt die Neu-Oberfränkin. Auch Christian Nürnberger denkt an neue Formen, Nachtgottesdienste etwa, wie er sie während eines Praktikums in Berlin kennenlernte, hätten Charme.
Angst vor einer liturgischen Revolution müsse aber keiner haben. "Wir wollen auf keinen Fall der Gemeinde etwas überstülpen, was sie vielleicht gar nicht will", sagt die 25-Jährige. Gottesdienstformen gebe es viele, und etwas Abwechslung habe gewiss ihren Reiz. Ein wenig bremsen müssten sie sich dennoch, räumen sie ein. Bislang seien sie vor allem innerhalb der Jugendarbeit aktiv gewesen, auch für Senioren zuständig zu sein, ist neu für sie.
Sehen, was möglich ist und was gewollt wird, das ist nun ihre erste Aufgabe. Bislang wüssten sie, dass Oberkotzauer direkt, aber freundlich sind, und dass es bereits eine ordentliche Zahl Ehrenamtlicher in der Gemeinde gebe. Noch mehr aktive Menschen einbinden, in der Seelsorge viel erreichen, das sind die nächsten Ziele. Menschen mobilisieren sei besonders wichtig. Rahel Nürnberger: "Meine Maxime lautet, dass man seine Arbeit dann gut gemacht hat, wenn man sich ein Stück weit entbehrlich gemacht hat." Und sollten sie eines Tages Oberkotzau wieder verlassen, wollen sie, wie Christian Nürnberger sagt, eines erreicht haben: "Die Menschen sollten jeder für sich ein Stück weitergekommen sein."
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