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Auffallend unauffällige Kunst

Leihgabe | Im Jubiläumsjahr „700 Jahre Pilgramsreuth“ hat der Künstler Roland Lein für das Gotteshaus zwei Bilder maßgeschneidert, die nun den Altarraum zieren. Er will beweisen, dass sich Alt und Neu verbinden lassen.
  • fpha_lein_091208 Roland Lein vor dem Kreuz-Motiv, mit dem er die Tragik der heutigen Zeit darstellt. Fotos: glas
     
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Pilgramsreuth – Einer, der jeden Sonntag in die Kirche geht, ist er nicht. Gläubig aber schon. Und vor allem ist Roland Lein stolz auf die Dorfkirche von Pilgramsreuth, seinem Wohnort. Im Jahr des 700. Jubiläums des Gotteshauses hat der Künstler zwei Werke kreiert, die jetzt den Altarraum der Kirche schmücken – und auffallen, indem sie eben nicht auffallen.

„Christliche Motive sollten zum Repertoire jedes Künstlers gehören“, findet der 58-Jährige. Immerhin sei die Kirche vor Jahrhunderten die erste Institution überhaupt gewesen, die sich mit Kunst umgeben hat, wenn auch nicht ganz freiwillig. Immerhin hätten damals viele Leute nicht lesen können, sodass ihnen die Bibelgeschichten visuell zugänglich gemacht werden mussten.

Diesem Anspruch müssen Künstler heutzutage nicht mehr genügen. Und doch waren sie hoch, die Ansprüche, die Lein vor über einem Jahr an sich gestellt hat, als er beschloss, zwei Bilder für die Dorfkirche in Pilgramsreuth zu malen. „Ich wollte die verschiedenen Stilepochen dieser Kirche mit Kunst der jetzigen Zeit ergänzen“, erzählt der Künstler, „zeigen, dass das eine das andere nicht ausschließen muss, sondern gut miteinander harmonieren kann!“

Mit diesem Ziel setzte er sich in die heimische Scheune, denn für Bilder dieser Größe erwies sich das Wohnzimmer als zu klein. Ein Dreivierteljahr sollte er dort zubringen, denn nicht nur einmal übermalte er das soeben Geschaffene wieder. „Unsere Dorfkirche ist reich bestückt mit Kunst aus drei Epochen, Romanik, Gotik und Barock. Dazu das ganze Gold überall. Daneben ist es schwer, mit eigener Kunst zu bestehen“, erzählt er aus der Schaffensphase.

Die war zu Ende, als Landesbischof Dr. Johannes Friedrich dem „Geburtstagskind“ im September persönlich zum 700. gratulierte. Seit dessen Besuch stehen die beiden Acrylbilder im Altarraum, eines rechts des Altars, eines links, auf großen, weißen Staffeleien.

Freude übers Engagement

Friedrich habe die Neuerung ebenso begeistert aufgenommen wie der vierköpfige Kirchenvorstand. „Einfach klasse, wenn sich jemand im Dorf so engagiert“, freut sich auch Gerti Röder, die zu denjenigen gehört, die regelmäßig Touristen durch das Gotteshaus führen – und seit Neuestem auch auf die Kunst von Roland Lein aufmerksam machen.

Zwei Kreuz-Motive hat er für die Kirche kreiert – eines, das in flammenden Farben die Dramatik der heutigen Zeit widerspiegelt, und eines, das die Auferstehung thematisiert.

Gewollte Diskussion

Die Pilgramsreuther kennen die Kunst „ihres“ Roland Lein bereits, weil mehrere seiner Werke, darunter ein Triptychon, das Gemeindehaus zieren. Diskutiert wird über die neuen Kreuze am Altar trotzdem. „Genau das will ich ja erreichen“, sagt Lein. Kritische Stimmen seien jedoch kaum an sein Ohr gedrungen. Gerti Röder ist aber aufgefallen, dass viele Besucher die Bilder auf den ersten Blick gar nicht wahrnehmen. „Das zeigt, dass sie sich gut einfügen“, sagt Lein.

Ob sie zur Dauer-Institution werden, steht bis dato noch nicht fest, auch weil an den Wänden wegen der wertvollen Fresken kein Platz für Bilder ist. „Ich würde sie aber gern zur Verfügung stellen“, sagt der Künstler. glas

    
    

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