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Ein Feuerwerk aus reiner Tradition

Dorffest | Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum „700 Jahre Kirche in Pilgramsreuth“ hat die Dorfgemeinschaft zum Handwerkermarkt eingeladen. Dort gibt‘s alles von der Seife bis zum Schönheitsrezept.
  • fpha_cp_dorf1_280708 Schlendern von Vorführung zu Vorführung: An 25 Stationen präsentierte sich gestern allerlei altes Handwerk den vielen Besuchern. Fotos: D.F.
     
  • fpha_cp_dorf2_280708 Wer der Sommerhitze entgehen und dabei noch etwas für die Bildung tun wollte, der war mit einer Kirchenführung gut bedient.
     
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PilgramsreuthFast gab es kein Durchkommen mehr gestern nach Pilgramsreuth: Unzählige Besucher aus nah und fern waren der Einladung der Kirchengemeinde Pilgramsreuth und den ortsansässigen Vereinen und Bürgern gefolgt und sind bei strahlendem Wetter zu einer weiteren Veranstaltung im Jubiläumsjahr gekommen – dem großen Dorffest.

So war schließlich auch das ganze Dorf auf den Beinen, um den Gästen für Augen, Ohren und Gaumen Genüsse zu bieten, die man nicht allerorten findet. Auf 25 Stationen konnten sich die Gäste mit außergewöhnlichen Waren und alten Handwerksvorführungen fühlen wie in der Zeit vor 100 Jahren. Billigware aus Fernost suchte man hier gottlob vergebens, vielmehr fand sich ein Feuerwerk aus Tradition und Leidenschaft zu jeglicher dargebotener Arbeit.

Längst vergessene Handwerkskünste – wie beispielsweise das Sattlerhandwerk, vorgeführt von Gerhardt Hopperdietzel – oder die betörende Vielfalt handgemachter Seifen der Seifensiederei von Martina Forstner konnten hier bestaunt werden. Textile Unikate aus genähten Bändern, deren Herstellungsweise natürlich ein Geheimnis ist, zeigte Ivonne Italiaander, die wohl bald auch in Läden in München ihre außergewöhnlichen Objekte präsentieren wird. Der „Holzliebhaber mit Drechselbank“, wie sich aus Respekt vor dem Berufsstand Hobby-Drechsler Ullrich Bartsch aus Rödental bezeichnet, zeigte ebenfalls seine Kunst. „Es steckt viel Liebe zum Detail und Herzblut in jedem einzelnen Objekt, das hier ausgestellt wird“, erklärte Bartsch.

Ein ganzer Garten voller Arbeit

Er fertigt seine Waren aus heimischen Hölzern und hat – sehr zum Leidwesen seiner Frau, wie er schmunzelnd erzählte – schon den ganzen Garten für kommende Arbeiten bepflanzt. Sein Motto laute „Aus der Region – für die Region“. Damit lag er am Sonntag in Pilgramsreuth voll im Trend, wie man auch den Gesprächen der Besucher entnehmen konnte. Altes Handwerk kommt wieder in Mode.

Neben der Bürstenbinderin Gertrud Jaroß und dem Schanzenbinder Heribert Hautmann zeigten vor dichten Menschentrauben auch die Dachdeckerei Press aus Rehau und und der Steinhauer Harald Reul aus Sparneck ihr Können. Per Hand spaltete der Steinmetzmeister Horst Glaser vor interessierten Besuchern einen großen Granitstein. In reiner Handsägearbeit liebevoll hergestellte Schwibbögen hatte Stefan Pögelt aus Plauen mitgebracht.

Doch nicht nur die ältere Generation trug gestern zum Gelingen des Festes bei, auch die Landjugend Schwarzenbach und die Kinder aus dem Dorf führten Techniken wie Kartoffeldruck, das Herstellen von Seifenbällchen und verschiedene Volkstänze vor.

Auch kulinarisch war das Dorffest ein El Dorado für Liebhaber des Außergewöhnlichen und oft schon Vergessenen. Hilde Lang drehte emsig an der mit Holzkohlen betriebenen Röstmaschine und versicherte glaubhaft, dass „Muckefuck“ nicht nur schmeckt, sondern auch gut fürs Herz ist. „Außerdem macht er schee“, sagte sie. Gleich nebenan spann in schönstem Festtagsgewand auf einem uralten Spinnrad Anneliese Bergmann. Und erklärte dabei, dass der Begriff „Waafn“ wohl seinen Ursprung beim gemeinsamen Spinnen der Frauen in den Wintermonaten zustande kam. Im Biohof Röder durften die Besucher bei der Fertigung der „Knieküchla“ hautnah dabei sein, dazu gab‘s neben Milchshakes, Kuchen und Torten auch gebackene Klöße und Kochkäse. Für den Ohrenschmaus sorgten Erwin Lipsky, Ilse Hoechstätter, die Hofer Volksmusikanten und Herbert und Doris Hojer. Künstler Roland Lein zeigte ausdrucksstarke sakrale Bilder im Gemeindehaus.

Ob naturgefärbte und gefilzte Wolle, hausgemachte Konfitüren, eingelegte Nüsse oder Imkerhonig, kräftige Schmiede, Steinhauer, Holzschnitzer und Töpfer in Aktion: Der Sonntag war ein Fest für die Sinne. Und ein Tag, an dem noch viel für die Kirche getan wurde. Die Erlöse werden in die Erhaltung des Gotteshauses gesteckt. D.F.

    
    

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